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The Marvel Age of Comics 1961-1978

Taschen
2017
396 Seiten
ISBN-13: 978-3-8365-6777-0
€ 39,99


Von Alfred Ohswald am 27.11.2017

  Vorweg: Wer die Marvel-Helden nur aus den Filmen kennt, wird wohl wenig mit diesem Buch anzufangen wissen, das übrigens für Fans dieser Comics ein perfektes Geschenk wäre.
  Etwas verwirrend könnte sein, dass der Titel manchmal in deutscher Sprache mit „Das Marvel-Zeitalter der Comics 1961-1978“ angegeben ist, tatsächlich trägt das Buch auch in der deutschen Ausgabe den Originaltitel und außerdem gibt es das Buch nicht nur in deutscher und englischer Sprache, sondern auch in französischer, spanischer und italienischer Sprache.
  „The Marvel Age of Comics 1961-1978“ ist aus Material aus „75 Years of Marvel“ zusammengestellt, also mit sehr großen und weitgehend großformatigen Bildmaterial. Meist Titelbilder der verschiedenen Comics-Ausgaben. Eine optisch ausgesprochen einnehmende Cover-Sammlung mit auch einigen, manchmal sehr großformatigen Illustrationen aus den Comics selbst.
  Diese Geschichte der Marvel-Comics, die Heute für zahlreiche Filme Pate stehen und neben DC mit ihren Superman, Batman & Co. eindeutige Marktführer sind, ausgerechnet mit Dr. Droom als Helden. Das ist allerdings nicht der Dr. Doom, der später einer der „Lieblingsgegenspieler“ der Fantastic Four werden solle. Diese wiederum sind die ersten klassischen Helden, mit eigener Heftserie, denen bald „Hulk“, „Spider Man“, „Iron Man“, „Ant Man“ und andere, zeitweilige Mitglieder der „Avengers“ (früher auf deutsch „Die Rächer“) mit ihren jeweiligen Gegenspielern folgen sollten. Es gab schon deutlich frühere Superhelden von Marvel, wie etwa die „Human Torch“ als Solo-Held, „Captain America“, „Namor“ den Submariner oder „Patsy Walker“, aus der später „Jessica Jones“ wurde, die allerdings hier nur nebenbei erwähnt werden. Es geht hier eben nur um die im Titel angegebenen, für Marvel aber ausgesprochen entscheidenden Jahre 1961-1978.
  Das Buch bietet auf den Buchdeckelinnenseiten vorne und hinten eine chronologische Übersicht mit wichtigen, historischen Ereignissen gemischt mit der Chronologie der Marvel-Helden, eine ausgesprochen nützliche Idee. Hinten gibt es auch noch eine Übersicht mit allen Beteiligten bei Marvel,von den Textern über die Zeichner bis zu den Inkern, Redakteuren und sonstigen Mitarbeitern.
  Im Hauptteil des großformatigen (25 x 33 cm) Buches gibt es neben den im Mittelpunkt stehenden Illustrationen, natürlich auch die sonst bei Bildbänden gern geübte Unart den hier dankenswerterweise gar nicht überwiegend platzverschwendend relativ klein gedruckten Text mit der Geschichte und Entwicklung der Marvel-Figuren, ihren Autoren und Zeichnern, wie den nicht zuletzt durch die Fernsehserie „The Big Bang Theory“ weit über die Comics-Szene bekannten Szenarist „Mr. Marvel“ Stan Lee oder der auch nicht unbekannte Zeichner Jack Kirby, zumindest bis er vorübergehend kündigte. Dazwischen gibt es auch immer wieder längere Abschnitte nur mit Illustrationen, die allerdings immer recht informative Infotexte haben.
  Auch interessant zu beobachten ist die langsame aber stetige Entwicklung der Qualität der Zeichnungen und auch der Geschichten, da ja diese Art Comics fast immer ausgesprochene Massenware waren und zum großen Teil heute noch sind. Heutige Meisterwerke wie etwa „Batman: Arkham Asylum“ sind damals völlig undenkbar. Die alten Comic haben neben der für Fans eben interessanten Entstehungsgeschichte in erster Linie den gewissen Retro- und Nostalgie-Charme. Manche werden sich auch beim Anblick der alten Titelbilder an irgend welche früheren deutschen Ausgaben aus dem Condor-, Ehapa-, Bastei- oder sonstigen Verlag aus ihrer Kindheit erinnern.
  Besonders bei Marvel fällt die ausgesprochen verwirrende Vielzahl an Helden auf und bei manchen das Kommen und Gehen und teilweise Wiederkommen im geradezu abenteuerlichen Tempo. Für zusätzliche Irritationen sorgten für Gelegenheitsleser noch reichliche Crossover, manchmal sogar mit Erzkonkurrent DC und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, kamen mit der Zeit auch noch reichlich Parallelwelten mit jeweils eigenen Variationen der Superhelden dazu. Das wurde nach dem hier behandelten Zeitraum allerdings noch schlimmer.
  Der Beginn der Marvel-Helden liegt also einige Jahre nach dem Start des sogenannten „Silver Age“ und bricht hier noch vor dem Ende des „Golden Age“ der Comic ab, das insbesondere mit Alan Moores „Watchmen“ und Frank Millers „The Dark Knight Returns“ sein Ende fand und Comics wieder mehr ein erwachsenes Publikum ansprechen sollten. Ursprünglich schuf Marvel die mehrschichtigen Helden, wie etwa Spiderman, der insbesondere 1973 mit „The Night Gwen Stacy Died“ eine neue Dramatik in das Superhelden-Comics-Format wagte.
  Wer also lesen will, dass etwa „Hulk“ oder „Iron Man“ anfangs in grauer Farbe zu bewundern waren und andere, amüsante und natürlich für den Fan auch informative Details und dem die 150 Euro für „„75 Years of Marvel“ doch etwas zu heftig sind, kann hier ohne Bedenken zugreifen.

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