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Thomas Görden (Hrsg.)
Schattenzone
Geschichten vom Rande der Realität

Droemer Knaur
2000
432 Seiten
DM 15,- öS 110,-


Von Alfred Ohswald am 16.01.2001

  In dem Buch findet sich eine Sammlung von Horrorkurzgeschichten, wobei die Grenzen nicht sehr eng gesehen werden. Ob düstere Science Fiction, wie in „Delirion: Liza“ von Thomas Ziegler, oder eher eine eher humoristische Geschichte, wie „Eines Königs Wünsche“ von Robert Sheckley, es findet sich ein breites Spektrum des Genres darin. Bemerkenswert ist, neben einigen, berühmten Vertretern des Genres, die verhältnismäßig große Zahl deutschsprachiger Autoren.
 
 Agatha Christie
 Der Ruf der Flügel
 
  Der wohlhabende und mit seinem Leben zufriedene Materialist Silas Hamer begegnet auf dem Weg nach Hause einem seltsamen Flötenspieler ohne Beine. Die Melodie, die dieser Mann spielt, versetzt ihn in einen eigenartigen, schönen Höhenflug. Doch diese Melodie verfolgt ihn in seltsam eindringlichen Träumen und beginnt ihn immer mehr aus der Ruhe zu bringen.
 
  Ein Kurzgeschichte mit starken, übernatürlichen Elementen ist wohl etwas untypisch für die wohl bekannteste Krimiautorin. Einen starken Anteil am Reiz der Geschichte haben geschickt platzierte Andeutungen, die nicht immer wirklich aufgeklärt werden. Durch sie entsteht eine mystische Atmosphäre in der sonst eher durchschnittlichen Geschichte.
 
 Karl Edward Wagner
 Unter den Fichten
 
  Gerry und seine Frau Janet stehen nach einem Autounfall, bei dem sie ihr einziges Kind verloren, vor den Trümmern ihres bisherigen Lebens. Um einen Neuanfang zu finden, kaufen sie ein Ferienhaus in einer eher abgelegenen Gegend und ziehen dort ein. Dort erfahren sie, dass dieses Haus den Ruf hat, Unglück zu bringen. Eine schöne, junge Frau, die dort vor
 vielen Jahrzehnten mit ihrem reichen Ehemann gewohnt hat und ihn betrogen hat, ist damals spurlos verschwunden. Gerry findet ein Gemälde, auf dem diese Frau zu sehen ist. Fasziniert verbringt er immer mehr Nächte trinkend bei dem Bild. Er hat sehr realistische Träume über diese geheimnisvolle Schönheit und seine Ehe beginnt wegen immer häufiger werdender Streitigkeiten deutlich zu leiden.
  Der durch seine dunkle Fantayfigur Kane bekannte Wagner hat hier eine gut gelungene, aber nicht wirklich bemerkenswerte Gruselstory geschrieben. Die Handlung bietet keine besonderen Überraschungen und ist auch nicht sonderlich originell. Aber Wagner schafft auch aus einem solchen Stoff noch Lesenswertes.
 
 Ramsey Campell
 Der Wanderer
 
  Der Reporter Ingels wird von seltsamen Träumen verfolgt. Oft taucht eine unheimliche Insel darin auf, die aus dem Meer auftaucht. Besonders ungewöhnlich ist, dass sein Vater die gleichen Träume hat. Als er eines Tages einen seiner Träume auf einem Gemälde in einer Ausstellung wiedererkennt, ist er zutiefst beunruhigt. Sein Vater gibt sich, darauf angesprochen, sehr wortkarg. Sein Großvater scheint bei einer seltsamen Geheimgesellschaft gewesen zu sein, die etwas damit zu tun hat. Er findet heraus, dass diese Gesellschaft in einem damaligen Theater einen Raum gemietet hatte. Er kann dieses Gebäude ausfindig machen und entdeckt auch den gesuchten Raum. Und während der ganzen Zeit bewegt sich ein ungewöhnlicher Himmelskörper durch das Sonnensystem...
  Campells Geschichte spielt im von H. P. Lovercraft geschaffenen Hintergrund rund um Cthulhu. Die aus dem Meer auftauchende Insel spielt auch eine prominente Rolle in einer der bekanntest Geschichten des Meisters. Campell benutz aber nicht Lovecrafts Stil und seiner Geschichte kommt auch keine richtige Spannung auf. Irgendwie erscheint sie beim Lesen etwas sprunghaft und holprig.
 
