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Mats Olsson
In den besten Kreisen
(I de bästa familjer)

btb
2018
Übersetzt von Leena Flegler
448 Seiten
ISBN-13: 978-3442715589
€ 10;-


Von Hans Durrer am 18.11.2018

  Von Mats Olsson ist unter anderem bekannt, dass er der schwedische Übersetzer von Joseph Wambaugh, Robert Crais und James Lee Burke ist. Und mehr muss ich eigentlich gar nicht wissen (James Lee Burke ist mein amerikanischer Lieblingsautor), um seinen gerade auf Deutsch erschienen Thriller In den besten Kreisen (btb Verlag, München 2018) mit Sympathie anzugehen. Dazu kommt, dass ich bereits von Demut (btb Verlag, München 2017) sehr angetan gewesen bin und somit davon ausgehe, dass ich auch diesmal bestens unterhalten werde und zudem was lerne. Und so ist es dann auch.
 
  Der packende Einstieg beginnt mit einem Traum des Ex-Journalisten und Kneipiers Harry Svensson, der, wie es Träume so an sich haben, beunruhigend unverständlich ist. Als er aufwacht, klopft es an der Tür und als er aufmacht, stürmt ein Mädchen an ihm vorbei in die Wohnung, wo sie sich unter dem Bett versteckt. Höchst anrührend wird geschildert wie die Kleine allmählich Zutrauen zu Harry fasst. „Ich hatte keine eigenen Kinder und war so gut wie nie mit Kindern in Kontakt gekommen, allerdings hatte eine Bekannte von mir einmal behauptet, ich wäre ein Kindermagnet.“
 
  Das Mädchen hat panische Angst. Und Harry Svensson versucht herauszufinden, wovor und weshalb. Dabei stösst er auf eine Marihuanaplantage und ein Dealer wird ermordet, bevor er sich mit ihm treffen kann; auch eine Biker-Gang mit Namen 'Dark Knights' und ein sehr reicher Schwede sowie ein russischer Oligarch, beide gewalttätig, spielen eine Rolle. Eine spannende Geschichte, aus der Perspektive verschiedener Personen erzählt. Und auch die Psychologie kommt nicht zu kurz – die Herzenskälte der Erfolgreichen wird dabei genau so eindrücklich geschildert wie das Phänomen, dass es so unfassbar lange dauert, bis der Mensch sein Schicksal in seine eigenen Hände nimmt.
 
  Der Autor Mats Olsson, geboren 1949, ist ein lebenserfahrener Journalist („Ich hatte nie verschiedene Jobs ausprobiert oder eine bestimmte Traumkarriere vor Augen gehabt. Irgendetwas war mir ganz einfach immer vor die Füsse gefallen, oder aber ich war daraus wieder hinausgestolpert, immer hatte sich eins aus dem andern ergeben“, lässt er seinen Protagonisten Harry Svensson sagen), der die heutigen Medien illusionslos betrachtet. „Nicht ein einziger Leitartikler oder Meinungsmacher regte sich öffentlich über die Folgen übertriebenen Alkoholismus' auf, aber der allererste Zug an einem Joint führte angeblich zwangsläufig zu Heroin, in die Gosse und zum verfrühten Tod mit einer Kanüle in der Armbeuge in irgendeinem Klo in Helsingør, Vermutlich lag das einfach daran, dass die eine Droge legal und von oben sanktioniert war und die andere eben nicht.” Und: „Die Wahrheit interessiert doch niemanden, und echte Berichterstattung gibt es kaum noch. Es geht doch nur noch darum, so viele Promis wie nur möglich abzulichten.“
 
  Was diesen Autor unter anderem auszeichnet, ist sein nüchterner Blick auf die Welt. So beschreibt er den Flughafen Malmö: „Es war schon eine Weile her, dass ich zuletzt dort gewesen war, und ich hatte vollkommen vergessen, dass dieser nach Ostblockvorbild errichtete Flughafen irgendwann in das verwandelt worden war, was angeblich die Sehnsucht der gesamten westlichen Hemisphäre verkörperte: ein Shoppingcenter.“
 
  „In den besten Kreisen“ handelt, wie der Titel verrät, auch von den Machenschaften von Teilen der schwedischen Geldelite. Und von jungen Schweden, die 1963, als Popmusik und Jugendrevolte die Schlagzeilen beherrschten, nazistisches Gedankengut pflegten. Niemand nahm damals diese Leute Ernst. „Wer hätte denn ahnen können, dass in Schweden fünfzig Jahre später Männer und Frauen mit rechtsradikaler Gesinnung wieder zu politischer Macht gelangen würden? Wie naiv wir doch gewesen waren.“
  Wer wissen will, wie es auf der Welt zu und her geht, und dabei auch noch gut unterhalten werden möchte, sollte Thriller lesen. Nicht alle, doch „In den besten Kreisen“ sollte dazugehören.

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