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Karla Schefter
Ich gebe die Menschen nicht auf
Afghanistan, ein Land ohne Hoffnung?

Rowohlt
2011
256 Seiten
ISBN-13: 978-3498064198
€ 19,95


Von Alfred Ohswald am 27.03.2013

  Die ehemalige OP-Krankenschwester Klara Schefter ging 1989 kurz nach dem Abzug der Sowjets nach Afghanistan und baute dort in der Provinz Wardak ein Krankenhaus auf. Heute existiert es nur mehr mit Hilfe privater Spenden, weil Deutschland nur mehr Hilfsprojekte unterstützt, die in ihrer militärischen Schutzzone liegen.
  Schefter berichtet hauptsächlich über die Zeit nach dem Einmarsch der Alliierten und ihren unaufhörlichen Bemühen, sich aus jeder Politik rauszuhalten, um nicht unweigerlich zwischen die Fronten zu geraten. Ihre Beschreibungen betrachten die Situation aus einem sehr kritischen Blickwinkel. Sie ist so ehrlich, dass sie dabei schon fast Stimmung gegen Spenden für Afghanistan macht, was ganz sicher nicht in der Absicht dieses Buches liegt.
  Besonders kritisch beschreibt sie das Wirken der USA und sieht als einen der größten Fehler, das Aufenthaltsverbot für Araber nach der Besetzung. Die Araber hatten die einzige, gut funktionierende medizinische Versorgung im Land aufgebaut und die brach nach ihrem Verschwinden völlig zusammen.
  Auch das Verhalten vieler Hilfsorganisationen sieht Schefter recht kritisch, weil sie mit ihrem Geld die Preise und Löhne verderben. So werden in Kabul teilweise abenteuerlich hohe Mieten und Löhne bezahlt und Frauen bekommen Geld, wenn sie an bestimmten Fortbildungskursen teilnehmen. Damit ist nicht nur dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet, sondern auch niemand mehr bereit in den gefährlicheren Provinzen zu arbeiten. Und Schefter hält es auch für nicht unbedingt sinnvoll, in einem Land, in dem ausschließlich Männer das Sagen haben, fast nur die Ausbildung von Frauen zu fördern.
 
  Manches Mal merkt man, dass die Autorin keine professionelle Schriftstellerin ist und da hätte das Lektorat ihr durchaus etwas zur Hand gehen können. Aber es ist nirgends wirklich missraten also kein Beinbruch. Dafür tauscht man eine Menge Authentizität. Das Buch ist für jeden, der sich für die Situation in Afghanistan interessiert, praktisch Pflichtlektüre.

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