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Interview mit Christian Egle


Christian Egle

  Christian Egle ist Pressesprecher der SuSE AG in Nürnberg (www.suse.de).

  Herr Egle, die SuSE Linux AG hat gerade mit der Version 8.0 das bislang umfangreichste Softwarepaket von SuSE für den Linuxanwender in den Handel gebracht. Könnten sie rückblickend etwas über die Entstehung von SuSE, zu den wichtigsten Meilensteinen der Firmenentwicklung bis heute sagen?

  Vor fast genau zehn Jahren begann die Gesellschaft für Software- und System-Entwicklung mbH (SuSE) mit der Distribution von Linux auf Disketten und später auf CDs. Heute ist das Unternehmen Europas führender Anbieter von Produkten und Dienstleistungen rund um das Open-Source-Betriebssystem Linux. SuSEs Herzstück ist eine Hundertschar von Linux-Spezialisten, die in einem ständigen Austausch mit der weltweiten entwickelnden Open-Source-Community steht. Die über das Internet vernetzte Gemeinschaft schuf mit Linux ein Betriebssystem, das in Bezug auf Stabilität und Sicherheit seinesgleichen sucht.
  Seit Mitte letzten Jahres profitieren auch kleinere und mittelständische Unternehmen ohne eigenes Linux-Know-how von den Vorteilen des Pinguin-OS. "SuSE Linux Business Solution" heißt die Zauberformel für die weitestgehend vorkonfigurierten und einfach zu administrierenden Softwarelösungen für E-Mail, Groupware, Connectivity, Security oder Datenbanken.

  SuSE Linux basiert auf sog. freier bzw. "open source" Software. Könnten sie etwas sagen zu dem für viele Menschen schwer verständlichen Konzept (auf Basis von open source), mit kostenloser Software ein Unternehmen zu führen?

  Das Betriebssystem Linux und die auf Linux basierende Software werden nach dem Open-Source-Prinzip veröffentlicht. Das bedeutet, dass der Quellcode für alle im Internet offen liegt. Damit Linux auch dauerhaft für jedermann frei zugänglich bleibt, unterstellte Linus Torvalds "sein" Betriebssystem der GNU General Public License (GPL), einer unabhängigen Lizenz der Free Software Foundation, Cambridge (Massachusetts). Diese Vereinbarung regelt die Lizenzierungsrechte freier Software und verhindert zum Beispiel, dass Distributoren eines freien Programms Eigentumsrechte auf dieses anmelden. Dadurch ist gewährleistet, dass Linux dauerhaft herstellerunabhängig bleibt und alle Funktionserweiterungen in die Weiterentwicklung einfließen.
  Dank der freien Verfügbarkeit des Quellcodes ist jeder Anwender - entsprechende Fachkenntnisse vorausgesetzt - in der Lage, den Code seinen eigenen Bedürfnissen anzupassen, Fehler aufzuspüren und zu eliminieren. Da diese verbesserten Codes über die Linux-Community wieder der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden, sind Programmierfehler oft innerhalb von wenigen Tagen entdeckt und beseitigt. Dieses Prinzip hat dazu geführt, dass Linux stabiler und sicherer ist als andere freie Betriebssysteme oder vergleichbare Programme kommerzieller Anbieter. Um bei all diesen Freiheiten trotzdem die einheitliche Basis des Betriebssystems für alle Anwender zu gewährleisten, wird eine offizielle Version des Linux-Programmkerns, des so genannten Kernels, vom Systeminitiatior Linus Torvalds selbst freigegeben, der dann jeweils die Basis für die Weiterentwicklung bildet.
  Das Betriebssystem Linux und die auf Linux basierende Software werden nach dem Open-Source-Prinzip veröffentlicht. Das bedeutet, dass der Quellcode für alle zugänglich ist und Linux samt Software kostenfrei aus dem Internet heruntergeladen werden kann. Nur wer über einen Linux-Anbieter wie SuSE das Betriebssystem bezieht, bezahlt für Anwenderkomfort, Handbuch und Installationssupport. Da für Open Source-Software keine Lizenzgebühren erhoben werden, darf Linux auch auf beliebig vielen rechnern installiert werden.

  Wie wird in ihrer Einschätzung Linux sich weiterentwickeln und welche Rolle wird dabei SuSE Linux spielen?

