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Dörte Hansen
Altes Land

Penguin
2017
304 Seiten
ISBN-13: 978-3328100126
€ 10,-


Von Alfred Ohswald am 31.05.2019

  Eine Flüchtlingsfamilie, besser gesagt Mutter Hildegard von Kamcke mit ihrer kleine Tochter Vera kommen Ende des Krieges unter großen Opfern ins Alte Land in den Elbmarschen, tiefste Provinz in der Nähe Hamburgs. Die ehemals ostpreußische Adlige Hildegard von Kamcke versteht sich mit der Altbäuerin denkbar schlecht, was dramatisch enden sollte. Dafür versteht sie sich um so besser mit deren aus dem Krieg nicht ganz unversehrt zurückgekehrten Sohn. Als Hildegard dann aber einen anderen, besser zu ihr passenden Mann findet und wegzieht, bleibt Vera in dem Haus mit dem angeschlagenen Kriegsheimkehrer zurück.
  Vera wird Zahnärztin und eine ziemlich einzelgängerische und auch etwas exzentrische Frau, bis ihre Enkelin Anna mit ihrem Sohn Leon bei ihr einzieht, weil sie ihren Partner mit einer anderen Frau erwischt hat. Damit kommt dann doch ein wenig Leben in das alte Haus und einige Sozialkontakte zu anderen Dorfbewohnern hauptsächlich durch das Kind zustande.
 
  Der Roman wird teilweise als Buch über das Landleben beschrieben, was nur eingeschränkt zutrifft. Zuerst ist es ein Familienroman über das Schicksal der eigenwilligen Vera und ihre Enkelin Anna. Dabei werden aber auch zahlreiche, andere Figuren berücksichtigt, etwa ein Bauer, der sich gegen den aufkommenden Bio-Trend sträubt oder ein Journalist und Städter, der sich am Land entschleunigen will und nicht merkt, wie sehr er meist die Dorfbewohner nervt. Aber allein die beiden Familien, die das Hauptpersonal des Buches darstellen, sind schon nicht wenige.
  Zwischen diesen Protagonisten springt die Autorin hin und her und zusätzlich wechselt sie insbesondere Anfangs auch oft und gerne die Zeitebene. Das macht es eben am Anfang teilweise nicht leicht, dem Handlungsstrang und zu verfolgen und sich zu merken, welchem Familienmitglied zu welcher Zeit genau man gerade auf den Fersen ist. Später konzentriert sie sich mehr auf Vera, Anna und ihre direkte Umgebung.
  Die Hauptqualität liegt hier sowohl beim Stil, die nicht übertrieben eingesetzten Metaphern sind fast immer sowohl passend als auch wirklich originell. Aber noch gelungener sind die Charakterbeschreibungen. Hier gehört „Altes Land“ zum besten, was in den letzten Jahren im deutschsprachigen Raum erschienen ist.
  Hilfreich aber nicht nötig sind Kenntnisse in Plattdeutsch, da ab und an Sätze in diesem Dialekt eingestreut werden. Der Sinn geht aber meist aus dem Kontext hervor, also wirklich kein Hinderungsgrund diesen großartigen Roman zu lesen.
  Passenderweise ist „Altes Land“ etwa zur gleichen Zeit erschienen, wie Juli Zehs thematisch nicht unähnliches und ebenso geniales „Unterleuten“.

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