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Brigitte Hamann
Der erste Weltkrieg
Wahrheit und Lüge in Bildern und Texten

Piper
2004
191 Seiten
€ 29,90 [D]


Von Alfred Ohswald am 04.06.2004

  Der erste Weltkrieg, die Erbsünde des 20. Jahrhunderts, der dieses Jahrhundert mehr als selbst der 2. Weltkrieg prägte. Unvorstellbar aus heutiger Sicht, wie es nach dieser traumatischen Erfahrung 20 Jahre später von Deutschland ausgehend erneut zu einem Krieg kommen konnte. Bedeutende literarische Werke, wie Karl Kraus’ „Die letzten Tage der Menschheit“ oder Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ prangerten diese Katastrophe eindringlich an und trotzdem lernten die Menschen nichts daraus.
  Besonders in Deutschland und Österreich ist das Allgemeinwissen über den 1. Weltkrieg im Vergleich zum 2. Weltkrieg relativ gering. Die noch vernichtendere Niederlage der Nazis, die Schuld des Holocaust und die anschließende Besatzungszeit machten aus dem aggressiven Deutschland eine militärisch extrem zurückhaltende Demokratie.
 
  Die österreichische Historikerin Brigitte Hamann bringt mit einem ungewöhnlichen Buch die Erinnerung an diesen ersten modernen Krieg in Europa ins Bewusstsein, der gerade für Österreich so nachhaltige Veränderungen brachte. Es gibt schon reichlich historische und militärhistorische Abhandlungen darüber, darum wählt sie eine völlig andere Betrachtungsweise. Anhand von Propagandakarten, Karikaturen, Lebensmittelkarten u.ä. aus ihrer persönlichen Sammlung und Ausschnitten aus Feldpostbriefen und persönlichen Notizen zeigt sie, wie sich dieser Krieg für die Betroffenen an der Front und Daheim dargestellt hat. Auf je einer Doppelseite widmet sie sich einem bestimmten Thema mit diesen Bilden, mit informativen Kommentaren versehenen, und einer bis zwei Textspalten.
  Obwohl die Themen ungefähr passend zur Chronologie des Krieges angeführt sind, stehen die eigentlichen Kriegsereignisse nicht im Zentrum der Darstellung, obwohl sie natürlich eine gewisse Rolle spielen. Am deutlichsten zeigen sich zwei Aspekte, der Wandel der Einstellung dem Krieg gegenüber der Bevölkerung und der Soldaten schon nach relativ kurzer Zeit des begeisterten Patriotismus und der grenzenlosen Selbstüberschätzung und der erstmalige massive Einsatz von Kriegspropaganda. Die konnte allerdings auch nach hinten losgehen, wie einige öffentlich verbreitete Bilder von hingerichteten Verrätern gezeigt haben, die von der Gegenseite unverändert als Beispiel der Brutalität des Gegners nachgedruckt wurden. Besonders die von einigen schäbig grinsenden, selbstgefälligen Österreichern präsentierte Leiche eines aus Österreich stammenden Italieners jagt heute dem Leser noch eine Gänsehaut über den Rücken.
  Anlässlich des 90. „Jubiläums“ werden sicher noch mehr Bücher zum Thema erscheinen, aber dieses Buch wird sicher einer der originellsten Beiträge bleiben.

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