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Jung Chang / Jon Halliday
Mao
Das Leben eines Mannes – Das Schicksal eines Volkes
(Mao. The Unknown Story, 2005)

Blessing
2005
Übersetzt von Ursel Schäfer, Heike Schlatterer und Werner Roller
975 Seiten
€ 34,- [D] sFr 58,90


Von Alfred Ohswald am 23.10.2005

  Wohl kaum ein Diktator hat es so gut wie Mao Tse-tung verstanden, seine Gewaltherrschaft in der Weltöffentlichkeit lange Zeit geschickt zu verbergen und bei so manchem gar als großes Vorbild dazustehen. Man denke an die Maoisten im Westen in den 60er- und 70er-Jahren. Im 20. Jahrhundert steht Mao mit den durch seine Politik verschuldeten Toten mit ca. 70 Millionen wohl eindeutig an der Spitze. Nicht zuletzt die Hungersnöte, die durch sein gnadenloses Auspressen der Bauern zur Nahrungsmittelproduktion - hauptsächlich zur Bezahlung sowjetischer Militärtechnologie – wurden unzählige Menschen in unvorstellbare Not und den Hungertod gestürzt. Aber auch, wenn man „nur“ die direkt vom Regime getöteten Menschen zählen würde, hätte Mao uneingeschränkt die Spitzenposition unter den politischen Monstern des 20. Jahrhunderts inne.
  Während das ganze Land in bitterer Armut versank, leistete sich Mao selbst einen Lebensstil, der an die ärgsten Auswüchse antiker Despoten erinnert. Selbst die verschwenderischsten Pharaonen können da kaum mithalten. Mao legte zwar keinen Wert auf Prunk, aber es hatten z.B. jederzeit ein Flugzeug, ein Zug und eventuell ein Schiff zu seiner Verfügung zu stehen und wenn er flog, durfte sich kein anderes Flugzeug in China in der Luft befinden. Ganze Gebäudekomplexe mit höchsten Anforderungen an die Sicherheit wurden gebaut, wenn nur die Möglichkeit bestand, dass Mao die Gegend besuchen könnte. Oft betrat er ein solches, für exklusiv ihn errichtetes Gebäude niemals.
  Maos absolute Rücksichtslosigkeit und Grausamkeit machte sich nicht nur in seiner Politik bemerkbar, sie kennzeichnete ihn auch im Umgang mit seinem engsten Umfeld – selbst mit seiner Familie. Seine Kinder interessierten ihn nur in Bezug auf ihre Nützlichkeit für seine Politik.
  Zwei Machtziele prägten Maos Handeln, zuerst das Erreichen der Macht in der kommunistischen Partei Chinas und dann das Kämpfen um den Weltmachtstatus Chinas – durchaus mit immer wieder auftauchenden Phantasien über das Beherrschen der ganzen Welt. Grenzen kannte er bei beiden Zielen nicht, ein Atomkrieg – auch mit der Vernichtung des Großteils der Menschheit – wäre dabei durchaus als Handlungsoption möglich gewesen, wenn er nur die nötigen Voraussetzungen gehabt hätte. Die Atombombe hatte er bereits, nur an tauglichen Trägersystemen fehlte es.
 
  Die Biographie von Jung Chang, der Autorin des Weltbestsellers „Junge Schwäne“ und ihrem Mann, dem Historiker Jon Halliday, ist eine gnadenlose Abrechnung mit Mao. Viele der hier beschriebenen Dinge sind den Historikern mittlerweile bekannt, die breite Öffentlichkeit kennt sie allerdings oft noch nicht in ihrem vollen Ausmaß. In China ist das Thema noch immer weitgehend tabu und diese Biographie wird dort sicher auch nicht zugänglich sein.
  Die unablässige Folge von negativen Aussagen über Mao sorgte auch für Kritik wegen angeblich zu starker Undifferenziertheit und zu wenig Berücksichtigung mancher Hintergründe. Beim ohnehin nicht unbeträchtlichen Umfang des Buches mussten wohl bei den Details und Hintergründen Kompromisse gemacht werden. Der165 Seiten dicke Anhang mit Quellenhinweisen, Literaturquellen usw. zeigt aber den beträchtlichen Rechercheaufwand des Autorenduos. Dass es bei einem so heiklen Thema nicht völlig konfliktfrei zugeht, ist schließlich auch zu erwarten. Dem Erfolg des Buches schadet es sicher nicht - und der ist ihm auch zu wünschen.

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