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Der 9. Internationale Linux Kongress in Köln 2002

 

Tux

Tux, das Maskottchen der Linuxbewegung

 

 

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Marcelo Tosatti, der Kernel Maintainer

 

 

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Roman leitet das ausgezeichnete Tutorial zur Debian Paketverwaltung

 

 

 

 

am Stand von Debian Linux ist immer etwas los!

Hans-Joachim ist mit PRO-LINUX.DE natürlich mit dabei

 

 

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Hans Jörg Höxers' Beitrag zum User Mode Linux ist ein faszinierender Vortrag

 

 

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Dave Jones, ausgezeichneter kernel hacker

 

 

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Jochen Topf, einer der Organisatoren bei seinem Schlusswort vor dem Plenum

  Der 9. Internationale Linux Kongress 2002 findet vom Mittwoch, den 4. September 2002 bis Freitag, den 6.Sept. 2002 an der Universität zu Köln im Physikalischen Institut statt.

  Was so schlicht klingt, ist schon eine sehr spannende Geschichte: die GUUG (German Unix User Group) organisiert im Vorfeld zusammen mit dem Institut für Informatik der Universität zu Köln sowie unter Mithilfe der niederländischen Unix Usergroup (NLUUG ) Monate im Voraus den zweieinhalb Tage dauernden Kongress. Über die Mailingliste der Linuxuser an der Universität zu Köln hat mich die Nachricht schon im Frühsommer 2002 erreicht und die Teilnahme am Organisationsteam für den Kongress ist für die rund fünfzehn freiwilligen Mitglieder im Organisationsteam eine Aufgabe, bei der mancher etwas zurückgeben möchte für den Spaß, die Freude an einem wirklich guten Betriebssystem an jene, das wahrscheinlich größte Gemeinschaftsprojekt der Menschheitsgeschichte unter dem Namen Linux immer weiter entwickeln. Mehrere opfern ihren Urlaub, um hier dabeizusein! Die Webseite Linuxkongress.de informiert Monate vorher mit Call for Papers die Linuxgemeinde, wirbt um Sponsoren. Die Kongresssprache ist wie in den Vorjahren Englisch, da zahlreiche internationale Experten zusammenkommen. Wer sich intensiv mit Computern und Linux beschäftigt, wird Englischkenntnisse nicht wirklich vermeiden können.

  Die heisse Phase beginnt natürlich schon in der Woche vorher mit dem Zusammenstellen aller Unterlagen für die geschätzten rund vierhundert erwarteten Teilnehmer, tausend weitere Dinge fallen an: wer erledigt Fahrdienste zum Hotel, wer holt wen am Flughafen oder Bahnhof ab?, welche warme Verpflegung vom Caterer, wieviel kalte und warme Getränke zweimal pro Tag, wie installiert man in wenigen Stunden ein funktionierendes und stabiles (!) Computernetz für rund 400 Teilnehmer, wie sieht die Stromversorgung für die Computer aus? Was wird mit Apotheken- und Notarztdienst für den Fall der Fälle? Alle diese und etliche weitere Vorbereitungen erledigt das Team aus unbezahlten Freiwilligen mit viel Enthusiasmus und größter Begeisterung. Martin Schulte, Jochen Topf und Thomas Lange sind die Köpfe des rund 15 sehr engagierte Linuxer zählenden Organisationsteams und wir alle lassen bei hochsommerlichen Temperaturen keine Zweifel, daß bei SQL Datenbanken, Linux-basierte Computernetzwerke und ähnliche zahmen Haustieren unsere Begeisterung kaum Grenzen hat.