  Stabilität, hohe Geschwindigkeit, modularer Aufbau, überragende Eigenschaften im Netzwerkbereich und der effiziente Umgang mit Hardwareressourcen, - mit diesen Argumenten hat sich Linux in den vergangenen Jahren laut den Marktforschern von International Data Corporation (IDC) einen Marktanteil von zuletzt 27 Prozent im Serverbereich gesichert, Tendenz weiter stark steigend! Linux ist nicht nur eine vollwertige Alternative zu anderen Betriebssystemen, sondern trägt dank seiner technischen Qualitäten entscheidend zu Risikominimierung und Kostenersparnis bei, insbesondere in sicherheitsrelevanten Bereichen.
  Daneben erfreut sich Linux auch als Desktop-Betriebssystem zunehmender Beliebtheit. Allein im deutschsprachigen Raum konnten wir von SuSE Linux 8.0 in den ersten vier Verkaufswochen fast 100.000 Versionen absetzen. Ermöglicht haben diesen Erfolg neue, komfortable Oberflächen ebenso wie eine rasch wachsende Zahl an Anwendungsprogrammen für Linux.
  Bis heute stecken in den 45 Millionen Programmierzeilen Quellcode des aktuellen SuSE Linux-Komplettpaketes die Arbeit von etwa 8000 Personenjahren, was einem Entwicklungsaufwand von weit über einer Milliarde Euro entspricht. Die SuSE Linux AG bringt mit seinen über 100 Entwicklern so zentrale Bereiche wie Speicherverwaltung, Hochverfügbarkeit ebenso wie Grafik und Sound entscheidend voran.

  Linux scheint für Aussenstehende ein austauschbares technisches "Produkt". Glauben sie, daß in der bisherigen Diskussion um Linux auf Rechnersystemen z.B. im Deutschen Bundestag alle stichhaltigen Argumente berücksichtigt wurden? [Initiative "Bundestux"]

  Das Signal aus dem Bundestag ist für SuSE, Linux und die gesamte Open-Source-Bewegung ein großer Erfolg! Nach fast einjähriger Vorbereitungszeit hat sich der Ältestenrat des Deutschen Bundestages im März 2002 für den Linux-Einsatz in der IT-Landschaft des Deutschen Bundestages entschieden: Demzufolge werden ab 2003 auf den mehr als 150 Servern des Deutschen Bundestages Linux-basierte Lösungen einziehen. Dabei werden sowohl die E-Mail- und Groupware-Server, als auch auch die Datei- und Druckserver sowie die Anwendungen für die Benutzeranmeldung, Datenbanken und -Datensicherung auf Open Source umgestellt. Als Verzeichnisdienst wird OpenLDAP verwendet.
  Damit hat Linux "den Fuß in der Tür". Wir bekommen in den letzten zwei Monaten verstärkt Anfragen seitens öffentlicher Verwaltungen nach Linux-Lösungen. Hier haben die Leute auf ein Signal gewartet!

  Welche Rolle spielt der Ausbildungssektor, also Schulen, FHs und Universitäten für die SuSE Linux? Gibt es z.B. Kooperationen mit Schulen, Unis oder Rechenzentren?

  Keine Frage: die Universitäten waren und sind die Keimzellen für den Erfolg von Linux in Deutschland. SuSE hat von Anfang an, preiswertere Campus-Versionen vertrieben bzw. Universitäten mit kostenlosen Linux-Versionen versorgt. Heute, entscheiden die Studenten von einst in den Unternehmen über die IT-Strategien von morgen.
  Deutschland ist im internationalen Vergleich absolute Linux-Weltspitze. Ob privat oder professionell - nirgendwo gibt es mehr Linux-Nutzer pro Rechner. Laut IDC haben mittlerweile bereits zwei von fünf deutschen Unternehmen ein Linux-System im Einsatz. 17 Prozent aller Firmen nutzen Linux produktiv im geschäftlichen Alltag, 23 Prozent setzen das freie Betriebssystem derzeit als Testplattform ein.

  Wie schätzen sie die Mentalität von Verbrauchern ein, die jahrelang nichts anderes als die Software eines einzigen Herstellers kennengelernt haben? Kann SuSE beim Umstieg Hilfestellungen anbieten?

