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Colson Whitehead
Die Nickel Boys

Hanser
2019
Übersetzt von Henning Ahrens
224 Seiten
ISBN-13: 978-3446262768
€ 23,-


Von Alfred Ohswald am 19.06.2019

  Der sechzehnjährige Elwood Curtis scheint auf dem richtigen Weg zu sein, er hat einen Job bei einem angenehmen und großzügigen Besitzer eines kleinen Ladens und seine schulischen Leistungen erlauben ihm die Aussicht auf ein Stipendium. Für einen Schwarzen in den 60ern hervorragende Aussichten.
  Doch das Unglück lauert immerzu hinter der nächsten Ecke und als er einmal per Autostopp unterwegs ist, landet er prompt in einem gestohlenen Wagen und in der Folge in einer Besserungsanstalt. Diese Besserungsanstalt ist eine Art Jugendknast und trägt den Namen „Nickel“ von einem einstigen Direktor. Elwood gerät ziemlich schnell in Schwierigkeiten und lernt die brutale, ja lebensgefährliche Seite der Anstalt kennen. In der Folge versucht er so wenig, wie möglich aufzufallen und einigermaßen ungeschoren aus dieser Hölle herauszukommen.
 
  Whitehead wurde durch den Vorgänger von „Die Nickel-Boys“ berühmt. „Underground Railroad“ hatte ein deutliches Element Unrealismus, was beim aktuellen Roman deutlich weniger der Fall ist. Er wurde durch die Geschichte der Dozier School for Boys in Marianna, Florida inspiriert, wie Whitehead am Ende selbst abführt. Der Hintergrund ist also weitgehend erschreckend real.
  Das Whitehead erzählen kann, hat er bereits eindrucksvoll bewiesen und tut es hier erneut. Die Misshandlungen, nicht zuletzt sexueller Natur, werden nirgends groß ausgebreitet und entfalten trotzdem eine dramatische Eindringlichkeit. Generell kann man Whitehead nirgends Langatmigkeit vorwerfen, er kommt nie ins weitschweifige Plaudern. Die Leser sollten also nicht das ausführliche Beschreiben der unmenschlichen Behandlung bis zur manchmal tödlichen Folter erwarten, Whitehead vermeidet es bewusst einen Gewalt-Porno abzuliefern. Und gegen das Ende zu wartet er mit einer wirklichen Überraschung auf, die allein das Lesen des Buches wert ist.

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