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Wolf Haas
Junger Mann

Hoffmann und Campe
2018
240 Seiten
ISBN-13: 978-3455003888
€ 22,-


Von Alfred Ohswald am 07.12.2018

  Mit 12 Jahren beginnt er (vermutlich der Autor als Jugendlicher, da sein Vater den Namen „Haas“ trägt,wie man allerdings erst auf Seite 210 erfährt) auf der örtlichen Tankstelle zu arbeiten. Mit 14 verliebt sich in eine etwas ältere, mit einem Fernfahrer namens „Tscho“ verheiratete Frau und beschließt seine überschüssigen Kilos loszuwerden. Mit „Tscho“ sollte er später dann noch eine Reise machen. Das ist dann allerdings der zweite Abschnitt des Romans.
 
  Es ist 1973, die Zeit der Ölkrise und des autofreien Wochentages in Österreich. Die Fernfahrer fahren noch nach Teheran, auch wenn sie oft in Wirklichkeit nur nach Italien, Jugoslawien oder Griechenland fahren, und sind in der Phantasie Jugendlicher wahre Abenteurer, das Gemisch für Mopeds und Motorräder wird auf Tankstellen noch in Glasgefäße gepumpt, Autowracks stehen noch gerne im Gelände herum und selbst auf Tankstellen wird geraucht.
  Es ist wohl im Idealfall ein Roman für Leser und Leserinnen, die die 70er-Jahre miterlebt haben oder generell gerne Romane über die Zeit der Pubertät bei Männern lesen. Selbst der – bei Hass gewohnt eigenständige – Tonfall ist irgendwie typisch für diese Zeit. Bei der Gelegenheit wird den Lesern ab und an ins Gedächtnis gerufen, dass vor nicht einmal 50 Jahren gelegentlich andere Formulierungen und Wörter üblich waren und Haas‘ Erinnerungsvermögen entsprechend bewundern können. Im Übrigen verwendet er sehr oft ausgesprochen kurze, eigenständige Sätze anstatt durch Beistriche getrennte Nebensätze, ziemlich anders als bei den Bronner-Krimis.
  Die oben angegebene Seitenzahl täuscht etwas, durch großzügiges Layout ist das Buch eindeutig etwas kürzer. Besonders was den Wortwitz, den Humor, den eingefangenen Zeitgeist und insgesamt den Charme betrifft übertrifft er oft sogar die berühmten Bronner-Krimis. Nur eben in der Kurzausgabe. Das etwas rührselig geratene Ende ist trotzdem ausgesprochen geglückt und reicht an das diesbezügliche Talent der Amerikaner heran.

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