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James Lee Burke
Neonregen
Ein Dave-Robicheaux-Krimi
(The Neon Rain, 1987)

Pendragon
2016
Übersetzt von Hans H. Harbort
420 Seiten
ISBN-13: 978-3865325488
€ 17,-


Von Alfred Ohswald am 12.10.2016

  Die Leiche einer jungen, farbigen und drogensüchtigen Prostituierten wird aus einem Sumpf in Louisiana gezogen. Ihr Tod wird als selbstverschuldete Überdosis eingestuft, doch Dave Robicheaux von der Polizei in New Orleans glaubt nicht recht daran. Bei seinen Ermittlungen stößt er neben massiven Widerständen auch auf einen brandgefährlichen Gangsterboss aus Nicaragua.
  Und dieser Nicaraguaner hat Verbindungen zu den dortigen Contras, die von den USA heimlich unterstützt werden, um die Regierung der linksgerichteten Sandinisten zu stürzten. Dadurch kommt Robicheaux wiederum hochgestellten Regierungsbehörden und Militärs in die Quere.
 
  Burkes erster Thriller um seinen Helden Robicheaux ist recht typisch für einen amerikanischen Autoren. Ein Held mir einigen, persönlichen Problemen und recht rauen Umgangsformen, der sich im Zweifelsfall eher wenig um Gesetze kümmert. Diese rauen Umgangsformen wirken insbesondere im ersten Teil des Romans ziemlich übertrieben. Sollte das realistisch erscheinen, dann haben die Amerikaner ihre starke Religiosität tatsächlich bitter nötig. Natürlich sind da noch die abgründig bösen und grausamen Kriminellen, die ja die nicht immer ganz stubenreinen Handlungen des Helden rechtfertigen müssen.
  Glücklicherweise wird diese pöbelhafte Sprache auf den hinteren Seiten zunehmend weniger und die Charaktere unterhalten sich meist wie halbwegs normale Menschen.
  Natürlich ist auch eine Beziehung in die Handlung eingebaut, die aber rein schmückendes Beiwerk ist und für deren Fortgang eigentlich unnötig wäre.
  Wenn man berücksichtigt, dass Burke seit den 60ern fast jedes Jahr einen Roman geschrieben hat, ist die Qualität wirklich bemerkenswert gut gelungen. Sicher keine literarischen Meisterwerke aber absolute Spitze im Unterhaltungsbereich. Genial sind allerdings seine Beschreibungen der Gegenden in Louisiana gelungen. Man scheint geradezu die schwüle, feuchte Hitze auf der Haut zu spüren. Ein wenig kommen den Lesern dabei vielleicht einige Szenen aus dem Film „Angel Heart“ von Alan Parker und mit Mickey Rourke in der Hauptrolle in den Sinn.

Von Hans Durrer am 05.01.2017

  „Neonregen“ ist der erste Band der Dave-Robicheaux-Reihe. Es handelt sich um eine überarbeitete Neuausgabe des 1991 bei Ullstein auf Deutsch erschienenen und lange Zeit vergriffenen Titels, mit einem Vorwort des Autors sowie einem Nachwort von Alf Mayer.
 
  Aus dem Vorwort erfahren wir, wie es überhaupt zur Dave-Robicheaux-Reihe gekommen ist. Mitten in James Lee Burkes Karriere gab es dreizehn Jahre, in denen die Verlage kein Interesse an seinen Texten zeigten, obwohl seine ersten drei Romane in New Yorker Verlagen erschienen waren und bereits der erste gute Kritiken erhalten hatte. „Innerhalb von neun Jahren wurde mein vierter Roman – sein Titel war 'The Lost Get-Back Boogie' – von insgesamt 111 Verlagen abgelehnt.“ (Er wurde dann Jahre später veröffentlicht und für den Pulitzer-Preis nominiert – auch in Verlagen gibt es ignorante Langweiler).
 
  Und so schuf er Dave Robicheaux. Und so recht eigentlich, denkt man sich so als Leser, ist es ja manchmal eine wirklich gute Sache, wenn einem die Dinge nicht so gelingen wie erhofft, denn mit Robicheaux vom New Orleans Police Department hat Burke einen Cop geschaffen, denn man nicht missen möchte. Und nicht etwa alleine deswegen, weil Robicheaux ein anständiger, selbstherrlicher und sehr menschlicher Cop ist (davon gibt es einige) oder weil einem in diesen Krimis der amerikanische Süden näher gebracht wird, sondern der grösseren Geschichte wegen, nämlich „Daves Abstieg in den alkoholischen Abgrund und sein allmählicher Ausstieg aus seiner sein Leben bestimmenden Sucht“, die in diesem und den beiden Folgebänden erzählt wird.
 
  Worum geht's? Robicheaux fischt eine junge schwarze Prostituierte aus dem Bayou, glaubt den Erklärungen (Selbstmord) des örtlichen Sheriffs nicht und ermittelt auf eigene Faust (zusammen mit seinem Freund Clete Purcel) weiter. Dabei stösst er auf erhebliche Widerstände, nicht zuletzt der Bundesbehörden. „Unsere Bundesbehörden sind da unten in 'ne Menge dunkler Sachen verwickelt, mein Bester, aber nicht jeder, der für die US-Regierung arbeitet, gehört auch zu ein und demselben Team.“ Es ist eine Geschichte um Waffenschmuggel, in der brutale Psychopathen weit mehr Einfluss haben als uns allen lieb sein kann. „Neonregen“ kreist wesentlich um die Frage, wie man in dieser verkommenen und gewalttätigen Welt, das Richtige erkennen und tun kann.
 
  James Lee Burke erzählt spannend, doch das ist nicht der Grund, weshalb ich ihn schätze, sondern weil er ein Menschenkenner ist und viele schlaue Sachen von sich gibt. Das hat wesentlich damit zu tun, dass Alkoholiker, wenn sie trocken bleiben wollen, sich an der Realität orientieren müssen und sich nicht erlauben können, den ganzen Unsinn zu glauben, den Normalsterbliche für die Wahrheit halten. Wie etwa die Überzeugung, dass Robicheaux gesoffen habe, weil er durch die Gewalt in Vietnam traumatisiert worden sei, wie ein wohlmeinender Kritiker einmal geschrieben hat. Alkoholiker brauchen keinen Grund um zu saufen, Alkoholiker saufen, weil sie Alkoholiker sind.
 
  „Die finsteren Gedanken, denen ich nachhing, beunruhigten mich. Meine Erfahrung als langjähriger Alkoholiker hatte mich gelehrt, meinem Unterbewusstsein nicht zu trauen, da es mich auf raffinierte Weise immer wieder in Situationen gebracht hatte, die für mich, für die Menschen um mich oder für alle Betroffenen oft genug katastrophale Folgen gehabt hatten.“
 
  „Neonregen“ zeichnet sich nicht zuletzt durch gelungene Naturschilderungen aus. Im Übrigen schlafen und essen die Protagonisten regelmässig (das ist eher selten in Krimis) und erholen sich immer erstaunlich schnell von ihren schweren Verletzungen (das ist ziemlich gängig in Krimis).
 Fazit: Höchst empfehlenswert!

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