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Marjane Satrapi
Persepolis II
Jugendjahre

Edition Moderne
2005
Übersetzt von Stephan Pörtner
191 Seiten
ISBN-13: 978-3907055823
€ 26,-


Von Alfred Ohswald am 04.12.2004

  Der zweite Teil Marjane Satrapis Erfolgscomics „Persepolis“ beginnt dort, wo der erste Teil „Eine Kindheit im Iran“ endet. Die noch recht junge Marjane emigriert aus dem Iran nach Österreich, wo sie eine turbulente Zeit erlebt. Probleme bei der Wohnungssuche, Enttäuschungen mit ersten Verliebtheiten und ziemlich ausgiebiger Drogenkonsum führen dazu, dass sie sich schließlich auf der Straße wieder findet und bald zu ihren Eltern in den Iran zurückreist. Dort ist gerade der mörderische Krieg mit dem Irak überstanden und die Repressionen des Regimes sind eher noch stärker geworden.
  Marjane schaffte schließlich die Aufnahme zum graphischen Studium, wo sie Reza kennen lernt, sich in ihn verliebt und ihn bald auch heiratet. Lange hält die Ehe allerdings nicht, sie leben sich bald wieder auseinander und lassen sich scheiden. Erneut emigriert Marjane, diesmal nach Frankreich.
 
  Dieser zweite Teil umfasst die Zeit bis zum 24 Lebensjahr Marjanes und mit ihrer ersten Ehe eigentlich schon etwas mehr, als nur die Jugendjahre. Der typische, kontrastreiche Schwarz-Weiß.Zeichenstil und auch die Erzählweise sind gleich geblieben. Vielleicht beide etwas weniger zum Abstrakten neigend, wie im ersten Teil, aber genau so eindringlich und prägnant.
  In Frankreich ein absoluter Bestseller, hat dieser Comics im deutschen Sprachraum leider noch keinen ähnlich durchschlagenden Erfolg gehabt. Leider genießt dieses Medium hier nicht die gleiche Achtung wie in Frankreich oder Belgien, besonders was ernsthafte, realistische Comics betrifft. Schon gar nicht bei der Literaturkritik. In diesem Fall ist das eine bedauerliche Engsichtigkeit.

Von Sascha Todtner am 04.06.2009

  Die Biographie einer iranischer Kindheit und Jugend in Comicform. Hier wird das Rätsel gelöst, warum die Autorin Marjane Satrapi dieses Unternehmen begonnen hat – sie ist von Beruf Illustratorin.
 
  Der zweite Band von Persepolis behandelt die schon im Titel genannten „Jugendjahre“ und wieder und umso heftiger kämpft Satrapi gegen die westlichen Vorurteile ihrem Land gegenüber an. Sie vernichtet das Bild der resignierten iranischen Bevölkerung, welche alle fundamentalistisch gesinnt und unterdrückt sind. Sie rechnet auch mit Österreich ab und der Anonymität der jetzigen Gesellschaft.
 
  Der Band erzählt in kraftvollen Bilder von der Protagonistin, wie sie in Österreich ankommt, sich dort mehr schlecht als recht einleben kann und schlussendlich in den Iran zurückkehrt, der sich durch den Krieg vollkommen verändert hat, sie besucht einen alten Freund, der von der Front schwerst behindert zurückgekehrt ist, aber auch von der Rebellion der Jugend gegen die Gesetze der Wächter. Sie berichtet von der Uni und von ihrem ersten Freund, von der Reaktion der Gesellschaft, von rauschenden Partys.
  Schlußendlich aber muss die Autorin einsehen, dass sie ihren Ehemann nicht mehr liebt und der Iran für sie als selbstbewusste emanzipierte iranische Frau keine Zukunft bereithält. Diese Erkenntnis führt dazu, dass Marjane Satrapi ihrem Land für immer den Rücken kehrt und Frankreich geht.
 
  Viel düsterer und melancholischer als im ersten Band wird hier die Lebensgeschichte der Autorin erzählt und doch bleibt das Buch immer spannend. Der Leser neigt dazu es in einem Durchzulesen und gibt sich am Ende nicht damit zufrieden, dass Persepolis vergangen ist, aber vor allem ist diese künstlerische Biographie äußerst lehrreich für den Nicht-Orientalisten. Es gibt Anregungen, erklärt landestypische Begriffe, widerlegt Klischees und versucht durch neutrale Augen ihr Land und ihr Leben dort zu betrachten.
 
  Auch die Darstellung Österreichs, vor allem die Tirol-Episode glänzt durch ihren Humor, erscheint selbst für den Bürger dieses Landes neu und aufregend, dadurch dass Land und Leute von einer Außenstehenden gesehen werden.
 
  Die Charaktere sind psychologisch detailliert gezeichnet. Die graphische Gestaltung, die der Illustratorin eigen ist, nimmt sich zurück um die Handlung in den Vordergrund zu stellen und doch gerade beim zweiten Mal Lesen erweisen sich die Bilder als Glanzstücke.
  Die Faszination von Kindern bei Mitgutsch-Bilderbüchern wird verständlich. Man sieht beim jedem Lesen etwas Neues, davor nicht Entdecktes.
 
  Auch wenn der hier vorliegende Graphic Novel „Persepolis II“ weitaus düsterer und schwerer als der erste Band ist, so zeugt er doch von einer starken Frau, die ihr Leben in ihre hand nimmt und weiß, was sie will.
  Edition Moderne hat auch diesen Band in einer wunderschönen Ausgabe herausgebracht, die passend zu ersten Band mit Halbleinen und einem schönen in rot gehaltenen Cover sowie einer Goldprägung des Schriftzugs der Autorin, dem Titel und dem Verlag am Buchrücken aufwartet.
  Ein aufrüttelndes und ermunterndes Buch hinter die Kulissen zu sehen und ein Geständnis einer selbstbewussten Frau, die ihr Land liebt.
 Eine großartige Fortsetzung!

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