  Mittwochmittag ist es soweit: die sog. "Tutorials" gehen los. Alle Kongressveranstaltungen finden statt im Physikalischen Institut, einem Neubau aus den 1960er Jahren statt. Ein langer Flur mit sehr vielen Glasfronten und schwarzem Steinboden wird durch die kraftige Sonneneinstrahlung tagsüber schnell zu einem Glutofen, jetzt zeigt sich wie mensch auf Dauer gute Stimmung behalten kann! Die Räume im Physikalischen Institut an der Zülpicher Strasse füllen sich erstaunlich schnell, die Organisation hat alle Hände voll zu tun mit Fragen "Wo finde ich Raum X?", "wo finde ich den Referenten Y ?" Ausgeben von Ansteckern und Kongressunterlagen an alle Teilnehmer. Gleichzeitig bauen Aussteller und Sponsoren ihre eigenen Stände auf - Industriegiganten wie IBM (USA und Deutschland) , aber auch der örtliche Buchhandel mit Lehmanns Buchhandlung., Spezialfirmen aus der Multimediabranche und die einzige wirklich freie unabhängige Linuxdistribution Debian machen stark frequentierte Ausstellungstische. Kernel-Concepts bietet zahlreiche Sammlerartikel vom Plüschpinguin bis zum T-shirt mit diversen Aufdrucken an. Open Office, die open-source basierte Weiterentwicklung des früheren Star Office, führt einen regelmäßig umlagerten Stand. Sogar eine kleine verwegene Truppe von BSD-Unix-Freunden zeigt Rechner mit teils biblischem Alter, die nicht einmal unter Linux laufen. Welche Pinguinanhänger haben schon von einer PDP-11, von OpenBSD, FreeBSD oder NetBSD gehört geschweige derartiges in Aktion gesehen? (Ich fürchte nur wenige...)

  Ab 12.30 Uhr treffen sich jeweils zwanzig bis dreissig Teilnehmer in den fünf verschiedenen Tutorials, um gemeinsam mit einem, manchmal zwei Referenten ein Thema intensiv zu erarbeiten. Besucher wie Referenten sind durch die Bank gestandene Programmierer, die meisten arbeiten in irgendeiner Weise in der Computerindustrie - als Entwickler, Techniker, Übersetzer usw. Hier lernen Experten von Experten - praktisch alle wissen aus eigener Erfahrung um die großen Vorteile von frei verfügbarer Software - auf mitgebrachten, teils exotischen tragbaren PDAs bis zum Supernotebook gibt es kein einziges "Windoofs", dagegen ist Linux in unterschiedlichsten Varianten installiert. Ich betreue am Mittwoch das Tutorial von Kurt Pfeiffle und Till Kamppeter zum Thema: CUPS und Drucken unter Linux. Kurt hat seit langem Erfahrung mit KDEprint, und Till betreibt inzwischen die Webseite www.linuxprinting.org, gleichzeitig zeichnet er bei der französischen Distribution Mandrake Linux verantwortlich für das gesamte Drucksystem und dessen Weiterentwicklung.

