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Juli Zeh
Leere Herzen

Luchterhand
217
352 Seiten
ISBN-13: 978-3630875231
€ 20,-


Von Alfred Ohswald am 25.12.2017

  „Leere Herzen“ spielt in einem Deutschland, dass ein wenig in der Zukunft liegt, was der Autorin natürlich Gelegenheit zu so manchen gesellschaftskritischen Seitenhieb gibt.
  Die Hauptfigur Britta betreibt neben einer recht konventionellen Familie mit Tochter gemeinsam mit ihrem arabischstämmigen, schwulen Kompagnon Babak eine recht seltsame Agentur. Sie betreuen und therapieren Selbstmordkandidaten, wobei sie allerdings hoffnungslose Fälle an interessierte Terrororganisationen weitervermitteln.
  Natürlich taucht ein Problem auf aber zuerst erscheint es noch recht harmlos.
 
  Wobei der Roman „Leere Herzen“ naheliegenderweise unterschwellig ausgesprochen satirischen Charakter hat, irgendwie musste ich an Jeff Dunhams „Achmed The Dead Terrorist“ (siehe Youtube) denken…
  Manchmal trägt Zeh allerdings etwas dick auf mit den Anspielungen, als Trostpflaster gibt es dann aber auch Sätze wie „Das Schicksal hat ihn beschnuppert und beschlossen, sich nicht für ihn zu interessieren.“
  „Leere Herzen“ reicht vielleicht nicht ganz an das geniale „Unterleuten“ heran, besonders viel fehlt allerdings nicht. Das liegt vielleicht daran, dass hier nicht so viele ungefähr gleichberechtigte Protagonisten vorkommen, bei deren Charakterisierung Zeh eine ihrer Stärken ausspielen kann. Sie kann sich eben herrlich über die Lebensgewohnheiten des modernen Europäers und speziell des Deutschen lustig machen, ohne dabei in banalen Klamauk zu verfallen. Vermutlich, weil ihr manches davon durchaus ein ehrliches Anliegen ist, wie man an ihren Interviews immer wieder verfolgen kann. Etwa ihr „Schnüffler“, das Computerprogramm mit dem bezeichnenden Namen „Lassie“, dass als warnendes Beispiel dafür dienen kann, was derartige Maschinen in privaten (aber auch staatlichen) Händen zu tun in der Lage sind.
  Bei Zeh ist es allerdings umgekehrt, wie bei vielen anderen Autoren. Sie ist in ihren Interviews weitgehend ernsthaft und in ihren Romanen lässt sie ihrer satirischen Neigungen ab und an freien Lauf. Denn wenn eine (so nebenher erwähnte) Innenministerin Wagenknecht keine Ironie ist…
  Was als Mischung aus Thriller und ein wenig Dystopie beginnt, endet – etwas schwächer – als Politthriller.

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