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Martin Mucha
Funkenfeuer

Gmeiner Verlag
2018
250 Seiten
ISBN-13: 978-3839222133
€ 12,-


Von Alfred Ohswald am 07.02.2018

  Die junge Lehrerin Drimic ist verschwunden und so muss sich Dorfgendarm – oder neuestens Polizist – Hubert sich auf die Suche machen. Sie war erst Eineinhalbjahre im kleinen Vorarlberger Dorf tätig und galt somit praktisch noch als Fremde, anscheinend aber nicht für den Bürgermeister…
  Und dann gibt es noch ein zentrales Grundstück im Ort, dass lukrativ verbaut werden soll, was eine Umweltstudie zu verhindern droht.
 
  Spielten die bisherigen Krimis von Mucha in Wien, so führt er hier einen traditionsbewussten Dorfpolizisten ein. „Funkenfeuer“ ist mit einer kräftigen Portion Humor geschrieben und bedient sich nicht selten des örtlichen Dialekts, im Bedarf aber meist mit Übersetzung. Einige Begriffe sind dem nicht aus Vorarlberg stammenden Leser aber hoffnungslos unbekannt. „Schübling“ musste ich auch googeln.
  Held Hubert und auch einige sonstige Protagonisten werden als ausgesprochen bodenständig beschrieben, oft recht deutlich überzeichnet. Als ob die Bewohner der Vorarlberger Provinz es noch nicht Mal auf die Bäume geschafft hätten, geschweige denn herunter. Obwohl so klein erscheint das Dorf dann doch nicht, obwohl selbst die nächste größere Stadt angeblich noch keine Ampel hat. Das Dorf aber sehr wohl eine Fabrik, mehrere Fußballplätze, also ziemlich sicher mehr als 1000 Einwohner.
  Hubert scheint sich fast ausschließlich von ausgesprochen traditionellen Gerichten zu ernähren, vorzugsweise wenn sie weitgehend aus Fleisch bestehen. Natürlich mit anschließenden Verdauungsschnaps. Ein Polizist, der vorwiegend Kreise, Frösche und Dreiecke in ein vorsintflutliches Notizbuch zeichnet, wenig redet aber gerne Schnäpsle kippt, ist nicht gerade der Prototyp von erfolgreichen Ermittler und fängt sich eher eine Säuferleber denn Verbrecher. Auch sonst wird es mit der Tradition recht weit getrieben, so dass man sich manchmal richtiggehend wundert, dass der Gendarm Hubert nicht auf einer Gämse reitend den Bösewichten im Nacken sitzt.
  Wer also viel Wert auf Realismus legt, sollte wohl besser hiervon die Finger lassen. Er sich allerdings gerne für satirisch überzeichnete Typen inmitten eines Kleinbiotops eines Vorarlberger Provinzdorfes begeistern kann, zugreifen! Diese humorigen Krimis mit starker Betonung lokaler Eigenheiten sind seit Fritz Eckhardts Tatorte und Kottan gute österreichische Tradition. In diese Kategorie mit einer Prse Polt passt auch „Funkenfeuer“.
 
  Ein unwichtiges Detail am Schuss: Es ist ein wenig rätselhaft, warum Mucha immer „parketieren“ anstatt des üblichen „parken“ verwendet? Und ein Fehler beim Drucken ist auch passiert, kommt eine Passage doch gleich auf zwei aufeinanderfolgenden Seiten identisch vor. Was aber auch beileibe kein Beinbruch ist.

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