  CUPS ist anspruchsvoll: durchgehend kompatibel zum bewährten alten LPD und LPRng, kann deren Funktionen ohne Abstriche übernehmen. CUPS kommt heute mit zwei Kommandozeilentools, zwei verschiedenen grafischen Oberflächen zur Konfiguration plus einem grafischen Webinterface daher - Herz was brauchst du mehr? Dass CUPS inzwischen unter Mac-OS X die Druckfunktionen neuester Apple-Rechner weltweit steuert, ist nur ein weiteres Indiz dafür, wie ernst inzwischen Grossunternehmen die Entwicklungen in der Linuxgemeinde nehmen. Zeitgleich zum faszinierenden CUPS-Tutorial finden weitere Tutorials statt zum Debian Paketverwaltungssystem (apt und dselect), zu IPsec, zum NSA Security Enhanced Linux und Wireless LANs (Funkbasierte Netzwerke). Leicht zu erkennen ist der Kongreßschwerpunkt: dieses Jahr liegt er bei Sicherheitsfragen, Stabilität und Themen wie High Availability (HA).
  Der Donnerstag ist dann der erste große Tag: fast auf die Minute pünktlich kurz nach 10 Uhr erfolgt die offizelle Begrüssung aller Teilnehmer durch Professor Speckenmeyer aus dem gastgebenden Institut für Informatik der Universität zu Köln. Nach seinen einführenden Worten folgt die von vielen schon sehnsüchtig erwartete Keynote durch Marcelo Tosatti. Der sehr jugendlich wirkende Brasilianer ist nicht allein gegenwärtiger Chefentwickler der 2.4er Kernelserie für Linux (engl. kernel maintainer), er ist auch Mitarbeiter bei CONECTIVA , die die wohl bekannteste brasilianische Linuxdistribution vertreiben. Seine Anmerkungen zum Thema "Linux in Südamerika" leitet er mit ein mit statistischen Zahlen zu Einkommen und Bevölkerung in seiner Heimat: gerade mal zehn Prozent aller Einwohner besitzen in irgendeiner Form einen Computer. Für ein derartig gering entwickeltes Land ist Geld sparen natürlich ein elementares Thema. Genauso wichtig ist gerade für Firmen und natürlich öffentliche Einrichtungen die Frage, ob man sich den Einsatz illegaler Raubkopien kommerzieller Windowssoftware auf Dauer noch leisten kann und will unter dem Aspekt der eigenen Sicherheit und der Abhängigkeit von ausländischen Fremdfirmen. Es gibt sogar eine recht erfolgreiche Kampagne gegen Softwarepiraterie. Darüber hinaus sind Überlegungen zur nationalen Selbständigkeit und Unabhängigkeit von ausländischen teurem Expertenwissen und der Wunsch, das Geld im eigenen Lande zu lassen, starker Anreiz für den Einsatz von Linux. Marcelo nennt Beispiele aus der Ölindustrie, dem Bankenwesen, der öffentlichen Verwaltung, wo Linux schon erfolgreich eingesetzt wird. Marcelo hat (noch) einige Probleme mit der englischen Sprache, aber wenn ich mit knappen zwanzig Jahren plötzlich vor rund vierhundert neugierigen unbekannten Menschen gestanden und in perfektem Englisch etwas hätte sagen sollen: dann wäre ich ganz sicher auch ins Schwitzen gekommen! Marcelo's Vortrag wird von einigen Technikbegeisterten etwas gelangweilt kommentiert, aber die Mehrzahl scheint einigermaßen betroffen und stellt Fragen, diskutiert später in der Pause auch die politischen Perspektiven, denen sich die Gemeinde der Linuxanhänger zwangsläufig wird stellen müssen. Insofern kann ich aus persönlicher Sicht sagen: Marcelo zeigt bei jugendlichem Alter schon ein enormes soziales Gewissen und ist ganz gewiss kein verschrobener, weltferner Computerfreak. In der schönen Tradition des Linux Kongresses werden auch dieses Jahr wieder viele schriftliche Beiträge eingereicht, die alle zusammengestellt den umfangreichen Band der "Proceedings" ausmachen. Die besten Beiträge hat eine Jury prämiert, was dieses Jahr eine ausgesprochen schwere Arbeit ist: salomonisch wurde der erste Preis in diesem Jahr an zwei Autoren gleichzeitig verliehen: an Werner Almesberger und an Hans-Jörg Höxer. Beide erhalten den verdienten minutenlangen Applaus von vielen hundert Linuxfreunden und anschliessend aus der Hand von Jos Vos, einem führenden Mitglied der NLUUG (Niederlaendische Unix User Group) wertvolle Buchpreise und T-shirts von den Sponsoren (mit Sammlerwert und zur Erinnerung).