  Sehr richtig. Auch wenn die Vorteile von Linux, Stabilität und Sicherheit, einigermaßen bekannt sind, liegen die Hindernisse für einen Umstieg auf Linux an der fehlenden persönlichen Erfahrung der Nutzer und dem befürchteten Aufwand für den Umgang mit den Linux-Anwendungsprogrammen.
  SuSE unterstützt die Umsteiger durch eine möglichst einfache und verständliche Dokumentation, telefonischen Installationssupport und unterstützt die lokalen Anwendergruppen vor Ort, die in eigener Initiative und unentgeltlich Linux-Interessierte an das Thema heranführen. [Anmerkung von Bruno Hopp: kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen!]

  Wann wird in bekannten Einzelhandelsketten eine SuSE Linux vorinstalliert auf einem Rechner mitnahmefähig angeboten? [persönliche Anmerkung: muss doch mal an Aldis letzte Aktion erinnern. Diese Medion AG in Mülheim/Ruhr liefert lustige Technik für Aldi, aber die Soft ist ein Graus. Dafür ist der Kundendienstder Medionleute wieder vorbildlich, selbst erlebt :-) ]

  Den Linux-PC neben dem Nudelregal wird es geben, sobald die Handelsketten auch überzeugt sind, dass das Angebot von den Kunden entsprechend nachgefragt wird. Angesichts der Tatsache, dass heute noch sehr vielen Anwendern Linux als Betriebssystem-Alternative noch nicht ausreichend vertraut ist, wird dies noch ein wenig auf sich warten lassen. Allerdings verhandeln wir bereits heute über derartige Komplett-und-Sorglos-Angebote bundesweit agierender Computerfachhandelsketten. Hier können wir gespannt sein, was sich in diesem Jahr noch tut.

  Was ist von dem Argument mancher Entscheidungsträger zu halten: "hm, Windows ist doch Industriestandard, das haben wir schon seit mehr als zehn Jahren. Wenn Linux irgendwann einen Marktanteil von fünzig Prozent hat, können wir ja immer noch umschwenken"?

  Linux ist auf dem Vormarsch! Deshalb kalkulieren auch die großen Hard- und Softwarehersteller fest mit Linux als Bestandteil von IT-Lösungen für die Industrie - und mit der SuSE Linux AG als Technologielieferant. Mit Branchengewichten wie IBM, Intel, Compaq, Fujitsu Siemens, AMD und SAP verbindet die SuSE Linux AG eine Reihe von techlologischen Partnerschaften, die dem gemeinsamen Ziel dienen, Linux in den Unternehmen weiter voranzubringen.
  Bereits heute zählen unter anderem neben die Debeka Versicherung, T-Online die DG Bank, Edeka, Lufthansa, Web.de, Miele und Sixt zu den zufriedenen SuSE-Kunden. Wer heute als IT-Entscheider nicht auf Linux in seiner EDV-Infrastruktur setzt, verschenkt bares Geld!

  Mit dem KDE hat SuSE recht frühzeitig auf eine grafische Desktopumgebung gesetzt, wie sie viele Anwender heute als zeitgemäß empfinden. Gibt es noch Akzeptanzprobleme oder ist Linux "ready for the desktop"?

  SuSE Linux 8.0 bringt als erster die neue Version 3.0 der attraktiven Benutzeroberfläche KDE. Diese moderne Desktopumgebung ist technisch ausgereift, optisch ansprechend und intuitiv zu bedienen. Klare Symbole und eine intelligente Benuzterführung steigern den Spaß an Linux. KDE 3.0 macht Arbeiten, Spielen und Surfen für neue Benutzer noch einfacher und gibt Profis komplexe und anpassbare Werkzeuge an die Hand. Anwenderherz, was willst Du mehr?

  Sun microsystems hat angekündigt, seine bisher frei verfügbaren Version von Star Office in der neuen Release 6.0 kommerziell zu verwerten. Gibt es da Probleme mit den Anwendern, die bei Linux immer alles kostenlos erwarten und bei kommerzieller Software gleich an böse Monopolisten denken?

  SuSE wird noch im Juni ein entsprechendes Angebot machen, welches auch StarOffice 6.0 für Linux beinhaltet. Anhand des kommerziellen Erfolges dieses Produktes werden wir sehr genau sehen, inwieweit die Linux-Anwender auch bereit sind, gute Software auch mit einem marktgerechten Preis zu honorieren.

  Herr Egle, ich bedanke mich sehr für das aufschlussreiche Interview, auch im Namen der Buchkritik.at!

Von Bruno Hopp am 19. 6. 2002

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