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Jane Gardam
Bell und Harry
(The Hollow Land, 1981)

Hanser
2019
Übersetzt von Isabel Bogdan
192 Seiten
ISBN-13: 978-3446261990
€ 20,-


Von Alfred Ohswald am 19.05.2019

  Eine Londoner Familie pachtet einen aufgelassenen Bauernhof in der tiefsten Provinz in Yorkshire und Harry, der Sohn der Familie freundet sich mit Bell an, dem Sohn einer Bauernfamilie auf einem Hof im selben Dorf. Gemeinsam erleben sie einige kleine aber teilweise nicht ungefährliche Abenteuer.
 
  Der eher schmale, episodenhafte Roman erinnert ziemlich stark an Tom Sawyer und Huckleberry Finn in einer charmanten, britischen Version. Obwohl das Buch Ende des 20. Jahrhunderts spielt, erinnern die hauptsächlich durch eine Krise verursachten Lebensumstände in dieser Dystopie an jene der beiden Helden von Mark Twain. Die Traktoren und Autos wurden durch Pferde ersetzt und in manchen Häusern sind ständiger Zugang zu Strom, Telefon und Wasser keine Selbstverständlichkeit. Ein ziemlich düsterer Ausblick in die Zukunft, der glücklicherweise nicht in annähernd derartigen Ausmaß eingetreten ist. Der Roman an sich wirkt allerdings keineswegs düster, im Gegenteil.
  Die augenfälligste, positive Seite des Buches ist wohl der zurückhaltend eingesetzte, feine Humor. Ein Beispiel: „Tatton und die Kuh kamen die Treppe herunter, und die Kuh stürmte sofort hinaus in den Hof. Nachdem sie sich in einem Schlafzimmer aufgehalten hatte, fühlte sie sich nie wieder ganz wie zuvor. Und das Schlafzimmer auch nicht.„
  Sonst ist es wohl weitgehend ein ein reichlich sentimentaler Blick auf das Landleben vor etlichen Jahrzehnten. So schlimm konnten selbst Thatcher & Co England nicht herunterwirtschaften. Warum Gardam dafür einen Blick etwa in die sehr nahe Zukunft zu werfen versucht, wird insbesondere im Rückblick unklar. Insgesamt hinterlässt dieses „Downton Abbey“ auf dem Land mit Tom Sawyer und Huckleberry Finn einen sympathischen Eindruck.

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