Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Tawni O’Dell
Wenn Engel brennen
(Angels Burning, 2016)

Argument
2019
Übersetzt von Daisy Dunkel
352 Seiten
ISBN-13: 978-3867542395
€ 21,-


Von Alfred Ohswald am 15.07.2019

  In einer verlassenen Gegend in der Nähe Buchanans, in der unterirdisch ein Kohlebrand vor sich hin kokelt, wird eine Mädchen halb verbrannt und tot in einer Erdspalte gefunden. Die örtliche Polizeichefin Dove Carnahan birgt sie unter ziemlichen Risiken daraus. Das Mordopfer gehört einer ansässigen Familie von ausnehmend bösartigen Verlierern an und versuchte aus diesem Milieu auszubrechen. Sie hatte die nötigen guten Schulnoten und einen Freund, der aus einer besseren Familie stammte. Da liegt es nahe, dass Polizeichefin Carnahan rund um das persönliche Umfeld des Opfers zu ermitteln beginnt.
 
  „Wenn Engel brennen“ ist der erste Roman O’Dells, der ins Deutsche übersetzt wurde aber eigentlich ihr sechstes Buch. Allesamt spielen in dieser gottverlassenen, von Menschen langfristig durch Bergbau und Ölförderung verwüsteten Gegenden mit den dort zurückgebliebenen Bewohnern vom meist untersten Rand der Gesellschaft. Und es sind meist keine Verlierer mit edler Gesinnung, wie sie in mancher romantischer Vorstellung irrtümlicherweise herumgeistern mögen.
  O’Dell ist eine weitere der glücklichen Entdeckungen des Argument Verlags, zu der man nur gratulieren kann und die einen Glücksfall für die deutschsprachigen Krimi-Leser darstellt. Wie die meisten hervorragenden Krimis ist auch „Wenn Engel brennen“ eine gelungene Mischung aus spannend erzählten Kriminalfall, gelungenen Charakterzeichnungen und Milieustudie.
  O’Dell benutzte auch in ihren vorhergehenden Büchern die heruntergekommenen Coal Towns rund um Pittsburgh in Western Pennsylvania als Hintergrund, ungefähr die Gegend, in der sie einst geboren wurde und jetzt wieder lebt.
  Die Menschen dort zählen zu den wirklichen Verlierern des Industriezeitalters und so neigen selbst positive Charaktere, wie die Schwester der Hauptfigur aus europäischer Sicht eher zu Gewalt. So würde kaum ein deutscher Hundetrainer heute noch die Benutzung eines Stachelhalsbandes öffentlich befürworten, ohne massenhaft Kritik zu ernten.
  Nochmal Glückwunsch an den Argument Verlag zu dieser erneut gelungenen Entdeckung!

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.