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Golineh Atai
Die Wahrheit ist der Feind
Warum Russland so anders ist

Rowohlt
2019
384 Seiten
ISBN-13: 978-3737100618
€ 18,-


Von Alfred Ohswald am 12.08.2019

  Golineh Atai war vom 2013 bis 2018 für die ARD als Korrespondentin in Russland tätig und hat jetzt anschließend in „Die Wahrheit ist der Feind“ über die Entwicklungen dort während dieser Zeitspanne berichtet. Und es ist kein Buch einer „Putin-Versteherin“, wie es sie in in Deutschland ja auch nicht gerade selten gibt. Gabriele Krone-Schmalz ist da ein prominentes Beispiel. Für FPÖ-Anhänger in Österreich und AFD- sowie Linke-Anhänger in Deutschland ist dieses Buch deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit wohl kaum empfehlenswert. Wobei die Situation in Deutschland schon einigermaßen kurios ist, wo diametral entgegengesetzte Ideologien sich durch ihre gemeinsamen Ansichten in der Außenpolitik auszeichnen. Bezeichnend ist auch, dass das Buch bei Amazon nur Bewertungen mit 5 oder 1 Stern und nichts dazwischen aufweist.
  Ein starkes Indiz für Atais Sichtweise über die Vernebelungstaktiken und den Informationskrieg durch RT, Sputnik & Co. sind die zahllosen, sich teilweise widersprechenden Versionen die Russlands Medien und Regierungsstellen nach dem Abschuss von Malaysia-Airlines-Flug 17 von sich gab. Überraschend dabei ist, dass auch in Deutschland gar nicht so wenige eher einem deklarierten Propagandasender mit oft himmelschreiend unsinnigen oder leicht zu durchschauenden Fälschungen glauben, als den einheimischen Medien. Also scheint die russische Propaganda sich gar nicht die Mühe machen zu müssen, einigermaßen fundierte Versionen zu produzieren, Hauptsache sie weichen von den offiziellen Versionen der sonstigen Journalisten ab.
  Hier zeigt sich auch eine Schwachstelle des westlichen Journalismus mit der Auflage der Ausgewogenheit (insbesondere in den USA). Dadurch werden immer wieder auch Propaganda-Versionen gleichwertig mit den Erkenntnissen von mühsam recherchierenden Journalisten erwähnt.
  Für den durchschnittlichen Leser wird „Die Wahrheit ist der Feind“ vermutlich schon bei der Einleitung ziemlich erschreckend sein, da es eine erschreckende Stimmung zwischen Großmacht-Phantasien, Fatalismus und spiritistischer Opferbereitschaft und Sendungsbewusstsein in der russischen Bevölkerung und erst recht in der Führung aufzeigt. Eine gefährliche Mischung.
  Leser, die für ein großzügiges Entgegenkommen gegenüber Putins Russland eintreten, werden sich hier wohl kaum von mehr Skepsis überzeugen lassen. Die Meinungen scheinen so festgefahren, dass sie zumindest in nächster Zukunft kaum aufzubrechen sein werden. „Die Wahrheit ist der Feind“ ist also nur Lesern zu empfehlen, die das Vertrauen in den konventionellen Journalismus noch nicht verloren haben.

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