 Thomas Ziegler
 Delirion: Liza
 
  Noch einem nur 3o Minuten dauernden, aber mit A-, B- und C-Waffen geführten, verheerenden Krieg, der durch einen simplen Computerfehler ausgelöst wurde, blieb die Erde ziemlich verwüstet zurück. Lisa träumt in dieser Welt sicher in einem computerisierten Haus versorgt, von der Begegnung mit verschiedenen Menschen.
  Einige, sehr kurze Geschichten in einer Kurzgeschichte über eine sehr düstere Zukunft. Die einzelnen, kurzen Episoden sind nicht schlecht gelungen. Der Zusammenhang blieb mir allerdings Rätselhaft.
 
 Robert Sheckley
 Eines Königs Wünsche
 
  Bob und Janice betreiben zusammen einen Haushaltsgeräteladen in den fast jede Nacht eingebrochen wird. Seltsamerweise finden sich nicht die geringsten Spuren des Einbruchs, nur fehlt am nächsten Tag eines ihrer Geräte. Da keine Sicherheitsmassnahmen nützen, lauern sie dem Dieb eines Nachts auf. Ihre Überraschung ist groß, als sich der Einbrecher als Dämon entpuppt, der zwar nicht unfreundlich ist, aber sich weder durch Gewalt noch durch gutes Zureden von seinem Tun abbringen lassen will.
  Sheckley ist für seinen Humor als SF- und Fantassautor bekannt und liefert hier auch ein glänzendes Beispiel, dass es dafür gute Gründe gibt.
 
 Tanith Lee
 Kiefernholz
 
  Pamela wacht etwas später am Morgen auf, und ihr geliebter Mann ist schon aus dem Haus. Sie macht sich auf dem Weg zu einem mit ihm vereinbarten Essen in einem guten Restaurant. Doch nachdem sie einige Zeit gewartet hat, fällt ihr ein, dass er ja wegen eines dringenden Termins abgesagt hat. Wieder zu Hause, erwartet sie ihn. Abends ruft ihre Schwester an und fragt, ob sie denn wieder auf ihren Mann gewartet hätte...
  Eine ziemlich kurze und auch weder eine sonderlich bemerkenswerte oder originelle Geschichte.
 
 Agnes P. Adams
 Eine Lektion
 
  Edith, die ziemlich unter der Fuchtel ihres Mannes steht, gerät bei der Gartenarbeit eines Tages in ein unterirdisches System von Gängen und Kammern. Sie ist durch ein Loch in der Erde hineingefallen und kann nicht mehr auf dem gleichen Weg zurück. Unsicher macht sie sich auf die Suche nach einem anderen Ausgang. Anfangs freut sie sich, weil keine Ratten und anderes Ungeziefer auftauchen. Doch das hat seinen Grund in anderen Bewohnern...
  Eine eher durchschnittliche Kurzgeschichte mit einer nicht üblen, wenn auch nicht besonders überraschenden Pointe.
 
 Thomas Görden
 Weit im Westen
 
  Der Westernfan Michael Neuman träumt von sich selbst als Mike Newman im Wilden Westen. Er kommt in eine Stadt mit einem Auftrag...
  Die Kurzgeschichte des Herausgebers gehört eindeutig zu den Schwächern in dem Buch.
 
