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Buchpräsentation von Dr. Robert Sedlaczek "Das österreichische Deutsch"

Dr. Robert Sedlaczek "Das österreichische Deutsch"

   Die Buchpräsentation, zu der der Verlag Ueberreuter am 16. September 2004 in das Oratorium der Österreichischen Nationalbibliothek geladen hatte, kann ich gleich vorweg als organisatorisch absolut gelungen bezeichnen. Ich nehme an, daß dies sowohl Herrn Dr. Fritz Panzer, als auch Frau Kofler zu verdanken ist:
  Der Saal war geräumig, gut ausgeleuchtet, die Akustik, bis zu den letzten Plätzen sehr gut, die Platzwahl war frei, niemand mußte stehen, wenngleich der Saal bis auf den letzten Platz voll war. Die Einleitungsworte des Herrn Dr. Fritz Panzer waren knapp und prägnant. Er erklärte, der Verlag Ueberreuter könne sehr froh sein, das Werk Dr. Sedlaczeks vermarkten zu dürfen, da man ja mit Sachbüchern ähnlicher Art (über diverse Regionalsprachen in Österreich) bisher einen sehr schönen Erfolg erzielt hat und nun dieses Werk den, obgenannten Bogen über all jene Sprachbücher zu spannen, prädestiniert ist. Dr. Fritz Panzers Rede klang herzlich und rief Interesse für Dr. Sedlaczeks Buch hervor.
  Dr. Sedlaczek bediente sich bei der Lesung eines modernen Mediums, der Power Point Präsentation via Computer, eine Idee, die sehr gut ankam. Sie hob hervor, was sonst vieler umständliche Erläuterungen bedurft hätte. Das illustrierte Handbuch Dr. Sedlaczeks ist eben kein "Lesebuch", es ist ein Nachschlagewerk und als solches für eine Lesung ein wenig spröde. Mittels Power Point Präsentation dokumentierte der Autor, anhand einiger ausgewählter Beispiele, den Unterschied des österreichischen zum deutschen Deutsch wertfrei und sehr anschaulich. Er schilderte auch ausführlich die Hintergründe der Entstehung diverser Sprachunterschiede, z.B., daß man in Deutschland umgangssprachlich, wenn von vergangenen Begebenheiten erzählt wird, stets das "Imperfekt benutzt", in des Österreichers Ohr klingt dies aber äußerst übertrieben und gekünstelt, weshalb statt dessen das "Perfekt benützt" wird, und daß dieser Unterschied seine Wurzeln im Mittelalter hat...

Dr. Robert Sedlaczek

  Die Präsentation war kurzweilig, sehr interessant, der Autor sprach frei und ungehemmt. Am Anschluß eröffnete Dr. Sedlaczek eine Publikumsdiskussion. Es hatte wohl eher im Sinne, daß sich diese in Richtung "Alte contra neue Rechtschreibung" entwickeln würde. Daß dem nicht so war, bedaure ich fast ein wenig, denn nach der Wortmeldung einer deutschen Dame, heizte sich die Stimmung auf. Abgesehen, von wenigen, interessanten Beispielen über die "Ver-Norddeutschung" des Österreichischen, durch Werbung und die Medien, aber auch durch die Kunst, waren leider die restlichen Wortmeldungen von einem schwer zu unterdrückendem Provinzialismus geprägt.
  Das Selbstbewußtsein der Österreicher (gegenüber ihrer Sprache) zu stärken, war er ausgeritten der "edle Ritter Dr. Sedlaczek", doch zeichnete sich in der Diskussion ab, daß es den Österreichern, die Österreich gerne als den "armen, kleinen, im Weltgeschehen vernachlässigten Bruder" von Deutschland darstellen, offensichtlich nicht daran mangelnde. Ein wenig, wie "wadelbeißende Kleinhunde" wirkten die Kommentare mancher Gäste aus dem Publikum gegenüber dem unumstößlichen Faktum, daß das deutsche Deutsch nun mal von 10-mal so vielen Menschen verwendet wird, und demnach die internationale Gewichtung eine andere ist.

  Ich habe fünf Jahre lang eine deutsche Auslandsschule in Lagos/WAN besucht und litt als einzige Österreicherin in dieser Klasse enorm unter der verbalen Verballhornung meiner Sprache durch meine Schulkollegen. Mein aus Berlin stammender Deutschlehrer warf mir äußerst sensibel "Ausdrucksschwäche!!!!" vor. Ich habe aber schnell erkennen müssen, daß damals Anpassung der beste Weg für ein reibungsloses Schuldasein meinerseits darstellte. So schnell, wie ich allerdings fehlerfreies Deutschdeutsch lernte (und kurioserweise als Österreicherin, die beste Deutschabiturarbeit der Klasse schrieb), so schnell verlor ich diese Ausdrucksweise wieder, als ich zurück in Wien war.
  Fazit: ich schöpfe aus einem größeren Vokabular, als viele Österreicher und verwende ganz gezielt entweder das österreichische oder das deutsche Idiom.
  Das primäre Anliegen Dr. Sedlaczeks Buches soll das Verständnis und dadurch die Akzeptanz der eigenen Sprache sein, nicht die Diffamierung des Deutschdeutschen!

  Mit anschließendem Buffet, das keine Wünsche offen ließ, war der Ausklang ebenso niveauvoll gelungen, wie die Präsentation selbst. Ich darf mich an dieser Stelle noch einmal bei den Organisatoren des Verlages Ueberreuter für den schönen, kurzweiligen, nein hochinteressanten Abend bedanken.


Von Christel Schweitzer am 27. 9. 2004


 

Dr. Robert Sedlaczek
Das österreichische Deutsch