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John Burdett
Der buddhistische Mönch

Piper
2010
Übersetzt von Sonja Hauser
398 Seiten
ISBN-13: 978-3492257565
€ 8,95


Von Hans Durrer am 01.02.2011

  "Der buddhistische Mönch" ist der dritte Thriller von John Burdett mit Sonchai Jitpleecheep, der als Polizist im berüchtigten achten Bezirk von Bangkok arbeitet. Diesmal geht es um ein Snuff-Video, das zeigt, wie Sonchais ehemalige Geliebte, die Prostituierte Damrong, getötet wird. Wie Sonchai Damrongs Mörder jagt, davon handelt dieser Krimi.
 
  Was die Romane von John Burdett nicht nur lesenswert, sondern aussergewöhnlich macht, ist jedoch weniger die spannende Handlung als die Einsichten in den thailändischen Way of Life, zu dem ganz wesentlich der Humor gehört.
 
  "Sie steht auf. 'Ich brauch frische Luft.'
  In Bangkok?, denke ich ..."
 
  "Meine Gedanken wandern zu Damrong, und wie zufällig (nein, natürlich ist das kein Zufall, sondern kosmische Intervention) klingelt mein Handy."
 
  "Er starrt mich stumm an. 'Nun, offenbar entsprechen meine Vernehmungsmethoden nicht dem westlichen Standard, Mr. Baker. Das tut mir leid. Sie wissen ja, wie wir Thai-Cops sind: Wir haben praktisch keine Ausbildung genossen und können uns nur auf unsere grobe Dritte-Welt-Intuition beziehungsweise das verlassen, was wir mit Hilfe unserer volkstümlichen Mittel über das menschliche Wesen erahnen."
 
  Kommt ein Westler nach Thailand, ist ein Zusammenprall der Kulturen, wie das einige Akademiker nennen, unvermeidbar. Bei Burdett klingt das so:
 
  "'Sie klingen ziemlich verbittert, Mr. Baker', sage ich mit einem mitfühlenden Lächeln, dem er keine Bedeutung schenkt.
  'Liegt wahrscheinlich an diesem Land. Kennen Sie Farangs, die nach einer ähnlichen Erfahrung nicht verbittert sind?'
  Ich zucke mit den Achseln. 'Der Zusammenprall der Kulturen fordert Opfer.'
  Er sieht mich verständnislos an. 'Der Zusammenprall der Kulturen? Sie meinen die Konfrontation eines Mannes aus dem Westen mit seinem jämmerlichen Bedürfnis, in einen sicheren Bauch zurückzukriechen, mit einer Thai-Nutte, die nur nach einer ergiebigen Goldader sucht? Vor Anthropologiestudenten könnte man das durchaus `Zusammenprall der Kulturen` nennen, ja.' Er schüttelt den Kopf. 'Ich sag eher `kompletter Ruin`dazu. Meiner. Durch sie. Punkt' (...) 'Als ich mit der Heulerei fertig war, hat sie mir von ihrer Kindheit erzählt, und zwar auf eine Art und Weise, wie Thais normalerweise nur untereinander reden. Irgendwann hab ich angefangen, die Welt mit ihren Augen zu sehen, und begriffen, wie es sein muss, aufzuwachsen wie sie. Im Westen sind unsere Probleme heutzutage alle gesellschaftlicher oder psychologischer Natur. Aber mal angenommen, man ist auf völlig andere Weise programmiert, angenommen, die eigene Existenz steht auf dem Spiel, und es gibt keinen Ausweg, wirklich keinen ...'".
 
  John Burdetts Krimis mit Sonchai Jitpleecheep sind glänzende Einführungen in Thailändisches und damit eine gute Vorbereitung für einen Thailand-Aufenthalt. Aber sie sind mehr, sie sind so recht eigentlich beste kulturvermittelnde Lektüre. "Sie sieht mich fragend an. Wie soll ich ihr erklären, dass ein Land, das sich seit tausend Jahren an Intuition und Tradition orientiert, nicht einfach die aristotelische Logik akzeptieren kann?"

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