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Sabine Rückert
Tote haben keine Lobby
Die Dunkelziffer der vertuschten Morde
(2000)

Hoffmann & Campe
303 Seiten
DM 39,90 öS 291,- sFr 37,-


Von Alfred Ohswald am 19.01.2001

  Die Autorin ist Journalistin und hat für dieses Buch über unentdeckte Morde offenbar ausgiebig recherchiert. Der Untertitel ist da etwas irreführend, weil es dabei fast immer um Inkompetenz, Schlamperei, Desinteresse und die diese Dinge fördernden Strukturen geht.
  Mit zahlreichen Beispielen und Aussagen kompetenter Leute untermauert sie ihre Erkenntnis, dass ein beachtlicher Teil der in Deutschland passierten Morde nicht entdeckt wurden und noch immer nicht werden. Diese Tendenz wird sogar durch die jetzigen Sparmassnahmen noch deutlich verstärkt. Sie zeigt, dass oft Justiz und Exekutive wenig Interesse haben, bei zweifelhaften Fällen genauer nachzuforschen. Es kommt sogar vor, dass Druck auf Ärzte ausgeübt wird, im Totenschein eine natürliche Todesursache anzugeben. Die erwähnten Sparmassnahmen betreffen gerade Gerichtsmedizinische Institute besonders stark, denen ohnehin schon von den Ermittlungsbehörden und den Medizinerkollegen starker Widerstand entgegengebracht wird. Da die Politik hier bei der Bevölkerung nicht mit heftiger Ablehnung rechnen muss und zudem die Aufklärungsquote bei Kapitalverbrechen schön hoch bleibt, bestehen wenig Hemmungen bei diesen Einsparungen.
  Finnland zum Beispiel hat eine vergleichbar deutlich mehr Kapitalverbrechen und eine weniger schöne Statistik bei der Aufklärung. Es werden dort ein vielfaches an Obduktionen im Vergleich zu Deutschland vorgenommen. Als andere Beispiele von Ländern mit deutlich besseren Regelugen werden noch Großbritannien und, was mich ziemlich überraschte, Österreich angeführt.
 
  Das Buch sorgte für beträchtliche Aufmerksamkeit. Sabine Rückert war in zahlreichen Fernsehsendungen eingeladen und auch sonst widmete man ihren Erkenntnissen in der Presse große Aufmerksamkeit. Um den Erfolg des Buches braucht man sich bei dieser Publicity vermutlich keine Sorgen machen. Und in diesem Fall ist es auch ein Glücksfall, das ein derartiges Randthema Brisanz gewinnt.

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