Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Maria Publig
Waldviertelmorde

Gmeiner Verlag
2018
310 Seiten
ISBN-13: 978-3839222737
€ 14,-


Von Alfred Ohswald am 18.03.2018

  Das erste, kurze Kapitel erzählt von einem Mord an einem Rumänen im Waldviertel, ein typischer Einstieg in einen Krimi. Die Mordwaffe war übrigens einmal eine Axt dann wieder ein Holzscheit!?
  Dann dreht sich der Roman um Walli Winzer, Mitbesitzerin einer Werbeagentur, die sich ein Haus im Waldviertel zum Ausspannen gekauft hat und versucht, sich dort einzuleben. Eine Freundin lädt sie zu einer Benefiz-Veranstaltung, einem Dorffest, mit reichlich Tratsch ein. Dabei wird man ein wenig wie in einem Waldviertler „Krieg und Frieden“ von zu vielen Namen verwirrt.
  Es dauert bis Seite 59, bis es auch nur eine weitere Andeutung gibt, die Richtung Probleme im örtlichen Pferdegestüt weist. Bis dahin und auch weiter viel Waldviertler Dorfleben dem Walli Winzer begegnet. Erst auf Seite 103 erfährt man erneut, dass im Pferdestall etwas nicht zu stimmen scheint. Aber noch geht es um Pferde und hat nichts Erkennbares mit dem Mord zu Beginn zu tun. Endlich auf Seite 109, etwa einem Drittel des Buches, wird das Mordopfer aufgefunden!
  Glücklicherweise kommt jetzt nach langen Anlauf ein wenig(!) Schwung in die Sache, denn bald darauf wird auch die Leiche des attraktiven Tierarztes gefunden. Und Walli ist die Hauptverdächtige, was sie zu eigenen Ermittlungen motiviert.
 
  Es gibt also reichlich Privatleben der Heldin und es dauert recht lange, bis sonst eine Handlung zustande kommt, wie sie der Titel erwarten lässt. Oberflächlich gelesen, ist der Roman einigermaßen in Ordnung, aber viele Details sind bei nähere Betrachtung nicht wirklich durchdacht, egal ob bei der Handlung oder beim Schreibstil. Vergleicht man „Waldviertelmorde“ mit den in einer ähnlicher Gegend angesiedelten „Polt“-Krimis von Alfred Komarek , liegen da doch Welten dazwischen. Publigs Stil würde wie ihre Heldin besser in ein urbanes Milieu passen.
  Originell ist dagegen die nicht gerade rundum sympathische Helden, eine genussfreudige, egozentrische, schon etwas in die Jahre gekommene Karrierefrau mit einem ausgeprägten Appetit auf gutaussehende Männer. Typisch ist etwa, dass sie gerne ausgerechnet im Waldviertel den modischen „café latte“ trinkt, als ob ein Milchkaffee mit italienischer Bezeichnung besser schmecken würde. Dafür gibt es ab und an einen Perspektivenwechsel etwa zu den sympathischeren Dorfpolizisten oder Briefträger.
  Die erwähnte Benefiz-Veranstaltung zugunsten eines E-Carsharing-Projekts, wäre eine für die ländliche Gegend wohl wenig sinnvolle Sache. Fährt wer mit dem Leihauto irgendwo hin, ist es für längere Zeit wortwörtlich aus dem Verkehr gezogen. Sollte es wer dazwischen benutzen, steht es für die Rückfahrt der ersten Benutzerin nicht mehr zur Verfügung. Denn eine ganze Flotte an E-Autos dürfte für ein Waldviertler Dorf wohl kaum denkbar sein.
  Ebenso unwahrscheinlich ist ein Gourmet-Lokal, dass von Wanderern und einheimischer Landbevölkerung frequentiert wird. Und dann gibt es noch eine Kellnerin, die an der dunklen Hautfarbe(!) erkennen kann, ob jemand Rumäne ist. Hat die Autorin noch keine Rumänen gesehen, dass sie bei ihnen eine dunkle Hautfarbe vermutet? Bei etwas Nachdenken, hätte sich doch viel naheliegender notfalls ein Erkennen der Sprache angeboten.
  Eine Unart der Autorin ist, dass sie anstatt eines üblichen „sagte“ oder „antwortete“ gerne ausgefallenere, vermeintlich originellere Wörter, wie „smaltalkte“, „motzte“, „polterte“, „schnatterte“ und zahllose weitere benutzt. Was aber leider keineswegs originell sondern bestenfalls künstlich bemüht und recht holprig klingt. Später im Buch wird es aber glücklicherweise ein wenig besser. Und dann noch das leidliche Binnen-“I“, allerdings glücklicherweise nur einmal.Es stellt sich aber dann schon die Frage, warum dieses eine Mal?
  An manchen Stellen vergreift sie sich auch mit den österreichischen Ausdrücken, wenn sie etwa anstatt des in Österreich gebräuchlichen „Most“ das hierzulande bestenfalls für Apfelschaumwein mögliche aber nur selten verwendete „Cidre“ schreibt.
 
  Für einen Krimi schon etwas viel kleine logische Fehler. Noch einigermaßen ausbaufähig.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.