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Don Winslow
Jahre des Jägers
(The Border)

Droemer
2019
Übersetzt von Conny Lösch
992 Seiten
ISBN-13: 978-3426282199
€ 26,-


Von Alfred Ohswald am 07.04.2019

  Mit "Jahre des Jägers" folgt nach "Tage der Toten" und "Das Kartell" der dritte und abschließende Teil der berühmten und – besonders was den ersten Teil angeht – ausgesprochen erfolgreichen Trilogie über die mexikanische Drogen-Mafia und den DEA-Agenten Art Keller. Am Anfang und noch ausführlich eher unpassender am Ende gibt es einen kurzen Rückblick auf Kellers Einsätze und das Ende des Drogen-Kartell-Chefs Adán Barrera.
  Keller steigt aus und lebt mit seiner Frau in Mexiko, als er das Angebot erhält, den Posten des Chefs der Drug Enforcement Administration zu übernehmen und er nimmt an und zieht mit seiner Frau nach Washington D.C. In Mexiko bricht dagegen ein Nachfolgekrieg zwischen den verschiedenen Gangs aus. Keller erkennt, dass es wenig nützt, die Bosse zu schnappen oder auch zu töten, es kommen immer neue nach, da das Geschäft so irrwitzige Gewinne abwirft. Er beschließt zu versuchen, ihnen den Geldfluss abzudrehen und ihre legalen Geschäftsverbindungen aufzudecken.
 
  „Tage des Jägers“ unterscheidet sich ein wenig von seinen beiden Vorgängern, es hat nicht einen zentralen Handlungsstrang. Hier werden zahlreiche Handlungen und Nebenhandlungen zugleich erzählt, wobei manche, wie etwa der blutige Machtkampf der Drogenbosse in Mexiko für sich alleine schon reichlich kompliziert sind. Winslow hat die Handlungen trotzdem gut im Griff und schafft es auch, sie den Lesern gut nachvollziehbar zu präsentieren. Da eine Menge alter Bekannter auftreten, ist es natürlich kein Fehler, "Tage der Toten" und "Das Kartell" gelesen zu haben. Wirklich zum Verständnis nötig ist es nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Rückblenden in „Jahre des Jägers“ glücklicherweise aber nicht.
  Relativ bald taucht der Immobilientycoon und TV-Star John Dennison auf, der für die Republikaner als Präsidentschaftskandidat antritt. Hier den aktuellen Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht zu erkennen, ist kaum möglich. Winslow gehört in jedem Fall zu den ziemlich seltenen Exemplaren der eher liberal eingestellten Thriller-Autoren. Da wundert es wenig, dass er seinen kaum kaschierten Trump-Darsteller wenig Sympathien abgewinnen kann. Den kann nur sein Schwiegersohn übertrumpfen, der sich hier bei der Mafia finanziert, wo er sich in der Realität vermutlich eher von den Saudis unter die Arme greifen lässt.
  Zu den vielen Perspektiven, aus denen Winslow sein erzählerisches Gebäude errichtet, gehört auch die Flucht in die USA von Nico, einem Jungen der mit seiner Mutter auf einer Müllhalde in Guatemala haust. Nur um die Bandbreite Winslows zu demonstrieren, was aber auf der anderen Seite natürlich einer der Gründe für den beachtlichen Umfang des Romans ist.
  Besonders den Schluss hätte man eleganter gestalten können, indem Winslow ihn nicht ganz so ausführlich erzählt. Dadurch ergibt sich insbesondere das Problem, dass er zu offensichtlich von der Realität eingeholt wird. Und Winslow hätte sich hier auch die Fernsehserie „The Sopranos“ zum Vorbild nehmen können, um zu demonstrieren, welche geniale Wirkung ein offeneres Ende haben kann.
  Es ist aber auch der am meisten politische Roman Winslow und wahrlich kein optimistischer Blick auf die amerikanische Gesellschaft.

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