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Vortrag „Gregor Kirchner und sein verschwundenes Schloss in Breitenfurt“

  Am 24.02.2012 fand um 19:00 Uhr im Festsaal der Dorfgemeinschaft Breitenfurt, Georg-Sigl-Straße ein - von den Breitenfurter Grünen veranstalteter - Vortrag über „Gregor Kirchner und sein verschwundenes Schloss in Breitenfurt“, gehalten von Herrn Helmut Schmitt, der, auf der Website der Grünen, als „profunder Kenner der Geschichte Breitenfurts“ tituliert wird, statt.
Der Bogen seines Vortrages spannte sich von der ersten Blütezeit Breitenfurts über die Türkeninvasion 1683, die Finanznöte des Kaisers, dem ehemalige Barock-Schloss in Breitenfurt West bis zu dessen Erbauer Gregor Kirchner.
  Der Festsaal war schon, wie man salopp sagt, „gesteckt“ voll, als ich ankam und er sollte sich auch noch bis auf den letzten Platz füllen, einige Gäste mussten sogar stehend dem Power-Point unterstützen Vortrag Herrn Schmitts lauschen.

  Betrachtet man das Leben Gregor Kirchners lässt es sich für die Nachwelt vielleicht am besten mit Adjektiven wie mysteriös, aufregend und bewegt beschreiben. Gregor Wilhelm (von) Kirchner selbst, dessen Herkunft bis heute nicht geklärt ist, (gehörte er dem Adel an, oder war er doch nur (groß)bürgerlich), muss wohl ein mit allerhand Talenten gesegneter Mann gewesen sein (oder nur ein hervorragender Blender). Betrachtet man die wichtigen und zahlreichen Stationen seines Lebens, die teils im Skandal endeten, teils sehr erfolgreich absolviert wurden, kann man Gregor Kirchner sicherlich als ein „Kind seiner Zeit“ bezeichnen. Es ist anzunehmen, dass es eine „schützende Hand von ganz oben“ war, die über sein Dasein wachte, oder aber, er hatte einfach nur jede Menge Glück.
  Gregor Kirchner hat die zweite Türkeninvasion, die auch Breitenfurt und Laab im Walde verwüstete, genauso überlebt, wie die prekäre Situation, in die er in seinem Berufsleben geriet. Er war Ministerial-Blanko-Deputationsbuchhalter und Bergrat. In Ausübung seines ersten Amtes half er dem Kaiser aus den Finanznöten, „bediente“ sich aber als "privater Staatsbankier" auch gleich selbst ein wenig aus dessen Kasse.
Sie assoziieren das jetzt mit dem Sittenbild der heutigen Zeit…?
  So, aber auch durch Beziehungen und Erfolg, zu Geld gekommen, war es an der Zeit ein standesgemäßes Domizil zu errichten. Dies tat er als Oberaufseher der kaiserlichen Wälder in dem von ihm verwalteten Wienerwald. Diesen musste der Kaiser einst an die Gemeinde Wien zur Pacht freigeben um seine Bonität, in den Augen der Wiener, zu verbessern. Kaiser Karl VI schenkte Kirchner ein Gut in Breitenfurt und eben dort ließ er sein Schloss erbauen. Nicht nur Kirchners Wohlstand, auch sein Einfluss am kaiserlichen Hof war ausschlaggebend, dass die Spitzen der österreichischen Barockkunst in Breitenfurt für ihn arbeiteten: Daniel Gran - Raphael Donner - Anton Erhard Martinelli - Giovanni Giuliani - Johann Hencke - Bartholomäus Altomonte. So habe ich etwa gelesen, dass: „Das ursprüngliche Schloss hatte die ungewöhnliche Form eines W. Man vermutet, dass dies eine Anspielung auf den Vornamen Kirchners, Wilhelm, sein könnte. Die weitläufigen Baulichkeiten hatten an der Gartenfront eine Länge von 222 m. Im kuppelgekrönten Mittelbau lagen das Vestibül und darüber der Festsaal.“
  Kirchner betrat die Bühne des Lebens umgeben mit dem Hauch des Mysteriums wegen seiner ungewissen Herkunft, der zweite Akt des Kirchnerschen Dramas zeugt von einem kometenhaft sozialen Aufstieg, wird am Klimax durch die Erbauung eines beeindruckenden Schlosses gekrönt und endet leider wenig dramaturgisch spektakulär mit Kirchners Tod und seinem gutgemeinten Nachlass.
  Er starb 1735 ohne Nachkommen, folglich vermachte er das noch nicht ganz fertiggestellte Schloss, gemeinsam mit einer Stiftung, dem Kaiser zur Einrichtung eines Armenspitals und einer Schule. Kaiser Josef II, der, wie alle Habsburger, knapp bei Kasse war, hatte damit wegen der hohen Unterhaltskosten keine große Freude. So schloss er das Spital 1783 und ließ das Schloss auf Raten versteigern. Einfach war das nicht, lebten zu dieser Zeit keine sehr wohlhabenden Bürger in Breitenfurt.

  Heute ist von dem einst herrschaftlichen Anwesen nur mehr die ehemalige Schlosskapelle (Kirche St. Johann in Breitenfurt West, die dem Hl. Nepomuk geweiht ist) und Teile der Nebengebäude vorhanden. Selbst die Bäume in der prächtigen Schlossallee soll Josef II zu Geld gemacht haben, indem er sie nach Wien verpflanzen ließ. Angeblich wurden zuvor auch zahlreiche Statuen nach Schönbrunn gebracht. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist…“ wird sich Josef II vielleicht gedacht haben. Bei der heute am Anfang der Schlossallee anzutreffenden Statue des Hl. Nepomuk wurde dies allerdings durch heftige Proteste der Bevölkerung verhindert.
  Die mit Bassins, Wasserläufen und Statuen so reich ausgestatte Parkanlage am Fuße des Schlosshügels ist längst parzelliert und in private Gartengrundstücke umgewandelt. Die zur Kapelle führende Schlossallee existiert aber noch heute, die Wiederbepflanzung mit Alleebäumen wurde damals von der Gemeinde Breitenfurt übernommen.

  Leider muss, nach all dem Lob für die Akribie mit der Herr Schmitt die interessanten Details über Gregor Kirchners Leben und seine Zeit zusammengetragen hat, die Genauigkeit mit der er eingehend die Fülle an gut recherchierter Information beleuchtete, auch abschließend Kritik erlaubt sein. Mein Eindruck war, dass dem Vortrag das Moment der Spannung gefehlt hat. Es ist irgendwie schade, dass Herr Schmitt seine Begeisterung, die er für das Thema empfindet, nicht „an den Mann“ bringen konnte. Ein Blick ins Publikum zeigte mir, dass es scheinbar der Generation > 40 vorbehalten bleibt, sich mit regem Interesse der Geschichte ihres (Heimat)Ortes zu widmen. Wo aber bleiben die jungen Gesichter des Ortes? Das Thema, so denke ich, hätte doch so manchen Jungen angelockt, eine zeitgemäße Aufbereitung hätte aber Not getan.
  All dies kann man sicherlich bald auf der Website der „Breitenfurter Grünen“ bzw. in deren Zeitung „Brennnessel“ nachlesen. Mir bleibt noch ein herzliches Dankeschön an Herrn Schmitt für den Vortrag, die „Breitenfurter Grünen“ für die Organisation desselben und die Dorfgemeinschaft Breitenfurt für Ort, Speis und Trank zu sagen.

Von Christel Schweitzer am 1. 3. 2012

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