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Kommentar zum Literatur-Nobelpreis für Bob Dylan


  Die Vergabe des Literatur-Nobelpreises sorgt immer für mehr oder weniger heftige Diskussionen, was im Fall von Bob Dylan natürlich um so mehr gilt.

  Natürlich spielt Lyrik heute in der Öffentlichkeit mit wenigen Ausnahmen, wie etwa dem verstorbenen Robert Gernhardt, fast nur mehr in der Form von Songtexten eine größere Rolle. Und Bob Dylan ist wohl einer, wenn nicht der Musiker, bei dem die Texte eine überaus wichtige Rolle spielen. Eine schwache Seite der Literatur-Nobelpreise sind oft, dass sie für Werke von Autoren vergeben wurden, deren Erscheinen schon recht lange zurück liegt. Ein Beispiel ist der Preis für Günter Grass im Jahr 1999, der wohl in erster Linie für den Erstlings-Roman „Die Blechtrommel“ gedacht war, der bereits 1959 erschien. Genau das gilt weitgehend auch für Bob Dylan, dessen für die Preisvergabe relevante Werke wohl mit dem Album „Desire“ aus dem Jahr 1976 endeten. Nicht das Dylans spätere Werke musikalisch und textlich unwichtig wären, aber sein Publikum beschränkt sich zusehend auf Menschen, die ihre Jugend in den 60ern und 70ern erlebten und Dylan heute in erster Linie aus nostalgischen Gründen hören. Also wenn schon einen Literatur-Preis für einen Musiker, dann wäre vielleicht ein Rapper oder ein vergleichbar aktuelles Musikgenre wirklich innovativ gewesen.

  Ein weiterer Kritikpunkt ist sicher, dass es wahrlich genügend Literaten geben würde, die den Preis verdienen würden, nicht zuletzt einige ebenfalls aus den USA. Warum dann einen Musiker, die ja selbst reichlich Preise (Grammy ect.) zu gewinnen zur Auswahl haben, auszeichnen? Und dann noch an einen, der schon so ziemlich alle Preise verliehen bekam und auf den Nobel-Preis anscheinend recht wenig Wert legt. Dass sich da viele Literaten verschaukelt vorkommen, kann man durchaus nachvollziehen. Die Autorin Sybille Berg brachte es mit ihrem ironischen Kommentar auf den Punkt: "Die Chancen für mich, den Physik-Nobelpreis zu bekommen, haben sich gerade dramatisch erhöht“.


Von Alfred Ohswald am 24. 10. 2016