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Robin Jarvis
Dancing Jax
Auftakt

script5
2014
Übersetzt von Nadine Mannchen
544 Seiten
ISBN-13: 978-3839001714
€ 9,95


Von Alfred Ohswald am 02.03.2018

  Drei junge Kleinkriminelle und ihre weibliche Begleiterin brechen in ein verlassenes Herrenhaus in der englischen Hafenstadt Felixstowe ein, um alles Verwertbare auszuräumen und zu versilbern. Doch das Haus weckt bei einigen von ihnen ängstliche Gefühle, nur ihr Anführer Jezza scheint davon gänzlich unbeeindruckt. Schließlich entdeckt Jezza im Keller einige Kisten mit Büchern, genauer gesagt mit zahlreichen Exemplaren des selben Buches. Sie tragen den Titel „Dancing Jax“ und stammen von dem mysteriösen Autor und Okkultisten Austerly Fellows. Sie handeln von einer etwas märchenhaften und zugleich gruseligen Welt, in der das Äquivalent zu Spielkarten eine wichtige Rolle spielt. Fast jeder Leser wird von dem Buch in Bann gezogen und verändert sich dadurch. Am meisten hat sich Jezza verändert, der sich durch ein grausames Ritual in den „Ismus“ verwandelt.
  Ein zur Ablenkung organisierter Flashmob, in dem er an alle Jugendlichen von Felixstowe eine E-Mail der SMS mit 41 Smileys schickt, endet in einer Katastrophe mit 41 Toten…
  Doch das ist erst der Anfang, denn jetzt verteilt der „Ismus“ die ganzen Bücher an Kinder und Jugendliche und die Bevölkerung.
 
  Vorerst eine kleine Erklärung: „Jax“ heißen auf Englisch unter anderem auch die Buben eines Kartenspiels. Es sind also „tanzende Buben“ gemeint, wobei zugegebenermaßen „Dancing Jax“ weit besser klingt. Überhaupt hat sich Übersetzerin Mannchen glücklicherweise bei manchen englischen Ausdrücken zurückgehalten (man denke nur an die oft unsäglichen eingedeutschten Namen in er zweiten Übersetzung von Game oft Thrones).
  Natürlich denkt man bei Figuren, die sich an Spielkarten orientieren und einem britischen Autor zuerst an „Alice im Wunderland“. Auch wenn sich Jarvis nicht allzu streng an das Vorbild der Karten hält, so gibt es neben den keiner Farbe zugeordneten Assen, völlig eigenständige Fantasiefiguren auch Königinnen und (!) Damen der vier Kartenfarben. Der Bösewicht und Autor des Buches erinnert wieder etwas an den berüchtigten Schwarzmagier Aleister Crowley.
  Nicht selten wird „Dancing Jax“ mit Stephen King verglichen und es ist gar kein so völlig unpassender Vergleich, insbesondere mit „Es“ oder noch mehr mit (zusammen mit Peter Straub) „Talismann“. Bei Letzten gibt es auch eine Verknüpfung zwischen zwei Welten, wenn auch auf eine andere Art.
  Bei „Dancing Jax“ geht das Böse von einem Buch aus, was zwar auch nicht unbedingt die originellste Idee ist, hier aber auf ausges prochen geschickte Art umgesetzt wurde. Wie Stephen King nimmt sich Jarvis Zeit, um seine Charaktere einzuführen, was möglicherweise ein Grund für den beachtlichen Umfang schon des ersten Teils dieser Trilogie ist.
  Natürlich – ist man bei dem Genre geneigt zu sagen – geht es um nichts weniger, als die Weltherrschaft des Bösen. Jarvis kann es auch nicht lassen, immer wieder zwischen den Zeilen oder auch offen über die ach so zahlreichen Übel der heutigen Zeit und der heutigen Gesellschaft los zu jammern und andererseits neigt er (eher im 3. Teil) auch etwas zum predigen. Glücklicherweise bleibt das wenigsten meist einigermaßen im Hintergrund.
 
  Im zweiten Teil – passend „Zwischenspiel“ betitelt – ist England mit wenigen Ausnahmen vollkommen in der Hand von „Dancing Jax“ und seinem Autor Austerly Fellows. Diese wenigen Ausnahmen sind immun gegen die Beeinflussung durch das Buch und werden durch die Mehrheit gejagt und in schrecklichen Lagern eingesperrt. Außerdem ist der „Ismus“ dabei, seinen Einfluss über die Grenzen Großbritanniens hinaus auszudehnen.
  Reichlich absurd wird es, wenn im Fernsehen plötzlich „How I Jaxed Youre Mother“ oder „The Big Jax Theorie“ laufen. Aber in erster Linie geht es darum, wie eine Gruppe Jugendlicher und Kinder unter normalen und später unter extremen Umständen zurechtkommt. Charaktere aus dem ersten Teil spielen, mit Ausnahme der Jax-Anhänger und ein wenig auch Martin Baxters, kaum eine Rolle.
  Der zweite Teil ist eindeutig zu brutal für ein Jugendbuch, was „Dancing Jax“ im Grunde ja ist. Selbst manchen Erwachsenen wird das zu viel sein. Die Abschnitte aus dem fiktiven Buch „Dancing Jax“ sind hier leider nicht in Italic, wie im ersten Band. Wie bei so vielen mittleren Teilen einer Trilogie, schwächelt der mittlere teilweise ein wenig im Vergleich zum ersten Band und die Charaktere werden gründlich durch die Mangel gedreht.
  Das der Autor Brite ist, merkt man besonders an einer Stelle, in der Helden (allesamt Briten) aufgezählt werden, und darunter Heinrich VIII. ist. Den würde wohl kaum ein Nicht-Brite als auch nur einigermaßen positive Figur bezeichnen, erst recht nicht als Helden.
 
  Teil Drei hat wie Teil Zwei einen ebenso unprätentiösen und passenden Titel, nämlich „Finale“. Er fängt, wie sein Vorgänger, mit einer kurzen Szene mit Martin Baxter an. Danach folgt Lee, der offensichtlich zusammen mit den anderen „Abtrünnigen“, Baxter und anderen fliehen konnte und sich jetzt in Nordkorea, der letzten Bastion, die Dancing Jax noch widerstanden hat, aufhält. Zugegebenermaßen eine nicht unoriginelle Idee. Allerdings ist es für die Helden fast ein wenig, wie vom Regen in die Traufe.
  Der Ismus plant ein noch übleres Buch mit dem Titel „Fighting Pax“ und Lee geht in Mooncaster seinen Plänen nach, wo allerdings zunehmend Unruhe aufkommt. Das Buch sollte zu Weihnachten bei einem grausamen Finale in der englischen Grafschaft Kent veröffentlicht werden.
  Im Laufe dieses Finale kommt es zu einigen, recht weit hergeholten Szenen und Lees lockere Sprüche nerven zunehmend. Wie gerne bei Horrorromanen bleibt am Ende eine Hintertür für eine Fortsetzung. Es ist allerdings zu hoffen, dass es, obwohl „Dancing Jax“ als wirklich gelungen gelten kann, es keine geben wird. Drei Bände sind genug, andernfalls läuft die Reihe Gefahr, deutlich an Qualität zu verlieren.
 
 
  Anzumerken sind auch die wirklich wunderschön gestalteten, extrem gut passenden Cover und sonstigen Illustrationen der drei Bände. Wer im Zweifel ist, ob er die Bücher und die E-Books kaufen soll, sollte sich allein wegen der Cover für die Bücher entscheiden.

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