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Barbara Büchner
Die toten Weiber von Wien

Heyne
2001
237 Seiten
€ 8,95 [D]


Von Alfred Ohswald am 10.07.2004

  Die Gruselheftroman-Autorin Sonja Roth wohnt mit ihrem jüngeren Lebensgefährten Harry in einem Haus im Wiener Randbezirk Nussdorf. Zu diesem Haus gehört ein leerstehendes Gartenhaus, dass sie vermieten will. Es findet sich tatsächlich bald ein Interessent, ein Historiker, der angeblich eine umfangreiche „Geschichte Wiens“ schreiben will und deshalb ein ruhiges Plätzchen sucht.
  Erscheint ihr dieser Gelehrte schon am Anfang ziemlich abweisend und seltsam, so verstärkt sich dieser Eindruck bald immer mehr. Er verlässt das Gartenhaus kaum, bekommt häufig alle möglichen Lieferungen und scheint auch sonst recht umtriebig zu sein. Nicht schriftstellerische Tätigkeit, sondern Experimente scheinen ihn zu beschäftigen und es scheinen recht eigenartige Experimente zu sein. Geräusche in der Nacht stören den Schlaf von Sonja und Harry und als sie dem Ursprung in ihrem Keller, der einen Verbindungsgang zum Keller des Gartenhauses hat, auf die Spur kommen wollen, bekommen sie eine seltsame Erscheinung zu Gesicht. Und das sollte nicht die letzte Erscheinung sein, die sie zu sehen bekommen, denn die Experimente ihres Mieters scheinen etwas mit Okkultismus zu tun zu haben.
 
  Neben einer normalen, recht geschickt und spannend erzählten Gruselgeschichte, hat Barbara Büchner eine Menge Lokalgeschichte, Sagen, Anekdoten und historische Kriminalfälle der Stadt Wien in die Handlung eingeflochten. Diese „Histörchen“ und die Verwendung typisch wienerischer Ausdrücke, wobei sie allerdings nie übertreibt, geben dem Roman einen besonderen Reiz und zeigen viel vom ganz besonderen Charme Wiens.
  Ganz besonders ist noch die besondere Beziehung zwischen der über 50jährigen Hauptfigur Sonja Roth und ihrem 40jährigen Liebhaber zu erwähnen. Obwohl ihr voll bewusst ist, dass sie ihn finanziell aushält und er im Bett nicht unbedingt über umwerfende Qualitäten verfügt, funktioniert die Beziehung ganz ausgezeichnet. Ein solches Paar ist in einem Krimi und auch sonst in der Literatur in dieser sympathischen und humorvollen Art beschrieben kaum je vorgekommen. Der Schmarotzer ist dabei keineswegs eine negative Figur und seine Gönnerin gewinnt das Herz der Leser ohnehin durch ihre sich selbst gegenüber ehrliche Betrachtungsweise.
  Besonders gelungen sind dabei die erotischen Szenen, die nie übertrieben bis ins letzte Detail, mehr mit genau dosierten Anspielungen und einer Menge Humor erzählt sind. Das sollten sich manchen Autoren und Autorinnen als gelungenes Beispiel nehmen, die sich seitenlang und bis ins letzte Detail und ob der begrenzten Möglichkeiten naturgemäß irgendwann langweilig werdend über dieses Thema ausbreiten. Wen interessiert schon eine oftmals wiederholte, detaillierte Beschreibung einer heißen Liebesnacht, die nicht ganz oder gar nicht gelungenen amourösen Abenteuer sind viel unterhaltsamer. Eine normale Nacht zu zweit ist schon sehr viel schwerer auf unterhaltsame Art zu erzählen, Barbara Büchner gelingt aber auch das.
  Der Humor und der flotte unkomplizierte Schreibstil machen, neben den bereits erwähnten beiden Hauptcharakteren, die besondere Qualität dieses Gruselkrimis aus, der zwar recht unauffällig daher kommt, es aber faustdick hinter den Ohren hat. Es braucht schon ein recht ausgeprägtes Können im Umgang mit der Sprache, um so unterhaltsam zu schreiben.

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