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Heinrich Steinfest
Mariaschwarz

Piper
2008
316 Seiten
ISBN: 3492051804
€ 16,90


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Von Alfred Ohswald am 23.04.2009

  Eines Tages taucht Vinzent Olander mit einem ungewöhnlichen Auto in Mariaschwarz auf und beginnt eine Routine aus täglichen, regelmäßigen Alkoholkonsum. Erst als im nahe liegenden Bergsee ein Seeungeheuer gesichtet worden ist und bei einem darauf folgenden Tauchgang ein weibliches Skelett entdeckt wird, erfährt der ermittelnde Kriminalbeamte Lukastik, dass Olander eigentlich seine verschwundene Tochter sucht. Sie soll in Mailand, dem Wohnsitz ihrer Mutter während eines Besuches von ihm unter dramatischen Umständen entführt worden sein.
  Doch erste Nachforschungen ergeben, dass er gar keine Tochter haben soll. Bei genaueren Recherchen schaut die Sache dann doch wieder anders aus. Lukastik hat bald wirklich alle Hände voll zu tun, denn der Fall wird nicht nur komplexer sondern auch mysteriöser.
 
  Nach Cheng, Lilli Steinbeck & Co. ist man von Steinfest ja schon ungewöhnliche Helden gewohnt und auch mit Lukastik enttäuscht er seine Leser in dieser Hinsicht nicht. Kein gewöhnlicher und erst recht kein liebenswerter Held und auch völlig anders, als seine Vorgänger(in). „Mariaschwarz“ ist vielleicht etwas näher an einem konventionellen Krimi dran, als seine Vorgängerromane. Mit etwas weniger ironischer Distanz und bis zum etwas eigenartigen Ende mit diesen komischen Affenfiguren, die gleichzeitig alle Normalität ankratzen und alles offenlassen. Zumindest scheinen die Leser sich auf ein Wiedersehen mit Lukastik freuen zu dürfen, zumindest macht uns Steinfest Appetit darauf.

Von Rudolf Kraus am 27.07.2009

  „Mariaschwarz“ nennen die Einheimischen den Mariensee, gelegen im österreichischen Provinzort Hiltroff. Ein Ort, der durch den ständigen Nebel eher unwirtlich denn einladend wirkt.
  Hier verbringt seit drei Jahren Vinzent Olander seine Tage im gleichbleibenden Rhythmus einer unveränderten Anzahl alkoholischer Getränke in penibler Reihenfolge. Diese unromantische Idylle wird durch einen Unfall gestört: Vinzent Olander stürzt in den Mariensee und wird gerade von seinem Wirt Job Grong gerettet, der ihm nicht nur ein Zimmer vermietet hat, sondern auch die tägliche Folge spezieller Alkoholika serviert.
  In der Folge stellt sich heraus, dass Vinzent Olander in Hiltroff seine angeblich entführte Tochter Clara sucht. Als aber ein weibliches Skelett am Grunde des Sees von einem deutschen U-Boot (das nach einem Seeungeheuer forscht) gefunden wird, wird der Wiener Chefinspektor Lukastik mit den Ermittlungen betraut, den eifrige SteinfestleserInnen bereits aus „Nervöse Fische“ kennen.
  Lukastik, der inzwischen seine Wittgenstein-Affinität aufgegeben hat, beginnt ungeahnte Zusammenhänge aufzudecken.
  Kunststoffaffenfiguren aus Überraschungseiern für Erwachsene, verworrene und klare Todesfälle zeichnen ein Bild, das Farben und Konturen tief aus der österreichischen Seele bis hin zu den trüffelölverschmierten Eingeweiden der Mailänder Gesellschaft bezieht. Und das sei keineswegs abfällig denn irgendwie rassistisch gemeint, denn Steinfest weiß ganz genau, wovon er spricht respektive schreibt: Diese österreichische Eigenart, die aus vielen Komponenten zusammen gesetzt ist und kaum verstanden wird, weil sie zwar durchschaubar aber eben nicht begreifbar ist. Und weil das nicht die einzige Wahrheit sein kann, hat Heinrich Steinfest noch weitere Realitäten parat.
  Eine Wahrheit darf ich Ihnen nicht vorenthalten, auch wenn sie so manchem Vertreter des männlichen Geschlechts nicht schmecken sollte, denn in kurzen aber wahren Worten erklärt Steinfest beinahe die halbe Welt:
  „Aber prinzipiell haben Frauen das richtige Verhältnis zu Autos. Sie akzeptieren, daß es besser ist, einer Maschine höflich zu begegnen, anstatt sie beherrschen zu wollen. Sie akzeptieren eine notwendige Distanz zur Maschine. Bei Männern ist das anders. Man muß es so hart ausdrücken: Männer glauben, sie könnten ihre Autos ficken. Was kein Wagen sich wirklich gefallen läßt. Darum ist der Verkehr genau so, wie er ist.“

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