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Interview mit Robert Corvus


© Gustav Kuhweide, Köln

  Robert Corvus ist seit 2013 das Pseudonym unter dem der Schriftsteller Bernd-Otto Robker seine Bücher veröffentlicht. Er studierte Wirtschaftsinformatik und wohnte in Schwaben bevor er schließlich nach Köln zog.
  Seine erste Veröffentlichung war der Vampir-Roman „Sanguis B.“, es folgten einige Romane für Fantasy Produktions (Das Schwarze Auge, Battletech) und ein Reisebericht über seine Weltreise 2004, damals noch unter dem Pseudonym Bernard Craw.
  Am 2013 folgten einige Fantasy- und Science Fiction-Serien oder Einzelromane, unter anderen „Die Schattenherren“, „Die Phileasson-Saga“ oder „Die Schwertfeuer-Saga“. Aktuell erschien „Berg der Macht“, der erste Band der Reihe „Gezeiten der Macht“. Dann schieb er noch einige Beiträge zur legendären SF-Heftromanserie „Perry Rhodan“, die sich wohl rühmen kann, die berühmtesten Gastautoren in ihren Reihen zu haben.

  Ist mit „Corvus“ Rabe oder Krähe oder egal welches von beiden gemeint?

  Ein Rabe, aber die Krähe liegt mir nicht fern. Als Teenager war ich ein großer Fan des Films "The Crow", was dazu führte, dass ich den Filmtitel lautmalerisch als Pseudonym übernahm: Bernard Craw. Dieses Pseudonym hat aber schlecht funktioniert, weil es ständig falsch geschrieben wurde, was zu Problemen führt, wenn die Buchhändler in ihren Bestellsystemen suchen und dann meine Bücher nicht finden. Beim Wechsel zu Piper habe ich deswegen das Pseudonym geändert. Dabei war der Klang ebenso wichtig wie die Bedeutung. Da ich in die Dark Fantasy ging, wollte ich ein Pseudonym mit dunklen Vokalen.

  Zeigten Sie schon in der Schule Interesse und Talent zum Schreiben?

  Deutsch und Geschichte waren meine Lieblingsfächer. Dafür habe ich sogar noch Hausaufgaben gemacht, als ich das in einer rebellischen Phase bei allen anderen Schulfächern eingestellt hatte. Die dabei entstehenden Texte, meist Aufsätze, hatten regelmäßig Überlänge, und auch in Klassenarbeiten neigte ich dazu, die gegebene Zeit komplett zum Schreiben auszunutzen und entsprechend umfangreiche Texte zu produzieren.
  Die erste Geschichte, an die ich mich noch erinnere, habe ich schon vor der Schulzeit verfasst. Da ich noch nicht schreiben konnte, habe ich sie mit dem Kassettenrekorder meiner Schwester aufgenommen. Mein Protagonist war ein Panther, der im Dschungel auf die Jagd ging.

  Welchen Beruf hofften Sie durch Ihr Studium der Wirtschaftsinformatik später ausüben zu können?

  Zu Beginn des Studiums hatte ich nur die nebulöse Vorstellung, "irgendwas mit Computern" zu machen (in der Schule war ich Gründungsmitglied der Informatik-AG). Während des Studiums entdeckte ich mein Interesse für ökonomisches Denken und Organisationsfragen. Meine erste Stelle trat ich dann auch in einer Abteilung für Ablauforganisation an, dann wurde ich Unternehmensberater für Ablauf- und Strategiethemen, danach Projektleiter für strategisches Outsourcing. Eine interessante Zeit mit Einsätzen von Moskau bis Madrid, von St. Neots bis Baden, in der Automobilindustrie, im Bankensektor, in einem Handelsunternehmen … Es ist faszinierend, auf der einen Seite zweistellige Millionenbeträge zu bewegen, andererseits aber festzustellen, dass der gesunde Menschenverstand selbst in solchen Regionen noch wichtiger ist als jede Abteilung mit Analysten und jedes Computerprogramm mit noch so ausgefeilten Kennzahlen.

  Mit welchem Computer(n) machten Sie Ihre ersten Schritte?

