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Frederick Forsyth
Der Rächer
(Avenger)

C. Bertelsmann
2003
Übersetzt von Rainer Pfleiderer
378 Seiten
€ 21,90 [D]


Von Alfred Ohswald am 19.12.2003

  Ein junger Amerikaner wird während seiner Arbeit für eine Hilfsorganisation in Bosnien-Herzegowina von einer paramilitärischen Bande Serben grausam ermordet. Sein Großvater, ein reicher und mächtiger Mann, will Rache und kontaktiert darum einen befreundeten Senator. Anfangs scheint alles wie gewünscht zu laufen, doch bald stellt sich heraus, dass der Anführer dieser Bande sehr vorsichtig und gewitzt war und nach dem Sturz Milôsevics spurlos im Ausland untergetaucht ist. Kein Geheimdienst der USA scheint seinen Aufenthaltsort zu kennen.
  Cal Dexter war im Vietnamkrieg bei einer Elitetruppe, die in den unterirdischen Tunnels der Vietcongs kämpfte. Nach dem Krieg studiert er, wird Anwalt und gründet eine Familie. Als seine Tochter Opfer einer kriminellen Bande wird, greift er zur Selbstjustiz und verliert auch noch seine Frau. Seitdem nimmt er von Zeit zu Zeit Geheimaufträge an, bei denen er ähnliche Täter für Angehörige der Opfer im Ausland aufspürt und in die USA entführt. Aber er tötet seine Opfer nie mehr, sondern überlässt sie der Justiz.
  Diesen Cal Dexter kontaktiert der Großvater des ermordeten Jungen und er nimmt den Auftrag an. Aber es wird nicht nur extrem schwierig, den gesuchten Mann aufzustöbern, auch eine Gruppe im CIA tut alles, um ihn zu schützen. Er soll ihnen beim Aufstöbern arabischer Terroristen helfen. Es ist das Jahr 2001 und ein großer Terroranschlag dieser Terroristengruppe wird befürchtet.
 
  Forsyth baut die Handlung mit vielen, kurzen Kapitel auf, in denen aus dem Blickwinkel verschiedener Personen deren Vergangenheit und ihr Beitrag bei der Aufklärung der Ermordung des Jungen beschrieben werden. Dabei kann er geschickt seine Kenntnisse über das Militär, Elitetruppen und Geheimdienste einflechten. Von der Vergangenheit des Großvaters des Jungen als Jagdflieger im 2. Weltkrieg bis zu den Einsätzen Cal Dexters in einer Spezialeinheit des Vietnamkrieges recht das Spektrum. Dazwischen gibt es immer wieder zahllose „Histörchen“ aus der Geschichte verschiedener Geheimdienste. Und natürlich darf der Anschlag auf das Word Trade Center, oder zumindest ein Teil der Vorgeschichte, nicht fehlen.
  Obwohl es bald den halben Roman dauert, bis die Charaktere vorgestellt sind und die eigentliche Aktion beginnt, stört das keineswegs, weil dieser Teil mindestens genauso spannend ist, wie die Haupthandlung selbst. Gerade dabei entfaltet sich Forsyths Talent, seine Helden und diverse Spezialisten in allen Details zu beschreiben. Und er hat eine Vorliebe für Superhelden, wie man in jedem seiner Romane feststellen kann, wie z.B. der Attentäter in „Der Schakal“ oder die Söldner „Die Hunde des Krieges“.
  Ein sehr guter Thriller, wenn man über die Weltanschauung hinter dem Buch hinwegsieht. Da erweist sich Forsyth als ziemlich begeisterter Anhänger der erzkonservativen Regierung, die zur Zeit in den USA das sagen hat. Das ist in dem Genre ja nicht unbedingt ungewöhnlich. Die vielschichtigen Charakterstudien eines John le Carré findet man hier kaum, Forsyth gleicht eher den typischen amerikanischen Thrillerautoren mit jeder Menge Patriotismus und Selbstjustiz als Idealform der menschlichen Konfliktbewältigung. Aber nicht so extrem wie z.B. Tom Clancy, dafür sind seine Romane spannender und nicht so voraussehbar, seine Feindbilder nicht ganz so einfältig und die USA nicht so völlig jenseits jeden denkbaren Fehlverhaltens.

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