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Juli Zeh
Unterleuten

Luchterhand
2016
640 Seiten
ISBN-13: 978-3630874876
€ 24,99


Von Alfred Ohswald am 06.07.2016

  Das kleine Dorf Unterleuten liegt nicht allzu weit von Berlin entfernt in Brandenburg. Viele Bewohner leben mehr oder weniger von einer ehemaligen Kolchose, was deren Eigentümer Gombrowski zum heimlichen Dorfkaiser macht. Auch der Bürgermeister richtet sich nach seinen Wünschen, nicht zuletzt, weil sie praktisch immer dem Dorf dienen.
  Gombrowskis Gegenspieler ist der Querulant Kron, der mit seiner Trauer um die DDR überall üble Kapitalisten vermutet. Auch dessen Tochter, eine Pathologin, lebt mit einem gescheiterten Schriftsteller und einer verzogenen Tochter noch in Unterleuten.
  Schaller, ein Handlanger Gombrowskis, haust in seiner kleinen Autowerkstatt gegenüber dem Vogelschützer Fleiß, seiner Frau und kleinen Tochter. Mit stinkenden, brennenden Reifen vermiest er ihnen das Landleben.
  Linda will sich eine Pferdezucht aufbauen und folgt für diesen Vorhaben einem Ratgeber, gegen den Machiavelli ein Chorknabe ist. Ihr Partner Frederik ist von ihren Intrigen wenig begeistert, hält sich aber mit Kritik zurück.
  In diese Szenerie taucht eine Firma auf, die in der Nähe des Dorfes Windräder errichten will und den Besitzern der nötigen Grundstücke lukrative Einnahmen in Aussicht stellt. Allerdings besitzt niemand ein Grundstück der nötigen Größe.
 
  Das sind die wichtigsten Protagonisten aus Unterleuten, die sich hier das Leben mehr oder weniger schwer machen. Zu erwähnen wäre noch ein Investor namens Meiler von auswärts, der ein Grundstück besitzt, das zum Bau der Windräder unbedingt nötig ist.
  Juli Zeh erzählt diesen Gesellschaftsroman in Kapiteln aus der Sicht jeweils einer dieser Protagonisten. Dabei gelingt ihr das Kunststück, diese Sicht jeweils für den Leser nachvollziehbar zu erzählen. Was aber nicht immer unbedingt bedeuten muss, dass man deren Meinung teilt. Im Gegenteil, die meisten Charaktere haben auch weniger sympathische Züge.
  Was aber immer zutrifft ist, dass diese Charaktere die Leser unweigerlich in ihrem persönlichen Kosmos hineinziehen. Trotz des nicht unbeträchtlichen Umfangs des Romans, liest er sich ausgesprochen zügig. Er ist im positiven Sinn das, was sich in englischer Sprache ein „Page-turner“ nennt.
  Ein Gag der Autorin ist der von ihr unter dem Pseudonym Manfred Gortz tatsächlich geschriebene, satirisch gemeinte Ratgeber „Dein Erfolg“, den die Pferdenärrin Linda so begeistert befolgt, auch wirklich bei Goldmann erhältlich ist.

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