  Mit einem Commodore C128. Dieses Modell ist ein Beispiel dafür, dass Qualität allein nicht ausreicht, um sich am Markt durchzusetzen. Damals war die Hardware von Commodore dem IBM-PC in vielen Bereichen überlegen, aber IBM agierte klüger, was Kooperationen anging. In der Folge gab es bei Commodore viel zu wenig Software, die für das Geschäftsleben taugte. Der PC setzte sich durch, weil er die Firmenkunden überzeugen konnte – und was die Leute von der Arbeit kannten, stellten sie sich irgendwann auch zu Hause hin.
  Mein zweiter Computer war noch immer ein Commodore, ein Amiga 500. Der ging noch mehr in Richtung Spielekonsole als der C128 (und wurde dort später von den Playstations verdrängt).
  Erst im Studium war bei mir die Zeit für einen PC gekommen. Der hatte eine Turbo-Taste, mit der man die Prozessortaktung von 25 auf 33 MHz hochschalten konnte. Da fühlte man sich wie ein Porschefahrer, der Gas gibt.

  Spielten Sie früher oder jetzt auch auf den Computer und welche Spiele haben Sie in guter Erinnerung?

  Für den C128 kamen kaum eigene Spiele heraus, also habe ich meistens die großen Hits des C64 gespielt. Uridium war ein schönes Ballerspiel (von Ego-Shootern war damals noch nichts zu sehen). Paradroid war klasse. The Bard's Tale hat meine Geduld überfordert. The Great Giana Sisters war ein schönes Run and Jump. Eine gewisse soziale Komponente förderte Maniac Mansion, weil wir das in der Schulklasse alle gespielt haben und uns in den Pausen Tipps gaben, wie man mit dem Kristallschlüssel oder dem verrückten Professor umgehen sollte. In wechselnden Zusammensetzungen hockten wir nachmittags zusammen vor dem Fernseher (den man damals als Monitor-Ersatz benutzte) und knobelten gemeinsam weiter. Wer den Joystick hatte, war natürlich der König.
  Auf dem PC habe ich gern Civilization und Master of Orion gespielt.
  Seit vielen Jahren bin ich den Computerspielen abhold, aber ich verbinde schöne Erinnerungen mit diesem Hobby. Und an Vampire's Empire, wo man mittels Spiegeln Sonnenstrahlen in die Tiefe einer Gruft lenkt, habe ich gedacht, als ich meine neueste Romanreihe, Gezeiten der Macht, konzipiert habe – den Kennern wird dieses Motiv auffallen.

  Warum schreiben und schrieben Sie meist unter einem Pseudonym?

  Pseudonyme sind Marken. Mit "Corvus" kann ich zum Beispiel einen stimmigen Look in meine Webpräsenz, meine Autogramm- und Visitenkarten bringen, indem ich Rabenmotive aufnehme, die ich extra für diesen Zweck habe zeichnen lassen.
  Zudem hat mein bürgerlicher Name, Robker, denselben Nachteil, den ich damals mit Craw hatte: Man schreibt ihn in der Regel falsch. Das ist mir aufgefallen, als ich einmal telefonisch einen Meetingraum gebucht habe. Zum Glück gab es in der Lokalität nur derer drei, sonst wäre ich nicht darauf gekommen, dass der mit "Rüpga" beschriftete Raum für meinen Workshop bestimmt war.

  Warum wechselten Sie nach ihrem Debüt „Sanguis B.“ vom Horror- zum Fantasy- bzw. Science-Fiction-Genre?

