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Eva Maria Bachinger / Martin Schenk
Die Integrationslüge
Antworten in einer hysterisch geführten Auseinandersetzung

Deuticke
2012
206 Seiten
ISBN-13: 978-3-552-06185-9
€ 17,90


Von Sabine Breit am 09.06.2012

  Frau Sahebzada hat nach einem Rechtswissenschaften- u. Politikstudium in Kabul als Richterin am obersten Gerichtshof gearbeitet. Bis die Taliban in Afghanistan an die Macht kamen. Ab da wurde den Frauen verboten zu arbeiten, sie mussten, sobald sie auf die Straße gingen, Burka tragen, und auch sonst hat sie ziemlich viel für die Bevölkerung zum Schlechteren gewandelt.
  Für Familie Sahebzada war schnell klar, unter diesen Umständen wollen und können sie dort nicht mehr leben. Sie flüchten. Zuerst der Ehemann und Vater einer damals dreijährigen Tochter. Nach dem er in Österreich nach vielen Monaten des Alleinseins und Bangens einen positiven Asylbescheid in Händen hält, holt er seine Frau und seine Tochter zu sich nach Österreich. Die Familie gewöhnt sich in Wien ein, so gut es ihnen möglich ist, sie „passen sich an“, versuchen sich zu „integrieren“. Nur eine Arbeit zu finden gestaltet sich als äußerst schwierig bis unmöglich. Die Jobs, die ihnen angeboten werden, sind weit unter den Qualifikationen der Sahebzadas. Trotzdem, da sie von irgendwas leben und Miete zahlen müssen, nehmen sie diverse Hilfsarbeiten an. Frau Sahebzada sucht beim AMS, nachdem sie einen dreimonatigen Deutschkurs bereits absolviert hat, um einen neuerlichen Kurs an, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Dieses Ansuchen wurde abgeschmettert mit der lapidaren Antwort, den habe sie nicht notwendig, für eine Arbeit als Reinigungskraft reichten ihre Deutschkenntnisse völlig aus ….
 
  Diese ist nur eine von vielen wahren Geschichten und Fallbeispielen, mit denen sich Martin Schenk und Eva Maria Bachinger in ihrem Buch „Die Integrationslüge“ auseinandersetzen.
 Die beiden Autoren stellen auch die Fragen, wen wir wohin integrieren wollen, wie das gehen soll und vor allem warum? Heißt Integration, alle Menschen sollen die gleiche Sprache sprechen, die gleiche Kultur leben, an den gleichen Gott glauben, ihre Kinder gleich erziehen? Martin Schenk schreibt hier vom „pluralen Monokulturalismus“, wie der Nobelpreisträger und Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen diesen Zwang zur Eintopf-Identität bezeichnet. Oder kann Integration auch heißen, einfach ein tolerantes, aber von umfassender Diversität geprägtes, offenherziges Miteinander zu leben?
  Leider ist dieses Miteinander alles andere als einfach, wie vorliegendes Buch aufzeigt. Martin Schenk und Eva Maria Bachinger greifen viele Aspekte auf, können mit diesem Buch aber auch nur unzureichende Antworten geben auf die oben aufgeworfenen Fragen. Aber für mehr Verständnis und andere Sichtweisen konnten sie damit sorgen.
  Die für mich am Ende des Buches auf jeden Fall offen gebliebene Frage ist jene, wie viel Zeit (Generationen?) und Bücher dieser Art noch notwendig sein werden, um die Problematik der „Integration“ in, für offenherzige und neugierige Menschen annehmbare Bahnen zu lenken. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die beiden Autoren und Bitte, noch möglichst viele solcher Bücher zu veröffentlichen.

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