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Kurt Palm
Monster

Deuticke
2019
304 Seiten
ISBN-13: 978-3552063945
€ 21,-


Von Alfred Ohswald am 12.05.2019

  Ein alter Bauer im österreichischen Ort Schwarzbach will eine Sache bereinigen, die sich in seiner Zeit als Junge beim Volkssturm ereignet hat und bittet dabei seine Enkelin um Hilfe die ihn mit Unterstützung der modernen elektronischen Möglichkeiten unter die Arme greifen kann.
  Die Innenministerin besucht ein Flüchtlingsheim und steckt sich beim Verkosten eines traditionellen afrikanischen Gerichts mit dem Ebola-Virus an, was naturgemäß nicht lange auf sie beschränkt bleibt.
  Der legendäre Horrorfilm-Regisseur George A. Romero dreht in Schwarzbach einen Vampir-Zombie-Film und beschäftigt dabei zwei überaus realistische Darstellerinnen. Und im örtlichen Rottensee tummelt sich ein riesiger Raubfisch, der bei seiner Beute wahrlich nicht wählerisch ist, denn bald wird ein Fuß einer Frau und das Überbleibsel eines Hundes ans Ufer gespült. Und ausgerechnet der extrem wasserscheue Polizist Stallinger wird zum fatalerweise recht nassen Ort dieses Ereignisses geholt.
 
  Den Roman einen Krimi oder Horrorroman zu nennen, würde der Sache nicht ganz gerecht werden. Es ist mehr eine Satire mit Elementen dieser beiden Genres, eine kunterbunte Mischung aus viel Thomas Bernhard und Kottan mit einer Prise aus den Filmen „Der weiße Hai“ und „Shadow of the Vampire“. Hinter der vordergründigen, ins Absurde neigenden Handlung versteckt sich ziemlich viel Zorn. Politik und Unternehmer kommen also grundsätzlich nicht ungeschoren davon. Allerdings gilt das für ziemlich viele Figuren, die diesen Roman bevölkern. So gesehen kann man Palm kaum Parteilichkeit vorwerfen, bei ihm kommt kaum jemand ohne Blessuren davon.
  Ob von Palm beabsichtigt oder nicht, ein Satz wie «Magst du etwas trinken?» Franziska stand am offenen Küchenfenster und rief nach draußen. «Ich mache mir einen Hollersaft.» nach einem Kapitel mit den zwei weiblichen Vampiren ist schon ziemlich genial. Ja, es spielen tatsächlich zwei weibliche Vampire als Darstellerinnen in einem Film von George A. Romero (!) mit.
  Einen Gendarm der dem Hobby Stricken nachgeht, findet man sonst im Krimi-Genre auch nicht jeden Tag und auffällig auch Palms Vorliebe für Doppelnamen und Lesben bei vielen seiner Protagonist(inn)en.
  Auf Seite 249 erklärt Palm, dass ihm bei einem turbulenten Afrika-Urlaub einige Seiten des Roman-Manuskriptes abhanden gekommen sind. Da diese Erklärung fast fünf Seiten lang ist, fragt sich, warum er nicht gleich diese abhanden gekommenen Seiten zumindest in einer kurzen Fassung nachgeholt hat. Erlebt man in einem bei einem renommierten Verlag auch nicht alle Tage, außer es handelt sich um einen Klassiker, von dem jedes Fitzelchen Geschriebenes in Buchform gepresst wird. Dadurch verschwindet eine nicht ganz unwichtige Nebenfigur sang- und klanglos und abrupt aus dem Handlungsstrang.
  Die Handlung ist generell nicht die starke Seite dieses Romans, nicht alle Handlungsstränge werden schlussendlich zusammengeführt. Teilweise haben sie nur gemeinsam, dass sie am selben Ort spielen. Obwohl der Roman eindeutig unfertig zu sein scheint ist das Buch durchaus unterhaltsam für Leser die mit Satire etwas anfangen können.

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