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Wilfried Lupano / Paul Cauuet
Die übrig blieben
Die alten Knacker 1
(Les Vieux fourneaux: Ceux qui restent)

Splitter
2015
Übersetzt von Tanja Krämling
56 Seiten
ISBN-13: 978-3-95839-147-5
€ 14,80


Von Alfred Ohswald am 24.11.2017

  Drei schon sehr in die Jahre gekommene „alte Knacker“ treffen sich auf einem Begräbnis, die Frau von einem der Drei ist gestorben. Er erfährt durch einem Brief aus dem Nachlass, dass sie ihn ausgerechnet mit seinem Chef betrogen hat und macht sich auf den Weg, sich an ihm zu rächen. Seine beiden Freunde setzen sich mit seiner schwangeren Enkelin in ihrem roten Bus auf seine Fährte…
 
  Eine eigentlich recht einfache Geschichte, viel wird mittels Dialogen und den genialen Zeichnungen mit Gesichtsausdrücken erzählt. Der Zeichenstil erinnert extrem stark an die besten Asterix, nur etwas detaillierter. Die Konturen mit dem Pinsel in unterschiedlichen Stichstärken, mindestens so gekonnt, wie es eben die Klassiker wie Goscinni oder Franquin beherrschten. Auf der Homepage des Splitter-Verlages kann man ein paar Beispiele betrachten aber ihre ganze Genialität entfalten sie erst im Rahmen der Geschichte, die herrlich zwischen völlig unsentimentalen Witz und zutiefst sentimentalen Momenten zu pendeln versteht. Eine Gratwanderung, die sonst meist nur die Amerikaner in ihren besten Filmen und Serien beherrschen. Im Übrigen ist auch die Colorierung ein Meisterwerk, so erkennt man anhand der Farbtöne immer unschwer, ob sich die Handlung etwa gerade im freien oder ein einem Innenraum abspielt.
  Selbst die meisten Romane schaffen es kaum, Protagonisten mit so viel Charakter zu beschreiben, wie sie hier ganz selbstverständlich durch die Paneels laufen. Allerdings fürchte ich, dass jüngere Leser wenig damit anzufangen wissen werden. Wer etwa hauptsächlich Superheldencomics liest, liegt hier denkbar falsch!
 
  Im zweiten Teil „Bonny and Pierot“ bekommt Pierre einen Haufen Geld für „die Sache“ in einem Paket zugeschickt. Der Leser erfährt schnell, dass es die „Beute“ seiner Enkelin aus dem ersten Teil ist, Pierre allerdings nicht und vermutet eine andere Spenderin. Und es stiftet nicht wenig Unheil. Hier lernt man dann auch eine ganze Gruppe alter Revoluzzer oder besser gesagt Anarchisten kennen. Dieses Revoluzzertum und die Demonstrierfreude (ein Demonstrant sieht übrigens Joschka Fischer verdammt ähnlich) ist – selbst als Phantasiegebilde - auch ausgesprochen französisch, im deutschsprachigen Raum wäre das in dieser Form kaum denkbar. Besonders wenn ein Bankraub als eigentlich lustige Sache dargestellt wird. Jede Menge Kritik am Kapitalismus also. Als Leser schadet also eine ausgesprochen linke Einstellung nicht oder zumindest eine große Toleranz in diese Richtung.
 
  „Der, der geht“, der dritte Teil hat eine etwas komplexere Handlung. Da geht’s um einen Piratenschatz, um eine alte Geschichte aus dem 2. Weltkrieg und ein wenig um Bienen. Und dann taucht noch ein alter Freund eines der drei alten Knacker auf, ein ebenso alter Knacker aber mit reichlich Blessuren.
 
  Und mit „Die Zauberin“ gibt’s bereits den vierten Band von „Asterix die Marxisten im Seniorenheim und die Marionettenspielern“. Diese Mal bekommen es unsere drei alten Knacker und ihre junge Freundin/Enkelin mit Umweltschützern und einigen sonstigen Unbilden der modernen Zeiten zu tun.
 
  Und es deutet alles auf weitere Folgen hin…

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