  Ich habe ein wenig Schwierigkeiten, Horror überhaupt als Genre zu sehen. Für mich ist es ein Stilmittel: Man erzeugt eine Stimmung, die dazu geeignet ist, dass sich die Leserin oder der Leser fürchtet. Das kann man im Thriller machen (Das Schweigen der Lämmer), in der Science-Fiction (Alien), in der Fantasy (da nenne ich meinen Roman Schattenkult) – in jedem Genre. Sanguis B. benutzt viele klassische Elemente aus dem Horror, aber das Gerüst der Geschichte ist so etwas wie Near Future Science-Fiction: Eine Seuche bedroht die Menschheit existenziell, die Gesellschaft, wie wir sie kennen, zerfällt, eine neue Struktur muss sich bilden. Der Roman begleitet diesen Umbruch – auch wenn seine Protagonisten Studentinnen und Studenten sind, wie man sie jeden Tag in der Kölner U-Bahn treffen kann.
  Aus meiner Sicht ist Sanguis B. also bereits ein Roman im Science-Fiction-Genre, weswegen meine BattleTech-Romane kein Genrewechsel waren.
Aber um zum Kern der Frage vorzudringen: Ich schreibe grundsätzlich die Geschichten, die ich gern lese. Ich lese also meist ähnliche Romane wie die, die ich schreibe. Zwar gibt es Ausflüge in andere Gefilde, aber im Schwerpunkt setzt sich meine Leseliste aus Science-Fiction und Fantasy zusammen.

  Gibt es eine bevorzugte Inspirationsquelle für Ihre Romane oder spielt das keine Rolle?

  Mich inspirieren gute Geschichten. Wenn ich einen interessanten Film sehe oder ein spannendes Buch lese, setzt das meine eigene Kreativität in Gang. Oft überlege ich, was passieren würde, wenn die Handlung einen anderen Twist nehmen würde (was wäre, wenn sich Frodo entschließt, den Ring nicht zu vernichten, sondern als Waffe einzusetzen?), oder wie die Geschichte aus der Sicht einer Nebenfigur aussehen würde (wie nimmt der Wirt im Tänzelnden Pony den Überfall der Schwarzen Reiter wahr?). Das sind gute Startpunkte, von denen aus sich allerdings Geschichten entwickeln, denen man ihren Ursprung nicht mehr anmerkt.

  Wie kam Ihre Zusammenarbeit mit Bernhard Hennen zustande?

  Wir haben beide eine Verbindung zu Das schwarze Auge, was auch Werner Fuchs, einem der Erfinder dieser Fantasywelt, bekannt ist. Werner hatte immer den Traum, eine wirklich große, epische Romanreihe in seiner Welt zu etablieren. Auf einer Convention sprach er Bernhard Hennen an, der mit der Phileasson-Saga eine zwölfteilige Abenteuer-Kampagne für das Rollenspiel entwickelt hatte. Diese Kampagne ist grundlegend für diese Fantasywelt, die Figuren bereisen dabei viele Regionen, die die Spieler dadurch für sich entdecken. Bei Bernhard ist sicher auch Nostalgie dabei, wenn er zu diesem Frühwerk zurückkehrt. Allerdings ist er wegen seines Erfolges am Buchmarkt sehr gefragt, sodass er ein solches Projekt rein zeitlich nicht allein umsetzen könnte. Ich war damals bereits mit sieben Romanen in der Fanpro-Reihe als Autor bei Das schwarze Auge etabliert, und zudem war Werner mein Literaturagent. So hat er mich ins Spiel gebracht. Bernhard hat einen Roman von mir gelesen (Feind, meine erste Piper-Veröffentlichung), war geneigt, der Sache eine Chance zu geben – und nun sind wir hier, von den geplanten zwölf Romanen sind sieben erschienen, von denen vier auf der Spiegel-Bestsellerliste standen. Unsere Reihe scheint den Leuten also zu gefallen.

  Wie kamen Sie als Leser und später als Autor zu „Perry Rhodan“ und wie stark unterscheiden sich „Perry Rhodan Neo“ von der klassischen Reihe?