  Nach kurzer, doch erholsamer Pause verteilen sich die Teilnehmer aus aller Herren Länder auf die zwei grossen Hörsäle und mehrere kleinere Räume. Ab jetzt laufen immer zwei "große" Veranstaltungen gleichzeitig plus mehreren kleineren Treffen. Olaf Kirch, zur Zeit Mitarbeiter der SuSE AG , spricht über eine Stunde lang über das Thema Linux and Security . Nicht so sehr mit technischen Details gespickt - die Zusammenstellung von Linux-Interna, Statistiken aus CERT-advisories und den täglichen Erfahrungen, die der verantwortungsvolle Betrieb von Computernetzen mit Internetanbindung mit sich bringt - diese Zusammenschau durch jemanden mit seiner Erfahrung ist auch für die anwesenden übrigen Experten aufschlußreich. Zahlenmaterial von CERT, Eigenschaften des organisierten Computervandalismus im Internet und wie mensch mittels Linux darauf angemessen und flexibel reagiert. Olaf Kirch gehört seit seinem Buchklassiker: Linux Wegweiser für Netzwerker zum sympathischen Urgestein der deutschen und der internationalen Linuxgemeinde. Weitere große Vorträge behandeln den Windows-Emulator WINE, den LVM (Logical Volume Manager), das Font Management, Open Clustering Frameworks und Load Balancing (wichtig für industrielle und hochverfügbare Anwendungen) sowie Multimedia. Fernsehen oder Radio hören mit Linux? Schon lange kein Problem mehr...

  Kleine Birds-of-Feather sessions (BoFs) kristallisieren sich heraus, bei denen sich eine Handvoll Experten zu Spezialthemen kurzfristig zusammenfinden. Der Donnerstagnachmittag ist einer sog. Keysigningparty gewidmet - dabei findet ein kontrollierter Austausch von sog. "Keys" zur asysmmetrischen Verschlüsselung statt, wie sie für GNU/PG oder PGP notwendig sind. Der anschließende gesellige Teil des Abends findet im Bürgerhaus Stollwerk statt bei lokalen Bierspezialitäten (Kölsch) und nahrhaften Bissen vom Büffet. Auf diese Weise wird doch tatsaechlich etwas internationales Flair in die urige Kölner Südstadt geweht!


  Der Freitagmorgen ist pünktlich ab 9.30 Uhr wieder den ernsteren Themen gewidmet: Werner Almesberger, ebenfalls ein bekannter Name in der Linuxgemeinde seit frühen Tagen dank seinem Lilo, spricht zum Thema Linux Traffic Control - Next Generation. Sein Vortrag ist der beste Beweis dafür, dass die Jury in der Prämierung seines Beitrages eine glückliche Hand bewies - leider kann ich den Vortrag vom ebenfalls ausgezeichneten Preisträger Hans-Jörg Höxer nicht mitverfolgen. Daneben gibt es zum Thema "Voice over IP" (was Nicht-Linuxer schlicht als internetbasierte Telefonie bezeichnen), manch erhellende Bemerkung. Nach anderthalb Stunden intensivem Zuhören und Mitdenken lechzen alle Teilnehmer nach dem dringend benötigten Koffein - in der Kaffeepause dürfen die armen kleinen grauen Zellen sich schon vorbereiten auf die nächste Zauberstunde. Ralf Spenneberg setzt bei seinen Zuhörern unter der Überschrift: "Bridgewalling - Using Netfilter in Bridgemode" etliches Vorwissen aus dem Bereich Paketfilterung und Firewalling voraus. Ebenfalls sehr anspruchsvoll entführt Harald Welte seine Zuhörer in die weite Welt von "The Future of Linux Packet Filtering" . Selbst bei dem zugegeben recht technischen Thema saßen wohl mehr als zweihundert Teilnehmer dichtgedrängt im Hörsaal - teilweise bis auf Treppenstufen direkt zu Füßen des Redners - um gespannt etwas über die zukünftige Entwicklung der Filtermechanismen ("netfilter") unter Linux zu erfahren. Jeder, der unter Linux eine Firewall realisieren möchte, muss mit diesen Mechanismen umgehen.

