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Robert Musil
Über die Dummheit

edition taberna kritika
2016
48 Seiten
ISBN-13: 978-3905846416
€ 9,-


Von Hans Durrer am 16.09.2016

  Den Vortrag „Über die Dummheit“ hielt Robert Musil zum ersten Mal am 11. März 1937 in Wien. Eingeladen dazu hatte der österreichische Werkbund. Der Text liegt jetzt in einer kolorierten Fassung vor, das heisst, dass er in verschiedenen, sich abwechselnden Farben gedruckt worden ist. Leserfreundlich finde ich das nicht, mich hat es eher irritiert. Hingegen haben mich Format und Satzspiegel angesprochen.
 
  Nicht viele befassen sich mit der Dummheit, die Weisen ziehen es offenbar vor, über die Weisheit zu schreiben. Das liegt natürlich auch daran, dass wer sich zur Dummheit äussert, implizit voraussetzt, dass er (oder sie) selber nicht dumm ist „und also zur Schau trägt, dass er sich für klug halte, obwohl es allgemein für ein Zeichen von Dummheit gilt, das zu tun!“
 
  Musil lässt sich bei seinen anregenden Ausführungen nicht von einer Theorie leiten, auch geht er sein Thema nicht mit einer wissenschaftlichen Methode an, vielmehr lässt er sich vom Gebrauch des Wortes in der Sprache leiten.
 
  Bei der Dummheit, so Musil, handle es sich nicht einfach um einen Mangel an Verstand. Vielmehr bezeichne sie ein Versagen schlechthin, sei dies körperlicher oder geistiger Art. „Wenn ein Wettkämpfer im entscheidenden Augenblick nachlässt oder einen Fehler begeht, sagt er nachher: 'Ich bin wie vernagelt gewesen!' oder 'Ich weiss nicht, wo ich meinen Kopf gehabt hab'!', obgleich der Anteil des Kopfes am Schwimmen oder Boxen immerhin als unscharf begrenzt gelten darf.“
 
  Als klug gilt gemeinhin jemand, der sich durch Tüchtigkeit auszeichnet, dumm wäre demnach einer, der untüchtig ist. Und wenn man noch einen Schritt weiter geht, stellt man fest, dass wir so recht eigentlich alles als dumm bezeichnen, was uns nicht recht ist.
 
  Natürlich sind wir gelegentlich alle dumm. Und das muss auch so sein, sonst stünde die Welt still. Wer diesbezüglich Genaueres wissen will, sollte diesen lehrreichen Vortrag lesen.
 
  „Über die Dummheit“ ist ein gescheiter und höchst amüsanter Text, der Aufmerksamkeit verlangt und diese lohnt.

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