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Gerhard Jelinek
Neue Zeit 1919
Ein Jahr zwischen Hoffnung und Entsetzen

Amalthea
2019
256 Seiten
ISBN-13: 978-3990501504
€ 25,90


Von Alfred Ohswald am 30.03.2019

  Obwohl Österreich deutlich schwerer vom verlorenen 1. Weltkrieg betroffen war, als das Deutsche Reich, ging es hier nicht ganz so turbulent und dramatisch zu. Viel fehlte aber wahrlich nicht. In Wien herrschte im Winter 18/19 Hunger in weiten Bevölkerungskreisen und das Land galt beim Großteil seiner Bevölkerung als nicht überlebensfähig. Die Rettung sahen viele im Anschluss an das Deutsche Reich. Tirol gedachte den Verlust ihres südlichen Landesteils zu verhindern, indem es versuchte, sich selbstständig zu erklären und Vorarlberg wollte sich der Schweiz anschließen, die allerdings nur unter der Bedingung finanzieller Unterstützung durch die Alliierten zuzustimmen bereit gewesen wären.
  Gerhard Jelineks Buch pickt sich fünfzig bestimmte Tage in chronologischer Reihenfolge (1. Jänner, 5. Jänner, 9. Jänner, usw.) heraus und schreibt anhand bestimmter damaliger Ereignisse über den jeweiligen Sachverhalt. Etwa: 11. Jänner 1919: Peter Altenberg stirbt in seinem Hotelzimmer. Wie dieses Beispiel schon zeigt, werden beileibe nicht nur politische Themen berücksichtigt, der Schwerpunkt liegt aber natürlich dort. So bei 6. September 1919: Die Nationalversammlung stimmt dem Friedensvertrag zu. Das Themenspektrum reicht also von Politik über Kultur, Gesellschaftliches bis zu Klatsch und Tratsch.
 
  Leser sollten natürlich schon ein gewisses, grundsätzliches Interesse und möglichst auch historisches Basiswissen mitbringen, um wirklich von der Lektüre zu profitieren und sie auch entsprechend würdigen zu können. Neben historische Interessierten ist das Buch auch perfekt etwa für Autoren geeignet, die über diesen Zeitraum recherchieren. Beiden Gruppen erspart es eine Unmenge an mühseliger Recherchearbeit.
  Zwar mag ein Buch über ein einzelnes Jahr manche potentielle Leser abschrecken, aber man wird kaum andere populärwissenschaftliche Bücher finden, die ein solches, gelungenes Stimmungsbild der unmittelbaren Nachkriegszeit vermitteln können. Zweifellos eine uneingeschränkte Empfehlung für das Zielpublikum.

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