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Leo Perutz
Wohin rollst du, Äpfelchen…
(1928)

dtv
2005
264 Seiten
ISBN-13: 978-3423133494
€ 9,-


Von Alfred Ohswald am 26.06.2008

  In einem russischen Kriegsgefangenenlager während des 1. Weltkrieges schwören Georg Vittorin und einige Kameraden, dass einer von ihnen nach ihrer Befreiung zurückkehren und sich an dem brutalen Lagerkommandanten Seljukow rächen wird. Als sie dann tatsächlich zurück in die Heimat nach Wien kommen, wollen fast alle bald nichts mehr davon wissen. Nur einer seiner Kameraden ist bereit, Vittorin zu begleiten und selbst er aus einem anderen Grund, als Vittorin. Er hat bei seinem Arbeitgeber Geld unterschlagen und wird deshalb dann auch an der Grenze verhaftet.
  So kehrt Vittorin – seine Familie und seine Geliebte zurücklassend – allein nach Russland zurück. Dort beginnt eine abenteuerliche Odyssee durch das von der Revolution und dem Bürgerkrieg geplagte Land. Und mit zunehmender Dauer seiner Jagd nimmt Seljukow in seinem Geist bald fast mystische Dimensionen an.
 
  Leo Perutz Roman kann durchaus als moderner Spionageroman gelten, wenn es auch gleichzeitig zu einschränkend ist. Der Antiheld Vittorin, die desillusionierte Sicht auf die russische Revolution als auch ihrer Gegenseite und besonders der überraschende Schluss – ein Markenzeichen von Perutz – könnten ebenso gut aus John le Carrés oder Robert Littells Feder stammen. Wobei Perutz literarisch versierter und bei Handlung und Charakteren eher noch differenzierter ist.
  Auffallend ist in dem Roman noch die betonte Distanz von Perutz zu seiner Hauptfigur. Schon indem er ihn fast nur beim Familiennamen nennt, betont dies auf recht auffällige Weise. Vittorin wird nicht gerade als Identifikationsfigur präsentiert und mit wenigen Ausnahmen gilt das für viele Figuren noch stärker. Damit passen sie allerdings sehr gut in diese Zeit, die ihrer Werte und Moral verlustig gegangen ist.
  Bemerkenswert ist auch seine realistische Sicht der Revolution in Russland. In dieser Zeit der ideologischen Grabenkämpfe gerade unter Intellektuellen nicht unbedingt alltäglich.

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