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Meldung: Werner Pirker ist tot

vom: 15.01.2014

In der Nacht auf den 15. Jänner 2014 schlagartig aus dem Leben gerissen, hat eine der radikalsten und spitzesten Federn des deutschsprachigen Journalismus für immer zu schreiben aufgehört.
 
 Werner Pirker war ein Unbeugsamer, ein Überzeugter, ein Profilierter. An der Idee des Kommunismus ließ er keinen Zweifel gelten. Die Praxis des Kommunismus verteidigte er unerbittlich gegen Angriffe von außen, ohne auf solidarische Kritik zu verzichten. Mehr noch: Pirkers Radikalität beinhaltete definitionsbedingt die Auseinandersetzung mit politischer Macht und ihren Deformationen. Um diesen Unterschieds zwischen Antikommunismus und produktiver Kritik zu erkennen, hatte Pirker über die Jahrzehnte eine Spürnase wie kaum jemand anderer ausgebildet. Seine ideengeschichtliche Sattelfestigkeit ließ ihn lange vor Kollegen und Mitstreitern im politischen Alltag auftauchende reaktionäre und (neo)liberale Tendenzen erkennen, deren Enttarnung vielen hilfreich war. Mit der Meisterschaft des geschriebenen Wortes überzeugte seine Überzeugung.
 
 Daheim fühlte sich der 1947 in Kärnten geborene Werner Pirker im slawischen Osten. Wer ihn makedonische Lieder in einer Skopjoter Weinstube singen hat hören oder mit ihm lachend durch die winterlich verschneite Leninstraße in Minsk gegangen ist, der konnte spüren, wie einem Kollegen und Freund das Herz aufging. In solchen Situationen war es ein Leichtes, das journalistische Alter Ego des Zynikers hinter sich zu lassen.
 
 Sein journalistisches Handwerk hat Werner Pirker bei der Wiener „Volksstimme“ gelernt, für die er jahrelang in Moskau als Korrespondent tätig war. Später ging er nach Berlin und wurde bei der „Jungen Welt“ heimisch. Fast 20 Jahre lang arbeitete er als Redakteur und Korrespondent für die linke Tageszeitung. Seine Kommentare halfen einer ganzen Generation von Linken, sich politisch zu orientieren.
 
 Im Promedia Verlag ist 1994 sein Buch „Die Rache der Sowjets. Politisches System im postkommunistischen Rußland“ erschienen. Wie niemand sonst erkannte er schon damals im Umbruch Anfang der 1990er Jahre die destruktive Kraft der reaktionären „Lumpenbourgeoisie“, Jelzin als ihren Anführer und nannte die tagelange Belagerung der Volksdeputierten im Weißen Haus sowie dessen Beschuss einen Putsch. Die Geschichte sollte ihm Recht geben.
 Der Promedia Verlag verliert mit seinem Autor Werner Pirker, der (zusammen mit Wilhelm Langthaler) 2003 auch das Buch „Ami go home. Zwölf gute Gründe für einen Antiamerikanismus“ verfasst hat, einen seiner profiliertesten Autoren. Wir trauern um ihn.

 

Quelle: www.verlag-promedia.de