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Dan Simmons
Lovedeath
Liebe und Tod
(Lovedeath, 1993)

Blitz-Verlag
2000
Übersetzt von Joachim Körber
347 Seiten


Von Alfred Ohswald am 25.06.2000

  "Lovedeath" beinhaltet 5 Erzählungen Dan Simmons um das Thema Liebe und Tod.
 
  "Das Bett der Entropie um Mitternacht" handelt von den Ängsten um den Verlust eines Menschen der schon einmal jemand verloren hat. Die Hauptfigur arbeitet bei einer Versicherung und ist sich deshalb besonders der ständigen Gefahr eines Unfalls bewußt. In die Geschichte eingefügt sind reale, besonders absurde Unfälle aus Versicherunsakten. Die Handlung wirkt aber oft zu zerstreut und darum ist es die schwächste Erzählung in dem Buch.
 
  Die zweite Novelle, "Tod in Bangkok", dreht sich um eine asiatische Abart eines weiblichen Vampirs, dem ein junger amerikanischer Soldat auf Fronturlaub während des Vietnamkrieges begegnet. Sie tötet seinen besten Kameraden und Jahre später nimmt er ungewöhnliche Rache.
  Von der Handlung her ist es eher eine typische Horrorkurzgeschichte mit einer für diese Literaturgattung typischen Schlußpointe. Die ausführliche und hervorragende Beschreibung der Halbwelt Bangkoks sorgen aber für den größeren Umfang. Und es ist um keine Zeile zuviel.
 
  In "Sex mit Zahnfrauen" erzählt ein alter Medizinmann der Sioux eine Legende seines Volkes. Der Anlaß ist sein Ärger über den Film "Der mit dem Wolf tanzt", den auch der Autor Simmons offensichtlich nicht besonders mag. Ein Junger Sioux soll sich vor seiner geplanten Heirat für eine Aufgabe entscheiden. Zweifelnd erzählt er dem Medizinmann des Stammes von einem Traum. Er könnte ebenfalls zu einem heiligen Mann werden, muß aber vorher eine Vision bekommen. Dafür ist eine Zeremonie nötig, und er bekommt während dieser tatsächlich eine eigenartige und rätselhafte Vision. Der alte Medizinmann holt sich den Rat anderer heiliger Männer und diese interpretieren die Vision als bevorstehenden Niedergang ihres Volkes durch die Weißen. Der Junge muß auf Wanderschaft gehen um einem bestimmten Ereignis zu begegnen. Nur die richtige Entscheidung in diesem Fall kann sein Volk in weiter Zukunft eine Überlebenschance geben.
  Auch bei dieser Novelle ist Simmons wieder die Verbindung einer gelungenen und ungewöhnlichen Handlung mit einer für den Hintergrund passenden Atmosphäre gelungen. Und sie beschreibt die Lebenseinstellung der Indianer sicher realistischer als das erwähnte "Der mit dem Wolf tanzt".
 
  "Flashback" ist eine Droge, die dem Konsumenten das Wiedererleben eines vergangenen Ereignisses aus seinem eigenen Leben ermöglicht. In dem nicht in allzuweiter Zukunft liegenden, herabgewirtschafteten Amerika in der gleichnamigen Erzählung ist die ganze Bevölkerung mehr oder weniger von dieser erlaubten Droge abhängig. Dieses Amerika hat zwar den kalten Krieg gegen Rußland gewonnen, aber dafür mit einem enormen, wirtschaftlichen Rückstand gegenüber Europa und Japan bezahlen müssen.
  Eine dunkle Zukunftsvision in einer rundum gelungenen Science Fiction-Erzählung. Simmons zeigt wieder überzeugend sein schon oft bewiesenes, genreübergreifendes Talent.
 
  "Der große Liebhaber" handelt von den Erlebnissen eines britischen Dichters während der Schlacht an der Somme im 1. Weltkrieg. Die in der Erzählung eingeflochtenen Gedichte stammen aber von verschiedenen Dichtern dieser Zeit und sind hier dem in der Realität schon 1915, also deutlich vor der beschriebenen Schlacht, gestorbenen Brooke zugeschrieben. Den Großteil der Erzählung macht die Schilderung der unvorstellbar unmenschlichen Zustände bei dieser berüchtigten Schlacht aus, bei der allein in den fünf Monaten des Jahres 1916 über 1.200.000 Menschen starben. Der Dichter Brooke hat eine seltsame Begegnung mit einer schönen Dame, während er verwundet in einem Granattrichter liegt. Und er sollte dieser Frau noch öfter begegnen.
  Es kann kaum überzeugendere Argumente gegen den Krieg geben, als solche Darstellungen des absoluten Horrors. Simmons hat offensichtlich reichlich recherchiert, sich aber bei der Erzählung die ihm nötig erscheinenden Freiheiten genommen. Und damit hat er eine Wirkung auf den Leser mit einer unheimlichen Eindringlichkeit erreicht.

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