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Jens Lossau / Jens Schumacher
Der Luzifer-Plan

Societäts-Verlag
2003
287 Seiten
€ 17,90 [D]


Von Alfred Ohswald am 23.05.2004

  Als ein Mann mit einigen, ziemlich spektakulären Auftritten auf sich aufmerksam macht und behauptet, der leibhaftige Satan zu sein, wird er festgenommen und in eine Nervenheilanstalt eingeliefert. Einige seiner schier übermenschlichen Fähigkeiten rufen die Ermittler Grosch und Passfelder von der Sonderkommission 66 des BKA auf den Plan, die für derlei Übernatürliches zuständig sind. Auch sie müssen feststellen, dass der Mann scheinbar solche Fähigkeiten hat und bald darauf wirft ein Ritualmord in der Nähe weitere Fragen auf.
  Ärzte und Pflegpersonal der Nervenheilanstalt haben wenig Freude mit dieser Entwicklung, weil sie die Sensationspresse auf ihre Institution aufmerksam macht. Lange tappen Passfelder und der reichlich exzentrische Grosch völlig im Dunklen, sollte tatsächlich der Leibhaftige in dieser Zelle sitzen?
 
  Im zweiten Roman des Autorenduos mit ihren zwei Helden übertreiben sie es nicht mehr so stark mit lockeren Schmähführen, trotzdem sind dieser lockere, flotte Stil und die verbalen Schlagabtausche zugleich die Stärke und, an manchen Stellen, auch die Schwäche des Buches. Dazu bewegen sie sich dabei zu sehr an der Grenze zum Klamauk und schaffen manchmal nicht die passende ironische Distanz und das richtige Timing. Über weite Strecken klappt es aber schon ganz ausgezeichnet, so ist z.B. eine Szene, wo der „Teufel“ nach einem Ausbruch aus der Nervenheilanstalt ein ziemliches Chaos unter einigen Stadtbewohnern anrichtet, wirklich perfekt gelungen.
  Der Roman scheint lange Zeit ein Horror-Thriller zu sein, erst am Ende wendet sich die Handlung in eine andere Richtung. Obwohl diese Handlung recht geschickt konstruiert und spannend erzählt wird, stehen doch die oft recht eigenwilligen Charaktere im Mittelpunkt. Als Beispiel mag hier nur Grosch, eine der beiden Hauptfiguren, dienen, der es sich z.B. in den Kopf gesetzt hat, bei einem Wettbewerb im Fernsehen mitzumachen, wo ein ganzer Stadtpark aufgegessen werden soll. Diese starke Überzeichnung ihrer Figuren birgt natürlich auch die Gefahr der Übertreibung und bei diesem Grosch ist es dann schon manchmal etwas zu viel des Guten und auch bei einer, alle Klischees in den Schatten stellenden, Journalistin wäre diesbezüglich etwas mehr Zurückhaltung kein Nachteil gewesen. Die locker, ironische Erzählstil, die witzigen Dialoge und die dann noch oft karikaturhaft überzeichneten Charaktere ersäufen den Leser an manchen Stellen geradezu mit Witzigkeit.
  Ingesamt bleibt trotz dieser Kritikpunkte ein wirklich gelungener, origineller Krimi mit Anklängen zum Horrorroman. Der flotte Schreibstil und der Ideenreichtum der Autoren sorgen dafür, dass an keiner Stelle auch nur der geringste Hauch von Langatmigkeit aufkommt.

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