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J. J. Preyer
Wiener Blaupausen

Gmeiner Verlag
2018
280 Seiten
ISBN-13: 978-3839222706
€ 12,-


Von Alfred Ohswald am 07.02.2018

  Österreich, November 1967: Eine nationalistische Regierung hat die Macht übernommen und blutet ihre Konkurrenten sukzessive aus, meist finanziell.
  Hans Gottschilch arbeitete als Journalist bei einer konservativen Zeitung, die einer dieser Aktionen zum Opfer fiel und ist deshalb jetzt notgedrungen als Privatdetektiv tätig. In dieser Funktion wird er von einem ehemaligen Direktor der Landwirtschaftsbank auf den Semmering in eine Jagdhütte eingeladen, um brisante Dokumente zu übernehmen und einer deutschen Zeitung zu überbringen. Er findet den Mann erschossen auf, scheinbar Opfer eines Selbstmordes. Doch es gibt Zeichen, die auf einen Mord hindeuten.
  Die Witwe des Opfers beauftragt Gottschilch, der Sache auf den Grund zu gehen, überlegt es sich aber nach einiger Zeit anders. Gottschlichs Misstrauen ist geweckt und er ermittelt auf eigene Faust weiter in dem hochbrisanten Fall. Nicht ganz ohne Gefahren für Leib und Leben, aber den Wurschtl kann schließlich keiner derschlog‘n.
 
  Im anglo-amerikanischen Raum sind Romane mit alternativer Geschichte – wenn schon nicht häufig – so nicht völlig unbekannt. Oft haben die Südstaaten den Bürgerkrieg oder Hitler den 2. Weltkrieg gewonnen. Die bekanntesten Romane aus diesem Genre dürften wohl „The Man in the High Castle“ von Philip K. Dick oder „Vaterland“ von Robert Harris sein und in manchen Punkten erinnert „Wiener Blaupausen“ durchaus an „Vaterland“.
  Auch zur aktuelle Situation passt „Blaupausen“ (man beachte die österreichische politische Farbenlehre) ja durchaus, wenn sich auch die Rollen von den Konservativen im Roman und in Österreich heute ins Gegenteil verkehren, denn im Roman gelangen die „Nationalen“ mit Hilfe des Sozialisten Franz Olah an die Macht. Die historischen Zusammenhänge werden hinten im Buch noch kurz und verständlich erklärt.
  Reizvoll ist auch der Zeitpunkt, in dem der Roman spielt und die damit einhergehenden Besonderheiten. So fährt die Hauptfigur einen erst ein Jahr zuvor der Öffentlichkeit erstmals präsentierten Fiat 124. Eigentlich passte ein so neuer Wagen gar nicht zu seinen Lebensumständen und zu seinem Charakter, ein Fiat 1500 wäre da wohl die bessere Wahl gewesen. Insgesamt betont der Autor die Eigenheiten dieser Zeit eher zurückhaltend, man vergisst beim Lesen dadurch schon einmal gerne darauf.
  Es ist auch beileibe nicht Preyers erster Krimi und das merkt man dem Buch auch im positiven Sinn an. Ein geschickt aufgebauter Spannungsbogen wird auf routinierte Weise abgearbeitet ohne an Zugkraft zu verlieren. Wer sich also nicht am fiktiven, historischen Hintergrund stört, bekommt hier ein solides Stück Politthriller.

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