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Leo Perutz
Turlupin
(1924)

dtv
2006
174 Seiten
ISBN-13: 978-3423135191


Von Alfred Ohswald am 06.08.2008

  Im 17. Jahrhundert sitzt ein junger, schwacher König auf Frankreichs Thron und Kardinal Richelieu hält die Macht in seinen Händen. Sowohl im Volk als auch beim Adel herrscht aufrührerische Stimmung.
  Der Perückenmacher ist auf den ersten Blick ein harmloser, gesetzestreuer Bürger, der seine Partnerin und deren Tochter liebt. Doch er trägt eigenartige Gedanken in seinem Kopf herum. Einst war er ein Findelkind und darum hängt er dem träumerischen Gedanken nach, aus adligem Hause zu stammen. Sein einziges Buch, das er immer wieder liest, ist ein obskures, okkultes Werk und setzt ihm weitere abenteuerliche Gedanken in den Kopf. So hält er Bettler für Spione Gottes, denen er immer etwas gibt, obwohl er sie im Grunde seines Herzens zutiefst verabscheut.
  Eines Tages gerät er irrtümlich zu den Begräbnisfeierlichkeiten eines Herzogs und wird dort von einer alten Frau ständig angestarrt. Natürlich hält er sie für seine lang gesuchte Mutter, bekommt aber keine Gelegenheit, sie anzusprechen.
  Der Gedanken, sein „rechtmäßiges Erbe“ anzutreten, lässt ihm natürlich keine Ruhe mehr. Auf etwas abenteuerliche Weise, gelingt ihm in den Kleidern eines Adligen und unter falschem Namen der Zutritt zum Schloss seiner vermeintlichen Familie. Und er gerät mitten in eine Versammlung von Verschwörern gegen Kardinal Richelieu …
 
  Leo Perutz postuliert hier vorweg, dass die Zeit für die französische Revolution schon ca. 150 Jahre vor ihrem tatsächlichen Ausbruch reif gewesen wäre. Nur die reichlich kauzige Gestalt des einfältigen Träumers Turlupin verhinderte durch eine Reihe recht abenteuerlicher Zufälle ihren Ausbruch. Ein sehr pointiertes literarisches Beispiel für die ausschlaggebende Rolle einzelner Personen für den Verlauf der Weltgeschichte.
  Es ist weniger ein historischer Roman, als eine Erzählung und es fehlt auch nicht eine Pointe, die den Anstoß zu Turlupins Irrtum auf recht simple aber doch verblüffende Weise aufklärt. Eigentlich ein typisches Stilmittel der Kurzgeschichte.

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