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Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen
Der abenteuerliche Simplicissimus
(1668)

dtv
2003
657 Seiten
€ 12,- [D]


Von Alfred Ohswald am 08.07.2004

  Als der Bauernhof seiner Eltern von marodierenden Soldaten während des 30jährigen Krieges niedergebrannt wird, kann Simplicissimus in den Wald fliehen und landet nach einigem Herumirren bei einem frommen Einsiedler. Der nimmt sich seiner an und unterweist ihn in Lesen, Schreiben und Religion.
  Als der Einsiedler stirbt, macht sich Simplicissimus auf den Weg in die nächste Stadt. Der dortige Truppenchef nimmt sich seiner freundlich an. Aber bald gerät Simplicissimus bei einem Azsflug außerhalb der Stadt in die Fänge herumstreifender Soldaten. In der Folge treibt es Simplicissimus als angehender Secretarius, Narr, Soldat, Marodeur, Bauer, Pilger und Einsiedler zuerst kreuz und quer durch das kriegsgebeutelte Deutschland und später durch die halbe Welt. Auch seine Einstellung zum Leben ändert sich immer wieder, so wandelt er sich vom gewitzten Zyniker zum kühnen Soldaten, vom Musiker zum falschen Wunderdoktor und vom Frauenhelden zum religiös Bekehrten.
 
  Der „Simplicissimus“ ist in weiten Teilen eine Abenteuergeschichte, allerdings in einer ziemlich altertümlichen Sprache erzählt Es ist der erste deutschsprachige Roman überhaupt. Besonders gegen das Ende neigt Grimmelshausen aber immer mehr zum Philosophieren und lässt fiktive Figuren aus Mythen und Christentum in verschiedenen Dialogen lang und breit über den Zustand der Welt und der Menschheit diskutieren. Für den heutigen Leser eine eher mühselige Angelegenheit, außer man interessiert sich für die Weltsicht der Menschen der damaligen Zeit.
  Über weite Strecken ist es aber eine recht abwechslungsreiche, spannende Geschichte um das Leben und Schicksal eines gutmütigen Narren in der Tradition Parzivals. Allerdings entwickelt sich Simplicissimus bald über dieses naive Narrentum hinaus. Oft sind auch Elemente eines Schelmenromans erkennbar, besonders wenn sich die Ereignisse geradezu überschlagen.
  Wer sich als Leser auf die doch ungewohnte Sprache einlässt und/oder sich für die Zeit des 30jährigen Krieges interessiert, wird hier sowohl gut unterhalten, wenn man den letzten Teil nicht mitrechnet, oder findet hier eine erstklassige Quelle zu dieser Zeit,

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