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Yi Munyol
Der entstellte Held
(Uridului ilkurojin Yongung, 1987)

Unionsverlag
2004
Übersetzt von Heidi Kang
124 Seiten
€ 7,90 [D] 8,20 [A]


Von Alfred Ohswald am 27.04.2005

  Als sein Vater seine Stellung verliert und in die Provinz wechseln muss, bedeutet das auch für Han Pyongtae einen Wechsel von einer angesehenen Schule in Seoul in eine Kleinstadtschule. Dort trifft er auf seltsame Verhältnisse, der älteste und stärkste Schüler der Klasse übt als Klassensprecher ziemlich uneingeschränkte Macht über seine Klasse aus. Da es reibungslos funktioniert, wird er dabei auch vom Klassenlehrer unterstützt.
  Han widersetzt sich mit allen Mitteln gegen diese Diktatur. Er versucht Schüler gegen den Klassensprecher aufzuwiegeln und schwärzt ihn beim Lehrer an. Doch je mehr er sich anstrengt, um so deutlicher zeichnet sich seine Niederlage ab. Bei den Mitschülern vollkommen isoliert und beim Lehrer unbeliebt werden seine Noten zunehmend schlechter und selbst seine Eltern stehen nicht auf seiner Seite. Früher oder später bleibt ihm nur die Kapitulation und die Hoffnung, dass sie überhaupt akzeptiert wird.
 
  Yi Munyols Erzählung ist unschwer als Parabel auf das Verhalten der Menschen gegenüber absoluten Führungspersönlichkeiten in der Gesellschaft zu erkennen. Sein „Juniordiktator“ ist dabei aber keineswegs ein plumper, brutaler Charakter, sondern ein gewiefter, charismatischer Anführer der keineswegs nur durch seine überlegene Körperkraft herrscht. Die Charakterisierung dieser Führungspersönlichkeit ist, neben der gekonnten, geradlinigen und schnörkellosen Sprache, die Stärke dieser Erzählung.
  Yi Munyol nimmt auch keineswegs uneingeschränkt Stellung gegen diese Figur ein, mindestens ebenso bleiben ihm Mitläufer suspekt, die sich bei Änderung der Machtverhältnisse sofort anpassen. Aber selbst hier bedeutet kritische Distanz nicht Verurteilung, er breitet vor den Lesern vielmehr eine Geschichte zur eignen Beurteilung aus.
  Wie meist beim Unionsverlag, gibt es hinten im Buch noch zusätzliche Infos zum Autor und hier auch noch einen kurzen Abriss der Geschichte Koreas seit den 50er-Jahren, um zu zeigen, vor welchem Hintergrund die Erzählung zu sehen ist.

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