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Ingrid Noll
Rabenbrüder

Diogenes
2003
208 Seiten
€ 19,90 [D] 20,50 [A] sFr 34,90


Von Alfred Ohswald am 29.06.2003

  Paul ist nicht sonderlich erfolgreicher Anwalt und seine Frau Anette hat zwar einigermaßen Karriere gemacht, aber einen wirklichen Spitzenjob hat sie auch nicht. Sie waren mit Markus und Olga bis zu deren Trennung befreundet und Paul hat jetzt ein Verhältnis mit Olga. Durch Zufall erfährt Anette davon, sagt Paul aber noch nichts.
  Eine Geschäftsreise Anettes will Paul für einen gemeinsamen Urlaub mit Olga nutzen, doch als er seine Frau mit dem Auto zum Flughafen bringt, passiert ihm ein Unfall. Er ist nur leicht verletzt und kann gleich nach Hause doch Anette muss noch etwas im Krankenhaus bleiben.
  Allerdings muss auch er sich noch schonen und so sind seine Gefühle etwas widersprüchlich, als sie Bruder Achim auftaucht und ihn bekocht und auch sonst für das Nötige sorgt. Mit Achim herrschte schon seit Kindertagen eine Rivalität um die Zuneigung ihrer Mutter. Jeder der Beiden ist von der Bevorzugung des Bruders überzeugt.
  So erfahren sie beide zugleich durch einen Telefonanruf ihrer Mutter, dass ihr Vater mit einem Schlaganfall im Krankenhaus liegt. Auf dem Weg, ihn zu besuchen, wollen sie vorher noch bei ihrer Mutter vorbeischauen. Dort treffen sie auf einen Mann in der Küche, der allen Anschein nach der Liebhaber ihrer Mutter ist. Peinlich berührt verabreden sie Stillschweigen. Im Krankenhaus empfängt sie ihr übelgelaunter Vater mit lautstarken Vorwürfen und Achim entschlüpft in seiner Wut ihre Begegnung mit dem fremden Mann in der Küche ihrer Mutter. Am nächsten Tag erfahren sie erschrocken, dass ihr Vater an einem weiteren Schlaganfall gestorben ist.
  Nun versammelt sich Pauls Familie, auch die gerade aus dem Krankenhaus entlassene Anette, in ihrem Elternhaus für einige Tage bis zum Begräbnis des Vaters. Paul liest dazwischen einmal zufällig von einem aufgefundenen Toten in der Zeitung, an dessen Foto er den Unbekannten in der Küche erkennt. Im Elternhaus kommt es inzwischen immer wieder zu leichten Spannungen zwischen den Versammelten. Wahre und erlogene Geheimnise über andere werden ausgeplaudert.
 
  In Ingrid Nolls Krimis gibt es keine Kommissare oder sonstige Ermittler als Helden, ihre Charaktere sind aus dem Umfeld der Tat und des Täters. Lange Zeit hat man nicht das Gefühl, einen Krimi zu lesen, es mutet eher wie eine Beziehungskomödie an. Erst gegen Ende wird die Situation brenzlig, bis dahin kommen nur sehr kleine Informationshappen. Den Verdächtigen kann der Leser aber relativ bald ausmachen. Das Rätseln um den Täter ist nicht wirklich ein Anliegen der Autorin.
  Obwohl Ingrid Noll bei der Beschreibung ihrer Charaktere und ihrer Erlebnisse dicht an ihnen dran bleibt, gelingt ihr eine ironische Distanz die selbst manche Alltäglichkeiten zu einer witzigen Situation geraten lassen. Ihre Helden Paul und Anette werden nicht wenig vom Leben und auch ihrer eigenen Verschulden immer wieder ziemlich vom Leben gebeutelt. Oft geraten sie in peinliche Situationen und genau so oft manövrieren sich selbst hinein.

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