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Peter H. Wilson
Der Dreißigjährige Krieg
Eine europäische Tragödie
(Europe's Tragedy, 2009)

Theiss
2017
Übersetzt von Thomas Bertram, Tobias Gabel und Michael Haupt
1168 Seiten
ISBN-13: 978-3806236286
€ 49,95


Von Alfred Ohswald am 23.05.2018

  Wilson teilt sein Buch über den Dreißigjährige Krieg, wie viele andere Autoren bei dem Thema, in drei Teile ein.
  Zuerst kommt eine Art Appetitanreger mit dem 2. Prager Fenstersturz, dem offiziellen Beginn des 30jährigen Krieges. Und als man überrascht zu vermuten beginnt, Wilson kommt völlig ohne Vorgeschichte aus, kommt eben diese mit dem Abschnitt über die Vorgeschichte und die Ursachen für den Krieg.
  Im Großen und Ganzen beginnt er dabei mit dem Augsburger Religionsfrieden 1555. Der Schwerpunkt liegt bei den Strukturen von Politik und Religion und weniger ausführlich bei den Personen, welche natürlich auch berücksichtigt werden.
  Danach beginnt ab Seite 344 der zweite Teil mit den vier Abschnitten des Krieges selbst, wie es auch die meisten anderen Büchern zu dem Thema gemacht wird. Der Prager Fenstersturz 1618 und seine Folgen mit der Schlacht vor Prag am Ende, der Krieg mit Christian IV. von Dänemark, die Kämpfe zwischen Wallenstein und Gustav II. Adolf und der abschließende, recht chaotische Schwedisch-Französische Krieg gegen den Kaiser und die katholische Liga, der sich aber auch weitgehend im Reichsgebiet zutrug. Schließlich kam es 1648 zum Westfälischen Frieden.
  Der dritte und letzte Abschnitt ab Seite 860 beschäftigt sich schließlich mit den nicht unbeträchtlichen Folgen. Was bei der Bevölkerungsstruktur teilweise heute noch sichtbar ist. Sonderlich viel gelernt haben die Deutschen langfristig allerdings nicht, wie die Geschichte zeigen sollte. Da musste erst die absolute Niederlage des 2. Weltkrieges kommen, um sie friedlicher zu stimmen.
  Ab Seite 970 gibt es dann einen wirklich recht umfangreichen Anhang mit Anmerkungen, Währungsangaben, Kartenverzeichnissen, Literaturverzeichnis, Personenregister usw.
 
  Wilson zeichnet zuallererst ein Vorzug aus, er schreibt in guter angelsächsischer Tradition sehr gut verständlich, nicht mit so vielen Fremdwörtern gespickt, wie etwa Herfried Münkler. Das und der bereits erwähnte Umstand, nicht von Namen erschlagen zu werden, macht das Buch flott lesbar, ohne an Qualität einzubüßen. Sofern man das bei dem Umfang und der wirklich komplexen Materie behaupten kann. Peter H. Wilson liefert damit das bisher empfehlenswerteste Buch zur Thematik für interessierte Laien.
  Wilson behandelt auch Themen relativ ausführlich, die bei anderen Autoren kaum eine Rolle spielen, wie etwa der Konflikt der Habsburger mit dem Osmanischen Reich vor dem dreißigjährigen Krieg und warum sie wegen innerer und äußerer Krisen diese Situation nicht auszunutzen imstande waren. Und natürlich die verschiedenen europäischen Mächte, mit weitgehender Ausnahme Russlands.
  Die Rolle Gustav Adolf wird von Wilson auch kritischer gesehen, als sonst hie und da üblich.
  Auf Illustrationen wurde, außer spärlich eingestreuten Karten und einem Bildteil in der Mitte, fast völlig verzichtet, hier muss man sich, wie bei nicht wenigen, nur kurz erwähnten Persönlichkeiten, gegebenenfalls im Internet bedienen. Aber das wäre wohl über den ohnehin üppigen Umfang des Buches endgültig hinausgegangen.

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