  Natürlich kann ich nicht alle Veranstaltungen besuchen, die Organisation verlangt schließlich dass Freitagabend das Physikalische Institut der Universität wieder im "definierten Ausgangszustand" d.h. rückstandsfrei zu verlassen ist. Glücklich gelingt es mir, noch ein paar Minuten zu erhaschen von dem inspirierenden Vortrag von Russel Coker: Partitioning a Server with NSA SE Linux Russell führt in seiner gewohnt freundlichen Art und (wie ich persönlich meine) in sehr verständlichem Englisch die komplexe Materie von SE Linux (Security Enhanced Linux) vor: Grundgedanken, aber auch die konkreten Details der technischen Umsetzung. Und er liefert auf seinen Webseiten Hinweise, sogar wenn er hin und wieder einen Server gezielt ins Netz stellt, damit sich andere daran die Zähne ausbeissen sollen. Das ist aktive Sicherheit unter Linux: es wird im direkten Emailkontakt im Minuten- oder höchstens Stundentakt ein potentielles Sicherheitsloch erkannt, analysiert und auch ausgemerzt. Kommerzielle Softwarelieferanten nicht nur aus Redmond sollten sich das als Vorbild für vorbildlichen Kundenservice nehmen... Nun ist Freitag Nachmittag - viele Referenten konnte ich nicht nennen - es sind zuviele Namen. Die Verabschiedung der Kongressteilnehmer durch Jochen Topf, einen der führenden Köpfe aus dem Organisationsteam in der Schlußversanstaltung bietet Gelegenheit, allen Referenten, den gastgebenden Instituten und Mitarbeitern, den Sponsoren und dem unbezahlten Organisationsteam zu danken - Jochen wirkt wie immer souverän, der Stress der Organisation perlt scheinbar an ihm ab während er auf der Bühne steht.

  Das folgende "Complete Confusion Kwiz" ist mit dem witzigen, springlebendigen Jos Visser von der NLUUG die humorvolle Schlußnote: ein Ratespiel in mehreren Runden nach bekannten Vorbildern vom Fernsehen, vielen Überraschungen für Jos, die Kandidaten und auch die Zuschauer - dank der tatkräftigen Unterstützung durch seinen Assistenten läßt Jos zu jeder richtigen oder falschen Antwort das passende Geräusch erklingen (natürlich vom Linux-Laptop!) und hat den lachenden Saal auf seiner Seite. Zuerst bilden vier Kandidaten aus der Gruppe der "Linuxgurus" ein Team: mit dabei Ted Tso, Marcelo Tosatti, Brad Hards und Lars Marowsky-Bree. Knifflige Fragen zu verschiedenen Themen - gestaffelt in fünf Schwierigkeitsgraden mit Punkten von 100 bis 500. Thema Zahlen: was sagt uns 42?? Da sollte man das Buch von Douglas Adams gelesen haben - richtig! Beim Thema "Zahlen" wird man bei "53" mit etwas Phantasie noch auf die Portnummer des DNS kommen - das gilt aber nicht weil vieeel zu einfach! 53 - das ist die Länge eines ATM-Paketes -wer hätte das gedacht... Bei "Zahlen" und der Avogadro-Konstanten hat Ted Tso die schnellste Hand am Drücker und prompt die richtige Antwort. Das wissen wohl nur Wenige, einige Naturwissenschaftler im Saal nicken anerkennend. Alle Gewinner erhalten wertvolle Buchpreise und T-shirts mit Sammlerwert - die nächste Runde bilden vier Kandidaten aus der Gruppe der Studenten. Auch hier geht dank der tatkräftigen Unterstützung der Sponsoren niemand leer aus. Sogar die dritte Runde mit Freiwilligen aus dem Publikum und natürlich nicht mehr ganz so kniffligen Fragen sorgt für Aufregung - bei den verschiedensten Linuxlogos kennen manche sich doch nicht so gut aus. Beim roten Hut muss jeder sofort an RedHat Linux denken, aber ein gelber Bauarbeiterhelm (Hardhat Linux Distribution) oder ein Pinguin mit Kettensäge? Dass ein gestandener Debian-Maintainer unter den Kandidaten ist, ist Jos Visser wohl entgangen - sonst hätte er sicher beim Debianlogo nicht gefragt, welche Distribution hier zu erkennen ist. Alle haben ihren Spaß - auf der Bühne wie auch die verbliebenen Zuschauer - ca. die Hlfte der Kongressteilnehmer ist schon wieder unterwegs, um ihr Flugzeug oder die Bahn noch zu erreichen. Zweieinhalb Tage Kongress - und Freitagabend hat das in Computerkreisen wohlbekannte Verlagshaus O'Reilly in seine Räume im Kölner Norden eingeladen. ab 18.00 Uhr finden die verbleibenden Kongressteilnehmer dank hervorragender Wegbeschreibung und ortskundigen Eingeborenen dorthin. Nahrhafte Speisen und Brot, alkoholfreie Getränke und lokales Biersorten ("Kölsch") warten auf die sichtlich erschöpften, trotz allem noch sehr fröhlichen Linuxer. Wieder läßt sich über Programmierprojekte, eigene und fremde Erfahrungen mit Software XY fachsimpeln. Die Verlagsmitarbeiter sind perfekte Gastgeber: man kann auf der Terrasse in der lauen Abendsonne sitzen, drinnen sich am kühlen Kölsch laben, Raucher sind sehr diszipliniert nur unter freiem Himmel anzutreffen. So können manchee Linuxer auch ein persönliches Danke loswerden bei jenen, die der Verbreitung von hochwertigen Büchern zu freier Software speziell im Linuxsektor ihre ganze Arbeitskraft widmen, während potentielle neue Autoren vorsichtig das Terrain für neue Buchprojekte sondieren.

