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Joe R. Lansdale
Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick
(Paradise Sky, 2015)

Tropen
2016
Übersetzt von Conny Lösch
477 Seiten
ISBN-13: 9783608501407
€ 24,95


Von Alfred Ohswald am 15.05.2019

  Der junge Schwarze Willie wirft eher versehentlich einen Blick auf das Hinterteil einer Weißen, was ihren Mann derartig aufregt, dass er ihn zusammen mit einigen anderen lynchen will. Willie flieht zu seinem Vater auf die heimatliche Farm aber dann, auf dessen Anraten, weiter in einen nahe gelegenen Wald. Sein Vater wird von dem Lynchmob umgebracht und die Farm niedergebrannt. So muss Willie weiter fliehen und gelangt auf die Farm eines älteren Bürgerkriegs-Veteranen. Etwas überraschend nimmt ihn der auf und bringt ihm im Laufe der Jahre als Gegenleistung für Hilfe auf der Farm einiges bei, nicht zuletzt das Schießen. Als sein Gönner an Altersschwäche stirbt, zieht Willie erneut weiter, ändert seinen Namen aber in Nat Love.
  Unter diesem Namen meldet er sich zur Army, desertiert aber relativ bald mit einem schwarzen Kameraden, nachdem sie als Einzige einen Kampf mit Apachen überlebt haben. Nach einem kurzen Zwischenspiel landen sie beide in der legendären und verrufenen Goldgräberstadt Deadwood.
 
  Nat Love war ein ziemlich bekannter schwarzer Cowboy, der tatsächlich den Nickname „Deadwood Dick“ trug. Seine Bekanntheit beruht nicht zuletzt auf eine 1907 von ihm selbst geschriebene Autobiographie mit dem elend langen Titel „Life and Adventures of Nat Love, Better Known in the Cattle Country as ‚Deadwood Dick,# by Himself; a True History of Slavery Days, Life on the Great Cattle Ranges and on the Plains of the ‚Wild and Woolly‘ West, Based on Facts, and Personal Experiences of the Author“. In „Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick“ schreibt allerdings ein gewisser Bronco Bob Heftromane über ihn.
  Lansdales daran angelehnter Roman hält sich aber nur am Rande an das Original. Das beginnt schon damit, dass er bei ihm Anfangs einen anderen Namen trägt und vor einem Lynchmob fliehen muss. Bei Lansdale läuft er in Deadwood auch sehr schnell so ziemlich allen – auch und besonders aus der legendäre TV-Serie „Deadwood“ - bekannten Figuren über den Weg. Angefangen bei Wild Bill Hickok und Calamity Jane bis zu Al Swearengen, den von Ian McShane genial gespielten Bösewicht. Abgesehen, dass er sich verliebt, in Swearengens Saloon arbeitet und sich mit Hickok anfreundet, gerät er natürlich auch ziemlich bald in Schwierigkeiten.
  „Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick“ ist im, von Lansdale gerne immer wieder einmal benutzten, locker-ironischen Stil mit jeder Menge witziger und fast durchwegs gelungener bis genialer Metaphern geschrieben. Die aus der Sicht des Ich-Erzählers oft ausgesprochen selbstironischen Bemerkungen lassen die Hauptfigur dann noch zusätzlich sympathischer erscheinen.
  Ein Beispiel: „...mit einer Stimme, die geeignet war, einem Frosch das Quaken beizubringen, unablässig Gospelsongs sang. Bei Anbruch der Dunkelheit war ich so weit, mir einen Ast zu suchen, an dem ich mich aufknüpfen konnte. Gott sei Dank wurde sie immer heiserer und hörte endlich auf zu singen, so dass mein Genick unversehrt blieb.“
  Für alle Leser, die eine witzige, kurzweilige Abenteuer- und Western-Story zu schätzen wissen, können hier wenig falsch machen.

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