  Heftromane waren in meinem Teenager-Freundeskreis ein Thema. Larry Brent, Macabros und John Sinclair wurden gelesen. Dass meine Kumpels jede Woche mit ihren literarischen Freunden neue Abenteuer erlebten, beeindruckte mich. Ich war jedoch in der Box, weil ich in jugendlichem Überschwang mein Missfallen gegenüber Horror postuliert hatte. Daher konnte ich leider in keine der genannten Serien einsteigen, ohne das Gesicht zu verlieren, was mich mächtig wurmte. Zum Glück fand ich in einem Drehständer im Kiosk Perry Rhodan. Ich entschied mich, vermutlich wegen des Titelbildes, für einen Heftroman der vierten Auflage, Nummer 507, Zwischenspiel auf Tahun. An die Handlung habe ich nur noch wenig in Erinnerung, aber die parapsychologisch begabte Kuh Gesine habe ich noch vor Augen. Die konnte mit ihrem Schwanz hübsche Symbole formen und die Gefühle der Menschen in der Nähe erspüren. Wohl nicht wegen der Kuh, sondern wegen anderer Elemente kaufte ich mir in der Folgewoche das nächste Heft und blieb der Serie ein paar Jahre treu. Ich machte die übliche Entwicklung mit, las irgendwann neben der Viert- auch die Erstauflage und kaufte auf dem Flohmarkt alte Hefte nach. So las ich insgesamt etwa 400 Hefte, bevor mir die Serie zu pazifistisch wurde (man schaltete die Schutzschirme ab, um die angreifenden Kamikaze-Piloten nicht zu gefährden …).
  Ich fuhr ab 1988 auf Conventions, die oft einen starken Perry-Anteil hatten. Aus dieser Zeit kenne ich Klaus N. Frick. Klaus wurde zwischenzeitlich Chefredakteur, ich etablierte mich als Autor. Da lag es nahe, auch gemeinsam etwas zu machen. Als das spruchreif wurde, gab es bei Neo einen Engpass an Autoren. Klaus stellte den Kontakt zum damaligen Exposéautor Frank Borsch her.
  Für die erste Mini-Serie, Stardust, wurden später wieder Autoren gesucht. Damit erprobte ich mich im Universum der Erstauflage.
Inzwischen schreibe ich gern ab und zu einen Gastroman in der Erstauflage, wo ich mich mittlerweile auch besser auskenne (mein Ausstieg bei Neo hängt ursächlich mit meinem Engagement bei der Phileasson-Saga zusammen – da musste ich mich für einige Zeit voll auf die Recherche fokussieren).
  In der Zeit, in der ich für Neo geschrieben habe, bestand der wesentliche Unterschied darin, dass es sich um eine Near-Future-Science-Fiction handelte (was heute nur noch eingeschränkt gilt). Wir waren nur ein paar Jahrzehnte in der Zukunft. Themen wie der Klimawandel, die wir aus den Nachrichten kennen, spielten in der Serie eine wichtige Rolle. Gleichsam hellsichtig konzipierte Frank Borsch Russland als ein neues Zarenreich. Beim Schreiben musste ich mich immer fragen, welche zusätzlichen Möglichkeiten die fortgeschrittene Technik der Serie meinen Protagonisten eröffnete.
  Bei der Hauptserie ist die Frage umgekehrt zu stellen. Die Technik ist dermaßen weit, dass man ausloten muss, was sie nicht kann.

  Wie wird bei Perry Rhodan eigentlich auf neue, wissenschaftliche Erkenntnisse reagiert? Gibt es da eine Art Regelwerk, das gegebenenfalls geändert wird oder hält man sich an den Wissensstand vom Beginn der Serie und wie unterscheiden sich da Neo und klassische Serie?

  In aller Regel hält man sich bei beiden Serien an den aktuellen Stand der Wissenschaft, soweit er Autoren und Team bekannt ist (und das ist durchaus erheblich – Verena Themsen etwa ist im Hauptberuf Physikerin). Dafür werden mitunter auch Setzungen aus älteren Heften behutsam korrigiert. Ein aktuelles Beispiel ist der Merkur, dessen Rotationsverhalten früher falsch beschrieben wurde (weil man dachte, er würde der Sonne permanent dieselbe Seite zuwenden). Solche Anpassungen sind auch schon bei der Adaption der Heftromane in die Silberbände gemacht worden, wenn etwa astronomische Entfernungen einem neuen Forschungsstand angepasst wurden.
  Ich kann mir aber die Abschweifung nicht verkneifen, dass ich den Begriff "wissenschaftliche Erkenntnis" an sich schon für problematisch halte. Allzu viele behandeln die Wissenschaft als Ersatzreligion mit einem Konvolut an Glaubenssätzen, auf die man schwören muss, weil man sonst ein schlechter Mensch ist. Das ist eine Vergewaltigung wissenschaftlichen Denkens. Wissenschaft ist aus meiner Sicht eine Methode, keine Bibliothek. Diese Methode besteht im Kern aus der Formulierung von Hypothesen und dem strukturierten Versuch, diese Hypothesen zu widerlegen (zu falsifizieren). Aufgabe der Wissenschaft ist nicht, den Leuten einzutrichtern, dass alle Schwäne weiß sind, sondern sich auf die Suche nach dem schwarzen Schwan zu begeben, der diese Hypothese falsifiziert (zum Beispiel einem australischen Singschwan). Wenn wir seltener von "wissenschaftlicher Erkenntnis" und häufiger von "bislang noch nicht widerlegten Vermutungen" sprächen, würden wir viel Aggression aus so mancher Diskussion nehmen.