 Clive Barker
 Im Bergland: Agonie der Städte
 
  Das schwule Paar Mick und Judd machen eine Reise durch Europa und geraten mit der Zeit immer öfter in Streit. Als sie durch Jugoslawien unterwegs sind, geraten sie in eine abgelegene Gegend und kommen gerade zu einer Katastrophe zurecht. Seit Jahrhunderten tragen zwei benachbarte Städte einen rituellen Wettkampf aus, bei dem fast alle Bewohner eine unglaublich riesige, menschliche Figur formen.
  Barker zeigt mit dieser Erzählung vor allem seine Originalität bei den Figuren und seinen Einfallsreichtum beim Erdenken ungewöhnlicher Dinge. Und er versteht es, den Leser zu fesseln.
 
 Gabriele Wohmann
 Eine Reise nach Wien
 
  Auf einer nächtlichen Zugfahrt durch Deutschland sitzt eine junge Frau allein in einem Abteil, als ein Mann sich zu ihr setzt und die Tür verschließt. Er erzählt ihr von einem von ihm begangenen Mord...
  Die Geschichte selbst ist nicht besonders gelungen, aber die Pointe ist nicht alltäglich.
 
 Gisbert Haefs
 Ein freudiges Ereignis
 
  Eine kurze Geschichte über eine Entbindung auf einem von Aussteigern bewohnten Bauernhof. Eine alte, vermeintliche Hexe hat die werdende Mutter verflucht und sie quälen deshalb starke Ängste.
  Gut geschriebene Kurzgeschichte mit einer sehr dunklen Pointe.
 
 Wolfgang Hohlbein
 Der Aufzug
 
  Laurie ist mit ihrem Freund Bill auf einer Reise durch Amerika. Als sie schon dem Ende entgegen geht, verfährt sich Bill und das Auto beginnt auch zu mucken. Zu allem Übel beginnt Bill auch noch die Narbe einer vor kurzem durchgestandenen Operation zu schmerzen. Schließlich bricht er zusammen, und Laurie ist gezwungen weiterzufahren, obwohl sie noch nie bei einem Auto am Steuer gesessen ist. Sie befinden sich in einer menschenleeren Gegend und so ist weit und breit keine Hilfe erreichbar. Es ist schon tiefe Nacht als Laurie überraschend ein Privatspital entdeckt. Doch dieses Spital steht seit Jahren still und wird nur mehr von zwei Wachleuten bewacht. Sie rufen einen Arzt für Bill und Laurie ruft zu Hause an um ihre Eltern zu benachrichtigen. Doch auf dem Weg zurück vom Telefon hat sie ein unheimliches Erlebnis. Dieses alte Spital hat ein dunkles Geheimnis in seiner Vergangenheit, die noch jetzt seltsame Auswirkungen haben.
  Eine nicht üble Erzählung vom Vielschreiber der deutschsprachigen Fantasy mit einer klassischen Handlung und einem ebensolchen Ende. Auch seine Schwächen, wie sich wiederholende Formulierungen oder z.B. ein unheimlicher Nebel, der aber dann keine Rolle mehr spielt und nur zur Erzeugung von Spannung auftauchte, sind bemerkbar.
 
 Daphne Du Maurier
 Die Vögel
 
  Die Handlung dieser Erzählung dürfte durch die Verfilmung von Hitchcock ziemlich jedem bekannt sein. Eines Tages beginnen sich alle Vögel seltsam zu benehmen und auch Menschen anzugreifen. Die beste Erzählung in dieser Sammlung, bei der es dem Lesegenuss keinen Abbruch tut, wenn man den Film schon kennt. Die Atmosphäre der Bedrohung und des Eingesperrt seins kommt sehr gut zur Wirkung und lässt beim Leser eine Beklemmung aufkommen, wie es nur die besten Horrorgeschichten schaffen. Der Film weicht bei der Handlung übrigens in einigen Dingen etwas von dieser Vorlage ab.

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