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Wolfgang Nitschke
Bestsellerfressen II - Es ist angerichtet
Selbstbeweihräucherungsmonzetten, Mitteilungsbedürfnisschriften und andere literarische Offenbarungseide

Edition Tiamat
2001
158 Seiten
€ 13,- [D] 13,40 [A]


Von Alfred Ohswald am 26.11.2004

  Wolfgang Nitschke zieht hier, mit einer Ausnahme, ausschließlich über Sachbücher her. Obwohl so ziemlich alle diese Machwerke diverser Politiker und Prominenter treffender unter die Rubrik „Bücher, die die Welt nicht braucht“ passen würden. Nitschke nimmt sie von seiner sehr weit links liegenden Ecke ins Visier oder besser unters Fleischermesser. Die feine Klinge ist nicht seine bevorzugte Waffe, er treibt die (armen) Schweine mit der Keule nacheinender durchs Dorf und pöbelt und schimpft dabei seine oft an Hasstriaden grenzende Polemik gegen sie hinaus. Man kann ja den Papst oder den Kosovo-Einsatz der Deutschen Bundeswehr gegenüber durchaus eine heftige Abneigung hegen, aber Nitschke wird dabei so deftig, dass es schlicht und einfach nicht mehr als Ironie oder Satire zu bezeichnen ist. Bei seinen „bloß“ 2000 (zum damaligen Zeitpunkt) offiziellen Opfern in Massengräbern im Kosovo sollten wohl auch politisch weit links stehende Leser sich an den Kopf greifen. Selbst sein Kapitel zu „Harry Potter“ ist ausschließlich ein politischer Kommentar.
  Irgendwie erinnert das Ganze an Verprügeln von Bewusstlosen, sucht er sich für seine Attacken ja fast ausschließlich zumindest in literarischer und fachlicher Hinsicht recht lahme Opfer aus. Als würde ein etwas schwächlicher Skinhead stolz und wutentbrannt Perserteppiche verklopfen. Seinen Vorbilder Matthias Deutschmann oder Matthias Beltz kann er jedenfalls hier nicht annähernd das Wasser reichen. Obwohl er an manchen Stellen zeigt, dass er sehr wohl sein satirisches Handwerkszeug beherrscht. Wenn er seine Wut etwas beherrschen könnte und etwas distanzierter bleiben könnte, wäre er sowohl witziger als auch wirkungsvoller und zu treffenden und schmerzhaften Seitenhieben fähig.

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