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Andreas Eschbach
Die Haarteppichknüpfer
(1995)

Heyne
1998
324 Seiten
€ 6,95 [D]


Von Till Westermayer am 13.08.1999

  Ein mehrere Galaxien umfassendes Imperium wird von einem unendlich lange lebenden Kaiser regiert. Dieser wird gestürzt, und noch zwanzig Jahre danach gibt es Planetensysteme, die nichts vom Sturz des Kaisers wissen, teilweise sogar nicht einmal in den Sternkarten verzeichnet sind.
  So auch die Haarteppichknüpferplaneten, deren Kastengesellschaften sich gleichen und durch ein dunkles Geheimnis verbunden sind. Das Geheimnis - und ein noch viel dunkleres Geheimnis, nämlich die Frage, wer hinter der Revolte stand - wird im Lauf des Buches gelüftet.
 
  Nett, teilweise erscheint mir das Buch von seinem Duktus her sehr (ost-)deutsch. Es stellt sich damit eher in die Tradition von Lem als in die Tradition der englischen SF - was einem besser gefällt, ist wohl Geschmackssache.

Von Alfred Ohswald am 28.10.2003

  Die Haarteppichknüpfer sind eine geachtete Gilde, die während ihres Lebens einen einzigen Teppich aus den Haaren ihrer Frauen und Töchter knüpfen. Dieser Teppich wird verkauft und der Ertrag an den Sohn vererbt, der sein ganzes Leben damit bestreitet und wieder einen Teppich für seinen Sohn fertigt. Ein Haarteppichknüpfer darf nur einen Sohn haben, jeder weitere Junge, der ihm geboren wird, muss von ihm getötet werden. Die Teppiche sind für den Palast des Kaisers bestimmt, der, unsterblich, seit Jahrtausenden auf einem fernen Planeten residiert. Der Kaiser wird wie ein Gott verehrt und Ketzer werden gnadenlos getötet.
  Doch dieser Kaiser ist vor 20 Jahren von einer Rebellion besiegt und getötet worden, und in seinem Palast waren keine Haarteppiche gewesen. Als die Rebellenregierung die lange Zeit vom Reich isolierte Provinz entdecken, wo auf tausenden Planeten unzählige Haarteppiche produziert und mit alten Raumschiffen abtransportiert werden, beginnen sie das Rätsel zu erforschen.
 
  Zuerst steckt eine wirklich originelle Idee hinter diesem Roman, die Andreas Eschbach dem Leser erst langsam offenbart. Wie in einem Krimi, wird so die Spannung über das ganze Buch gesteigert, um erst am Schluss endgültig offenbart zu werden.
  Ungewöhnlich ist dabei der Erzählstil, Eschbach beschreibt die Handlung in jedem der relativ kurzen Kapitel aus der Sicht einer anderen Person, nur ein einziger Protagonist kommt in zwei Kapiteln zu Wort. Wie bei einem Mosaik oder eben einem Teppich, setzt sich der Roman deutlich aus zahlreichen kleinen Teilen, wie aufeinander folgende Kurzgeschichten, zusammen. Es gibt also keine Hauptfigur oder einen Helden, was das flüssige Lesen normalerweise nicht unbedingt erleichtern würde. Eschbach schafft es trotzdem mit einer Menge Geschick und mit Hilfe der Spannung, die in der Geschichte selbst steckt. Außerdem schafft hier gerade diese Art des Erzählens bei ihm eine besondere Eindringlichkeit jeder einzelnen der zahlreichen Figuren.

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