Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Dietmar Dath
Superhelden

Reclam
2016
100 Seiten
ISBN-13: 978-3150204207
€ 10,-


Von Alemanno Partenopeo am 28.10.2016

  „It’s theatre, it’s an interpretation of life, it can be truer than life itself“, meint Kirsten Stewart in Olivier Assayas „Clouds of Sils Maria“ über Comics oder „Graphic Novels“, wie einer der Erfinder der 8. Kunst, Will Eisner, die Sprechblasenbilder nannte. Das Super
 heldengenre, das für Dietmar Dath eigentlich vor allem ein „mythopoetisches Vergrößerungsglas des Individualismus“ ist, kann durchaus als Vorgeschichte zum modernen Popstarwesen genannt werden, denn das Golden und das Silver Age reichen weit vor die Popkultur zurück. Den Individualitätssehnsüchten der Fans kommt die Einzigartikeit des Helden dabei viel wichtiger vor, als die Erfüllung normativer ästhetisch-technischer Standards, wie Darth betont, und deswegen können Superheldinnen durchaus im normalen Leben auch Mauerblümchen sein oder in einem Rollstuhl sitzen, wie etwa Professor X, Mentor der Mutanten des Marvel Universe.
 
 INTERSEKTIONALITÄT ALS ÜBERLEBENSFORM
  „Die Behinderung wird von Anfang an als Kontrastfolie zu einer ungeheuren geistigen Überlegenheit verwendet, mit der dieser Telepath, Telekinet und große Gelehrte seine kleine Schar Hochbegabter zusammenhält.“, schreibt Dath, aber es ist dabei wesentlich unwichtiger, begabt zu sein, als vielmehr anders zu sein. Und geht es uns nicht allen so, dass wir glauben uns von der grauen Massen abzuheben, während der Rest der Menschheit einfach nur stinknormal ist? Sind wir am Ende nicht alle X-Men? Auch wenn nicht jeder von uns über einen Jimmy Olsen oder Rick Jones verfügt, die bei Superman und Hulk dafür sorgen, dass die Identifikationsfigur auch wirklich unverwechselbar bleibt, so gibt es ganz sicher in jedes Leben von uns einen Widersacher und Erzfeind, den es zu besiegen gilt oder an dessen Widerborstigkeit sich unsere Kräfte messen und unsere Messer, Zähne und Klauen schärfen lassen.
 
 (NOT) ONLY (SUPER)MEN
  Natürlich gibt es längst auch Superheldinnen und in „Amazon Attacks“ einer Episode aus dem Leben der Amazone Wonder Woman rasen ihre Artgenossinnen über die griechisch-klassizistischen Behausungen der regierenden weißen Männer in Washington hinweg und machen u.a. auch die Lincoln-Statue einen Kopf kürzer. Auf die Frage einer Amazonin an Wonder Woman, wer denn dieser Mann gewesen sei, antwortet diese: „A man. Just another Man. This city is full oft hem. Not for much longer.“ Der emanzipatorische Gehalt der Comics bleibt aber keinesfalls auf X-Men oder Wonder Woman beschränkt, denn dies sind nur zwei Beispiele einer Reihe von Ausnahmen, die die Regel bestätigen: Superheld(inn)en ermöglichen es auch den schwachen zu träumen und erzählen davon, dass auch eine andere, eine parallele Welt möglich wäre, wenn... Was anderes sind Comics also also die frühe Einlösung des popkulturellen Versprechens, dass wir alle wer anderer sein könn(t)en, wenn wir nur daran glauben?
 
  Ein munter drauflosgeschriebenes Essay, das nicht darauf vergisst, Comics auch mit den Epigonen in der hohen Literatur zu adeln oder Iron Mans Rüstung als Wilhelm Reichs Muskel-Dauerverspannung des autoritären Körperpanzers zu identifizieren. Wie sagt es der Milliardär, Playboy und Ingenieur Tony Stark selbst im dritten Teil des Kinofilms: „My armor was never a distraction or a hobby, it was a cocoon, and now I’m a changed man. You can take away my house, all my tricks and toys, but one thing you can’t take away. I am Iron Man.“

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.