  Mein persönliches Fazit vom Linux-Kongreß 2002? Eine wunderbare Möglichkeit, viele alte und neue Freunde kennenzulernen, gemeinsam über faszinierende Aspekte eines wirklich modernen Betriebssystems etwas zu lernen. Hier treffen engagierte Linuxer und weltweit bekannte Entwickler zusammen, erhalten Unterstützung von industriellen Partnern, von Unternehmen und aus Universitäten. Das Ziel, zahlreichen Programmierern und Entwicklern rund um Linux in Europa eine Plattform anzubieten, den Austausch von Ideen und viele Kontakte in einer entspannten, lockeren und doch sehr produktiven Atmosphäre zu fördern, erfahre ich im besten Sinne spannend und anregende Erfahrung! Mancheiner ist über tausende Kilometer gereist, um Freunde zu treffen. Linux ist nicht nur irgendein Betriebssystem - es ist frei verfügbar, enorm leistungsfähig, stabil und sicher auf unterschiedlichster Hardware vom Subnotebook bis zum Super-Mainframe. Sein bemerkenswerter Erfolg basiert auf ungezählten Freiwilligen, die ihren Spaß haben, die mit Freude erfolgreich programmieren und manch sog. professionelle Software immer öfter ziemlich alt aussehen lassen. Und wie ich selbst erleben durfte: die angeblich chaotisch unorganisierte Linuxwelt ist erstaunlich gut strukturiert, man kennt sich und trägt durch manchmal unkonventionelle kleine und große Beiträge zum Fortschritt bei..

  Übrigens: Sommer 2003 findet der zehnte Linux Kongress statt! Es werden jederzeit geneigte Sponsoren und Freiwillige gesucht! Also:

  Unbedingt hinfahren!

  Die Fotos auf dieser Seite wurden von Hans-Joachim Baader aufgenommen. Das Copyright für diese Fotos liegt allein bei ihm. Mit seiner freundlichen Unterstützung durften sie hier abgebildet werden. Besuchen Sie bitte seine sehr interessanten Linuxseiten unter www.pro-linux.de. Weiter danken wir Karsten Merker aus dem Kölner Linux-workshop, der im Debian-Projekt die Portierung auf MIPS bzw. Mipsel- Hardwareplattform aktiv betreibt, für die Genehmigung, das Foto (Debian-Stand) abbilden zu dürfen. Das alleinige Copyright liegt bei ihm.

Von Bruno Hopp am 22. 1. 2003