©privat

  Hat George R. R. Martin mit seinem „Game of Thrones“ Ihrer Meinung das Fantasy-Genre nachhaltig verändert? Zumindest mit den (im Original) ersten drei Büchern und hat er sich danach anscheinend nicht hoffnungslos zerfranst?

  "Game of Thrones" beziehungsweise "Das Lied von Eis und Feuer" hat einen Umbruch in einer Dimension gebracht, der durchaus mit Tolkien vergleichbar ist. Es ist eine neue Art, Fantasy zu konzipieren, zu präsentieren und zu erzählen, und die Auswirkung wird dauerhaft sein. Das ist eine andere Sache als ein Trend, der irgendwann ausläuft, weil es sich kaum auf die Motive, aber sehr stark auf das schriftstellerische Handwerk bezieht.
  Mir gefällt sein Werk sehr gut. Ob der vierte und fünfte Band den Fokus verloren haben oder vielmehr die Bühne für ein epochales Finale bereiten, traue ich mich noch nicht, zu beurteilen. Das wird man wohl erst sagen können, wenn die Geschichte komplett vorliegt.

  Würde ein Verlag es bei einem erfolgreichen Autor außerhalb der SF oder Fantasy wagen, Bücher bei der Übertragung ins Deutsche in zwei oder mehr Teile zu zerlegen? Insbesondere wenn es dann wie etwa bei Steven Erikson dazu kommt, dass zwischen der Veröffentlichung von zwei Teilen eines(!) Buches Jahre liegen können.

  Es gibt sicher Verlage, die alle möglichen Sachen mit einem Text anstellen. Man denke nur an die atemberaubenden Kürzungen in den Reader's-Digest-Ausgaben. Davor ist kein Werk gefeit, noch nicht einmal Klassiker.

  Andererseits, ist das nicht eine gute Gelegenheit für deutschsprachige, phantastische Literatur, diesen Startvorteil zu nutzen, nicht zuletzt, da deren Qualität wirklich merklich dazugewonnen hat?

  Diesen Startvorteil nehme ich nicht wahr.
  Was die Unterhaltungskultur angeht, sind wir von den USA geprägt, nicht nur in der Literatur. Grundsätzlich scheint auch die Gleichung zu funktionieren: "Was in den USA ein Bestseller wird, das wird sich auch in Deutschland durchsetzen." Von daher ist eine solche Übersetzung besser zu kalkulieren als der Ankauf eines Originalmanuskripts. Der Dollar liegt im Wechselkurs relativ niedrig, was den Einkaufspreis attraktiv macht. Und man hat nicht das Risiko, dass ein Werk eventuell nicht fertig geschrieben wird, wenn es auf Englisch bereits vorliegt.
  Vor dem Hintergrund dieser Fakten kann ich die Präferenzen der Verlage verstehen, auch wenn ich dadurch ein ungünstiges Blatt in der Hand halte. Die Rahmenbedingungen werden uns also nicht retten, auch in Zukunft wird den deutschsprachigen Autorinnen und Autoren nichts in den Schoß fallen. Wenn wir uns durchsetzen wollen, müssen wir Qualität liefern, im Zweifel sogar bessere als die internationale Konkurrenz. Die Leserschaft wird es uns danken.

  Herzlichen Dank und viel Erfolg für künftige Projekte!


Von Alfred Ohswald am 29. 3. 2019